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Krasser Pivot beim letzten FoudnersTalk für 2017: Speaker Andreas stand in einer Vollsperrung auf der Autobahn, der Event hätte fast nicht statt gefunden und dann gab es doch noch einen Hammer-Abschluss für eine tolle Season 2017!

Mit einer Stunde Verspätung fand der Talk zum ersten Mal in der Bielefelder Komödie (dem alten Astoria-Kino) statt. Eigentlich wäre Andreas Arntzen von Parship am Start gewesen, um uns etwas über die Business-Partner- und Investorenwahl zu erzählen. Aber es war Mittwoch der 13. und als es endlich losging und Jannis auf der Bühne anmoderierte, zeigt er uns ein kurzes Facebook Video von Andreas auf der Autobahn. Mit Blaulicht im Hintergrund und allem drum und dran. Ergebnis: Vollsperrung bis mindestens 21 Uhr.

Aber es kommt ja immer anders im Startup-Universum und es war jemand anwesend, auf dessen Insights alle regelmäßigen Founders Talk eigentlich insgeheim schon gewartet haben:

Moderator Jannis schnappte sich kurzerhand Sebastian Borek von der Founders Foundation und quetschte einige echte Entrepreneur-Gems aus ihm heraus!

That’s the Spirit!

Das erste Business-Model mit 8 Jahren entwickelt

Als Mitglied eines Familienunternehmens in der 7. Generation hat Sebastian Entrepreneurship im Blut und sein erstes echtes Business-Model war ein Gewinnspiel auf dem Flohmarkt mit seinem Playmobilfort. Spieler konnten 20 D-Mark gewinnen, wenn sie ein für 50 Pfennig gekauftes Fähnchen auf das Versteck des Geldscheins gestellt haben. Der Profit war mehr als zufriedenstellend, bis der Flohmarktbetreiber die Standgebühr auf von 8-jährigen einsammeln kam.

Dabei hat er früh gelernt: Mit Geld kannst du etwas bewegen und reinvestieren.

Seifenimport von Marokko nach NYC

Mit 21 Jahren arbeitete Sebastian bereits als Trainee in New York – mit 26 war er dort Berater einer internationalen Agentur. Bei seinem Kumpel Antonio in SoHo sah er eine Olivenseife in schicker Holzschale ein Mitbringsel aus Marokko. Nach der ersten Idee, die Seife im größeren Stil zu verkaufen, sagten sich die beiden: „Just do it!“ und kurze Zeit später fuhr Sebastian mit einem Sack gar nicht so lecker riechender Olivenseife im Auto vom Airport-Zoll in die City zurück. Die Jungs verpackten die Seife und gingen auf die Straße. in jeden Laden, der Beauty, Lifestyle, Interieur, Design und was man sonst noch mit schicker Seife assoziieren konnte. Die ersten Produkte gab es kostenlos zum testen für die Ladeninhaber. Später bezahlten die Händler 12$ pro Stück und verkauften sie für 39$ weiter.

Supergefühl: Durch New York City laufen zu können und sein eigenes Produkt in den Schaufenstern zu sehen. Später waren sie in gut 150 Läden in den USA und Japan vertreten.

Nachdem die ELLE einen Artikel über das Startup gebracht hatte, ging alles ganz schnell und das Business wurde so groß, dass die beiden eine Produktion der fertigen Seifen in Marokko einrichteten. Da das ganze nur ein Sidehustle war, zog sich Sebastian irgendwann raus und konzentrierte sich auf das nächste Startup, das sehr viel näher an dem Geschäftsmodell seiner Familie war: Dem Druckerei-Business.

„JETZT müssen wir liefern!“

Das wurde Sebastian augenblicklich klar, als er mit seinen anderen beiden Co-Foundern von Cardmine im Investorengespräch saß und klar war: Sie kriegen die letzten 600.000 Dollar, um die insgesamt 7-stellige Investitionssumme zusammen zu bekommen.

Das Business-Model von Cardmine: Weltweit konnten Kunden kostenlos Postkarten verschicken: Werbefinanziert. Die Idee war zu seiner Zeit für Endkunden wie Werbekunden ein super Geschäft. 3 Jahre später verkaufte er seine Anteile.

The Spirit of New York

Die hohe Akzeptanz für Experimente, die ständige Bewegung und Motivation zu harter Arbeit macht NYC so großartig.
Da fragt dich jeder nach Deinen Projekten und ist begeistert, vernetzt dich und sagt: „Sure! You can do it!“
In Deutschland fragen die Leute eher: „Hast Du denn auch an Deine Krankenversicherung gedacht?“

Nach Cardmine baute er „einige Zeit Power Points im Konzern“ und widmete sich dann wieder dem nächsten Startup.

Spiritualität funktioniert in fast allen Märkten gleich und verbindend

Und ist deswegen ein Riesenmarkt: Sebastians nächstes Unternehmen Astro Media schaffte es in Brasilien, USA, Deutschland, Kroatien, Spanien und vielen anderen Ländern erfolgreich den Markt für Horoskope zu erschließen.

