Wir haben 6 Ideen für Health Care Business Models zusammen gestellt. Von IoT-getriebenen Produkten über digitale Plattformen, Chatbots und Apps bis hin zu Social Entrepreneurship. Natürlich gibt es tausende weitere Ausprägungen. Wir wollen euch nur ein paar Ideenansätze liefern:

Gleich zweimal stießen wir in den vergangenen Tagen auf die Frage: Welche lohnenden Business Models ergeben sich im Health Care Bereich. Zum einen fand am 15.11. in Bielefeld ein Meetup statt, bei dem die Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt der Zukunft beleuchtet wurde. Dort waren wir sehr auf der Metaebene unterwegs und hörten aus Forschung und Studien, wo die Reise hingehen könnte.

Verena Pausder ging beim FoundersTalk ganz pragmatisch an die Frage heran: Die ersten Early Adopters der Digitalisierung kommen so langsam schon in die Nähe des Seniorealters und selbst Millenials werden irgenswann in Rente gehen. Deswegen betrachtet Verena diese Zielgruppe auch vorm Hintergrund der immer älter werdende Gesellschaft in Deutschland als wachsenden Markt.

Bereits vor einigen Monaten stellten wir euch 10 erfolgreiche Health-Startups vor. Denken wir heute mal ein paar Schritte weiter und schauen, welche Business Models sich im Healthcare und Pflege-Umfeld ergeben:

Digitale Plattform um ältere Menschen mit der Umgebung zu vernetzen

Ältere Menschen können oft nicht mehr so gut raus gehen oder wären froh, wenn Erledigungen für sie gemacht werden können. Eine Idee für ein Business Model, das auf dem Meetup entstand ist eine digitale Plattform, die ältere Menschen in einem Viertel untereinander genauso vernetzt wie mit Geschäften, Dienstleistern und anderen Anwohnern. Senioren könnten Hausaufgabenhilfe oder Kinderbetreuung übernehmen und im Gegenzug werden Einkäufe gebracht oder Arbeiten im Garten erledigt.

Die Finanzierung? Ergibt sich aus Affiliate-Fees für Geschäfte und Dienstleister, die ihre Produkte und Service digital in der Nachbarschaft vermarkten können.

IoT-Lösungen, die ein Home wirklich smart, also mitdenkend machen

Das CITEC stellte auf dem Meetup sein KogniHome vor. Eine smarte Wohnung, die mitdenkt und sich mit den Bewohnern weiter entwickelt. Beispielsweise erkennt die automatisch öffnende Haustür, ob gerade eine Tasche den Weg zum motorisierten Öffnen versperrt oder ein krabbelndes Baby. Das geht schon weit über das hinaus, was wir bisher als SmartHome kennen und eröffnet auch ganz neue ethische Fragen wie: Darf das SmartHome einen an Demenz erkrankten Bewohner daran hindern, die Wohnung zu verlassen?
Aber hier entstehen spannende Produkte und Leistungen: Sturzerkennungs-Sensoren mit automatischer Angehörigen oder Arzt-Benachrichtigung zum Beispiel.

Die Kunden sind in solchen Fällen weniger die Betroffenen Menschen selber, als eben Supporter aus der Familie, die sicher gehen wollen, dass es ihren Eltern oder Großeltern gut geht.

Conversational Systems die im Notfall das richtige Krankenhaus / Arzt wählen

Stellt Euch vor, Ihr habt einen medizinischen Notfall und um es etwas zu vereinfachen gehen wir davon aus, dieser Notfall ist nicht lebensbedrohlich. Aber zeitkritisch. Ihr habt euch einen Zahn ausgeschlagen. Nun wäre eine App bzw. ein Conversational Assistant eine große Hilfe, der euch in eurem Umkreis nicht nur zum passenden Facharzt führt, der euch den Zahn ggf. wieder implantieren kann, sondern auch erste Anweisungen gibt, wie der Zahn gelagert und transportiert werden muss.

Zahlende Kunden für einen solchen Service wären Krankenkassen oder ggf. auch die entsprechenden Ärzte.

