In den vergangen Wochen haben wir jede Gelegenheit genutzt und haben für Euch Know-how zusammen gestellt, wie ihr in Ostwestfalen-Lippe an Venture Capital kommt und was bei der Ansprache von überregionalen und internationalen Investoren zu bedenken ist.

Hier findet ihr einige Nuggets, die euch bei der eigenen Investoren-Suche helfen können. Danke an die Inputgeber Alexander von Frankenberg (HTGF), Christian Miele (e.venturesHemdat Sagi, Otto Birnbaum (Partech Ventures), Robert Lacher (La Familglia) Thomas Lueke (Cherry Ventures) und Videesha Böckle (Signals VC)

Immer zuerst das Problem. Dann der Investor

Als Gründer sollte man sich erst überlegen: Wo gibt es ein Problem und wie kann ich das jetzt oder in Zukunft lösen. Und dann erst die passenden Investoren suchen. Umdrehen könnt ihr das ganze, wenn ihr bei einem VC oder deren Investoren ein Problem ausmacht, dass ihr gezielt mit eurem Produkt lösen könnt. Dann lohnt sich die Entwicklung darauf und eine Ansprache besonders.

Verknüpft eure Lösung mit Technologien und Branchen, die für VC wichtig sind

So gut wie jeder VC hat bestimmte Branchen und Technologien, die besonders gepusht werden. Entweder, weil dort besonders viel Potenzial gesehen wird oder: Weil die kapitalgebenden Unternehmen und Experten beim VC bereits Experten in den Bereichen sind.

Das können einerseits Hype-Themen sein wie Blockchain, AI und Machine Learning, aber auch etablierte Themen wie Pattern Recognition und Bilderkennung, durch die plötzlich neue Lösungen und damit Business Models möglich werden wie: Autonomous Driving oder Roboter, die durch zusehen lernen.

Denkt in Hardware!

Ein roter Faden, der sich durch viele Gespräche mit VC zieht ist: In Deutschland sind wir sehr gut darin, Hard- und Software zu verbinden. Sucht nach Möglichkeiten, eure Lösung mit Hardware zu verknüpfen, die einen VC oder eines seiner Partner-Unternehmen auf den next Level bringt.

Auch das Menschliche ist ausschlaggebend

Basieren Venture Capital Geber auf der DNA von Familienunternehmen und sind sehr darauf bedacht, neben Kapital auch das Know-how und die Erfahrungen aus vielen Unternehmer-Generationen an Gründer weiter zu geben, solltet ihr nach persönlichen Anknüpfungspunkten suchen. Zum Beispiel auf die gleichen Veranstaltungen gehen und dort die Vertreter der VC kennen lernen.

Und wie wir von Verena Pausder ja bereits gelernt haben: Startups sind Familienunternehmen in erster Generation.

Eine erfolgreiche Region zieht weiteres Venture Capital an

Wenn erstmal einige VC in einer Region erfolgreich investieren, kommen in der Regel schnell weitere Kapitalgeber hinzu. FOMA – Fear of missing out. Die Angst einen neuen Hotspot in der heißen Frühphase zu verpassen treibt auch Kapitalgeber um. Klar: Wer ganz zu Anfang mit dabei ist, lernt die Netzwerke kennen und kann früh die passenden Gründer zum Portfolio finden.

Auch Regionen können und sollten sich vernetzen. Wegen Berlin oder Silicon Valley muss man Ostwestfalen-Lippe nicht links liegen lassen. Und umgekehrt. Verschiedene Regionen sollten sich immer ergänzen.

Denkt also auch immer für Eure Region und das Startup Ökosystem dort mit.