Das Modell: Beratungshotline in Kombination mit TV-Shows. Auf der einen Seite gab es die Experten z.B. für Horoskope und auf der anderen Seite die Menschen, die bereit waren, für die Expertenberatung zu bezahlen. Technologisch wurden beide Seiten über VOIP-Telefonie zusammen gebracht und an dieser Transaktion wurde verdient.

Ernüchternde Erkenntnis: Du verdienst mehr Geld, wenn Du weniger Qualität lieferst, weil die Kunden keine anspruchsvolle Beratung wollten. Damit ging auch die Passion für Businesses im Bereich Spiritualität verloren.

Business aufbauen und dann übergeben

Es gibt Unternehmer und es gibt Geschäftsführer. Also einmal die, die ein Startup aufbauen und dann die, die es weiter führen und zu einer „richtigen Firma“ machen.

Sebastians Interesse liegt klar auf ersterem. Sein Ziel ist es, etwas aufzubauen. Experimentieren und schauen, ob Dinge klappen. Deals organisieren und Kunden finden.

Wenn man sich selbst und seine Stärken gut kennt, kann man die gezielt einsetzen und sich für alles andere Team-Mitglieder suchen. Das bedeutet auch zu wissen, wann man ein Geschäft an jemanden übergibt, dessen Stärke eher im stabil betreiben und langsam weiter entwickeln ist.

Familienunternehmen Ja oder Nein?

Sich selbst zu kennen bedeutet auch zu wissen, was man nicht gut kann. Für Sebastian: Im Familienunternehmen arbeiten. Für jemanden, der so getrieben von ausprobieren und neuaufbauen ist, ist es schwer zu akzeptieren, wenn Veränderungen irre lange brauchen. „Was im Startup in 6 Monaten passiert, braucht in Traditionsunternehmen oft ein Vielfaches!“

Erfahrungen aus dem Company-Builder

Bevor Sebastian mit Dominik die Founders Foundation gestartet hat, legte er noch einen produktiven Zwischenstop beim Berliner Company Builder Finleap ein. Dort arbeitete er als Co-Founder und CEO am Aufbau einer FinTech-Affiliate-Platform mit.

„Am beeindruckendsten war hier, wie professionell, lean und schnell Startups hochgezogen werden: Nach 6 Monaten arbeiten 14 Leute in 5 Sprachen und 7 Ländern. Spannend zu sehen, wie Ehrgeiz und Professionalität zu Selbstbewusstsein und Vertrauen bei den Investoren führt. Dadurch kann sich ein Unternehmen noch schneller entwickeln.“

Größter Fehler: Falsches Team-Building

In einem Fall waren im Vorstand drei Marketing-Leute, die sich nur durch das Alter unterschieden. Das führte dazu, dass Aufgaben überhaupt nicht klar waren. Solch ein Team würde Sebastian heute nicht mehr aufbauen, sondern diversifizieren und mehr Know-how über die einzelnen Founder ins Unternehmen holen.

Eine Erkenntnis war außerdem: Wer zu schnell gemeinsam gründet, kommt am hinterher unter Umständen schwer wieder raus. Besser mit eigenen Unternehmen kooperieren als gleich gemeinsam zu gründen.

Partnerwahl: Wie findet man die Richtigen?

Kurz vor Ende des FoudnersTalk kam das Gespräch noch einmal auf das ursprüngliche Thema und auch hier hatte Sebastian einen Rat:

Fragt Euch bei der Partnerwahl, was die Firma braucht und macht daran fest, wen ihr reinholt oder mit wem ihr kooperiert. Braucht ihr technische Expertise? Kommt ihr menschlich gut klar? Bringt jemand ein gutes Netzwerk mit?

Der Tipp des Abends:

Geht raus! Probiert euch und eure Talente gemeinsam mit anderen aus. So findet ihr am besten raus, was ihr gut könnt, wie ihr euch am schnellsten verbessern könnt und mit wem ihr euch gut ergänzt. Das geht am besten, wenn man etwas unternimmt.

  • Initiative entwickeln
  • Leute ansprechen
  • andere Menschen mobilisieren
  • auf Startupweekends gehen
  • Dinge einfach machen!

Alle Erfahrung fürs Startup Ecosystem OWL

Mit der Founders Foundation wurde für Sebastian so etwas wie ein Traum wahr:

Ständig etwas neues aufbauen. Als Mentor mit Know-how, Netzwerk und Erfahrung Gründer unterstützen und mit Traditionsunternehmen des Mittelstands zusammen bringen.

Auch wenn die Region Ostwestfalen noch ganz am Anfang steht, ist sie in Relation mit anderen vergleichbaren Regionen in Deutschland deutlich weiter. Großes Potenzial sieht Sebastian in B2B Startups, IoT, Industry 4.0 und dem Export von digitalen Produkten, der in Deutschland noch viel zu wenig stattfindet.

Ein großartiger Founders Talk und toller Abschluss für 2017! Was waren eure wichtigsten Erkenntnisse des Jahres? Verratet sie uns auf Facebook oder per Mail.