Anamnese Bögen digitalisieren und dem Kontext anpassen

Wer mal den Hausarzt gewechselt hat oder zu einem Facharzt überwiesen wurde, kennt das: Bevor eine Sprechstundenhilfe überhaupt einen Finger rührt muss ein mehr oder weniger sinnvoller Papier(!)-Fragebogen ausgefüllt werden. Mindestens 2-3 Fragen darin kann man nur schätzen und erklären sich auch nicht von selbst.
Hier wäre eine Webapp oder ein Chatbot denkbar, der bereits von zu Hause kontaktiert wird und kontextbezogene Fragen stellt, die nach einem Algorithmus aufeinander aufbauen und bestenfalls über eine Hilfefunktion verfügen, um Dinge die dem Patienten unklar sind zu verdeutlichen. Der Arzt bekommt so aussagefähigere Informationen und der Patient einen reibungsloseren Ablauf.

Der Markt für eine solche Anwendung: Die entsprechenden Ärzte zusammen mit den Krankenkassen, da der administrative Aufwand beim Arzt verringert und die Informationsqualität erhöht wird.

Private und selbstverantwortete Patientenakte

Die digitale Patientenakte ist schon seit Jahren ein Thema im deutschen Gesundheitswesen. Warum sollte man warten, bis das Gesundheitssystem seinen Riesentanker auf einen neuen, digitalen Kurs gebracht hat. Vielmehr könnte ein Startup mit einem exzellenten digitalen Produkt bereits heute viel erreichen. Ein Produkt das für die Patienten alle Befunde, verwendeten Medikamente, durchgeführten Behandlungen, Gesundheitsdaten und und und zusammen fasst und in Relation zueinander setzt. Der Patient hat seine Gesundheitsdaten nicht nur immer dabei, sondern bekommt sie durch den Service auch individuell erklärt und von objektiver Seite beurteilt.
Nur ein Beispiel: Warum wurde ein bestimmtes Medikament verschrieben und was bewirkt es genau? Bei einer Einlieferung ins Krankenhaus kann ein Stationsarzt bei über 100.000 zugelassenen Medikamente in Deutschland unmöglich interpretieren, welches unbekannte Präparat zu welchem Zweck beim neuen Patienten vom Hausarzt eingesetzt wurde. Und Patienten wissen das in der Regel auch nicht.

Langfristig ist eine solche digitale Patientenakte ein Produkt für die Krankenkassen. Kurzfristig wäre ein Test am Markt interessant, wieviele Patienten ihre Gesundheitsdaten gegen eine monatliche Gebühr in die eigene Hand nehmen würden.

Gesundheits-Assistenz

Wenn größere Operationen oder langfristige Behandlungen anstehen, kommt auf die Patienten eine Menge an Verwaltungsaufgaben zu: Arzt-Termine planen, Kinderbetreuung organisieren, Arbeit delegieren, Uber oder Taxi zur Behandlung bestellen, Medikamente zum Bestpreis ordern, OP-Vorbereitung und Nachsorge, Reha und vieles mehr.
Hier könnten digitale Prozesse und Assistenten bereits viel Erleichterung schaffen. In Kombination mit spezialisierten Agenturen, die sich auf den Bedarf der Patienten einstellen und die Aufgaben zum großen Teil abnehmen können nicht nur eine unmittelbare Hilfe sein, sondern auch langfristig die Genesungschancen erhöhen, da sich die Patienten voll auf ihren Job des Gesundwerdens konzentrieren können.

Der Markt steckt hier möglicherweise privat beim Patienten oder auch bei den Krankenkassen.

Übrigens: Ihr könnt natürlich auch Social Entrepreneurship Modelle ins Kalkkül ziehen, wie sie bsw. Titus mit skateaid und auch Verena Pausder voran treiben.

Diskutiert mit uns auf Facebook oder hier weiter. Was sind eure Business Model Ideen, für die ihr im Health Care Sektor Erfolgschancen seht?

Artikelbild: jesse orrico on Unsplash

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