B2B und B2C nähern sich immer mehr an

Ein VC der sich vollständig auf B2C konzentriert hat, wird mit eurem B2B-Produkt vermutlich nicht ganz so viel anfangen können. Umgekehrt sieht die Sache aber schon ganz anders aus: Customer aus dem B2B-Umfeld sind aus dem Privatleben die spitzen User Expiriences von Kajak, AirBnB und anderen gewöhnt und erwarten vergleichbares immer mehr im Business-Umfeld. Ihr könnt punkten, wenn ihr es schafft, komplexe Business-Prozesse zu vereinfachen, zu beschleunigen oder auf Plattformen zu vernetzen und damit die Transaktionskosten zu senken.

Wenn der Staat zum VC wird

In Israel tritt auch der Staat als VC auf und investiert bis zu 500.000$ in Startups. Die Regierung funded dabei auch durchaus riskante Gründungen. Da es sich dabei häufig um Business Models aus dem Security Umfeld handelt, kommt sowohl Kapitalgebern, als auch Gründern die starke Vernetzung zwischen Militär und Unternehmen zu Gute: Frauen gehen in Israel 2 Jahre, Männer 3 Jahre zur Armee und werden dabei in Skills ausgebildet, die für das spätere Leben als Entrepreneur unheimlich wichtig sind:

  • Software
  • (Business) Intelligence
  • Führen und geführt werden
  • Management und last but not least:
  • schnell schwierige Entscheidungen treffen

Mehr zu Ökosystem Israel könnt ihr in unserem Special dazu lesen.

Welche regionalen Unternehmen arbeiten bereits mit VC zusammen?

Wir lernten auch, dass Traditions-Unternehmen der Region mit internationalen VCs zusammen arbeiten. Sie profitieren so von Lösungen, die deren Startups anbieten. Beispielsweise wird das Produkt eines israelischen Startup zur Massenindividualisierung in OWL genutzt, das über den VC Sequioa gefunden wurde.
Das Learning: Technologische Ausrichtung und Portfolio können durchaus ein Gegengewicht zu räumlicher Nähe sein.

Recherchiert über passende VC so viel wie möglich!

Welche Unternehmen wurden bereits gefundet und wer im VC Team war selber Gründer? Findet heraus, welche Lösungen die Startups im Portfolio bereits entwickelt haben. Findet Anknüpfungspunkte zur Ergänzung oder Weiterentwicklung. Wenn der VC in bestimmten Märkten besonders stark ist, solltet ihr Argumente finden, warum ihr ihn dort noch weiter bringen könnt. Wenn ihr neue Märkte zugänglich machen könnt, müsst ihr diesen Markt in und auswendig kennen.

Denkt auch beim Investor Customer Centric

Betrachtet Eure Investoren als Kunden: Setzt euch ihre Brille auf und fragt euch: Warum sollte VC XYZ in uns investieren? Was können wir bieten? Welches Problem des VC können wir lösen? Passen wir zu einem speziellen Fokus des VC? Haben wir Schnittpunkte mit dem bestehenden Portfolio und können uns mit anderen Investments ergänzen?

Arbeitet an eurer Story!

Warum ist eure Lösung besser als andere und wie hängt das mit den Skills eures Teams zusammen? Wie habt ihr das Problem, das ihr mit eurem Produkt löst, entdeckt und welche Erfahrungen habt ihr mit den Facetten des Problems? Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Markt bereits gemacht und wie gut versteht ihr ihn?

Die Ansprache muss Sinn ergeben

Wenn ihr die mit diesen Tipps gearbeitet habt, dann versteht ihr jetzt den Bedarf eines VC bereits sehr viel besser und könnt eine gezielte Anfrage stellen. Nun könnt ihr darin nicht nur eure allgemeinen USP aufzählen, sondern vermittelt dem Ansprechpartner, wie sehr ihr euch mit dem Business und der Ausrichtung des Investors beschäftigt habt. Bestenfalls erkennen die Personen auf der anderen Seite dann direkt, welche sinnvollen Vorteile sich durch ein Investment in euch ergeben.

Dive deeper into Startupregion OWL

in den folgenden Artikeln könnt ihr noch mehr über Venture Capital hier auf Startupregion OWL erfahren

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