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Erst validieren, dann bauen. Mit diesem Motto könnt ihr auch ohne großes Team von Developern, Monate langer Programmierarbeit und ausuferndem Budget herausfinden, ob eure Idee fliegen wird. In diesem 3. Teil unserer Validierungsserie wollen wir euch einige Inspirationen liefern, mit denen ihr direkt lostesten könnt.

1. „Ghetto Testing“ oder Fake Door Test

Zynga ist einer der erfolgreichsten Hersteller von Browsergames (remember Farmville?). Die einfachste Validierungsmethode, die oft noch wertvolle Insights für das MVP generiert, nennt Zynga Ghetto Testing:

  1.  Einen 5-Wörter Pitch für das neue Produkt oder Feature bauen
  2. Ab damit auf eine Website mit massiv viel Traffic und checken, wieviele Klicks generiert werden
  3. Über die Klicks E-Mail-Adressen einsammeln
  4. Eine einfache „Ghetto“ Version des Produkts bauen
  5. Testen.
    Wieder mit Schritt 1 weitermachen.

2. Landingpage Test

Schon etwas ausgefeilter. Statt eines einfachen 5-Wörter Pitch und eines E-Mail-Sammelformulars baut ihr eine Landingpage, die euer Produkt beschreibt und ggf. erste Mockups des Produktes zeigt. Gerade bei digitalen Artikeln lässt sich das mit 3D-Packshots oder Screenshots einer späteren App easy umsetzen.

Mit Facebook- und Google-Ads zieht ihr Traffic auf eure Landingpage .

Erste KPI ist, wie stark eure Zielgruppen auf die Ads klicken.

Zweiter Erfolgsindikator könnte sein, wieviele sich auf der Landingpage bsw. für einen „Beta-Test“ oder  weitere Produktinfos anmelden.

3. Die Marktforschung

Die Funktionen eurer Validierungs-Landingpage könnt ihr beliebig erweitern. So könnt ihr z.B. eine Vorbestellungs-Möglichkeit einbauen, zu verschiedenen Preispunkten und Funktionsumfängen und erhaltet so direktes Feedback, welche Kombination besonders bei den Kunden gewünscht wird.

Natürlich könnt ihr so auch Varianten wie Farbe oder Größe vorab testen oder den Bedarf für verschiedene Produktfeatures.

4. Flowchart- oder Storyboard-Testing

Diese Methode ist eher was für die Fußgängerzone: Ihr produziert eine möglichst einfache Visualisierung davon, wie euer Produkt das Problem des Kunden löst und geht damit zu den potenziellen Kundengruppen. Mit eurem Storyboard in der Hand erklärt ihr kurz euer Produkt und findet dann über die Fragen aus unserem Teil 1 genauer heraus, in welche Richtung ihr weiter entwickeln könnt.

Statt eines Storyboards könnt ihr auch ein Video produzieren. Aber bedenkt dabei den höheren Aufwand und das Zielpersonen durch den linearen Ablauf eines Films nicht so gut zu einzelnen Schritten Feedback geben können, wie bei einzelnen Standbildern.

5. Das „Wizard of Oz“ MVP

Hier baut ihr schon die Hülle eines Produkts, aber: Der eigentliche Prozess dahinter wird von Hand erledigt. Entweder von euch als Gründer oder von einem Dienstleister wie Fiverr oder Amazon Mechanical Turk. So erhalten eure Kunden ein echtes Ergebnis, eine Leistung, ein Produkt – aber ihr braucht noch nichts aufwendiges bauen.

6. Das Concierge MVP

Es geht noch schlanker: Das Concierge MVP ist vergleichbar mit der Oz-Variante nur mit dem Unterschied, dass ihr mit offenen Karten spielt und dem Kunden erklärt: „Wir erarbeiten das Produkt mit euch on the fly und im direkten Dialog“. Dafür braucht es keine Fake-Produkt-Hülle.

7. Das Consulting MVP

Hier habt ihr bereits eine sehr gut funktionierende Methode oder einen effektiven Prozess mit viel Background Know-how, der dem Kunden echten Mehrwert bringt. Dann kann es Sinn machen, eure Leistung als Beratungs-Mandat zu entsprechenden Sätzen anzubieten, über die ihr Cash-Flow generiert, die euch laufende Kosten, Automatisierung durch Technologie und Skalierung ermöglichen.

8. Das Vertrags-MVP

Sicherlich die exotischste Variante: Ihr setzt einen Vertrag für euer Produkt oder Leistung auf (das noch nicht existiert) und sprecht potentielle Kunden an, ob sie bereit wären den Vertrag sozusagen als Vorkaufsrecht – bsw. mit besonderen Konditionen zu unterschreiben. Wenn das Produkt verfügbar ist, werden sie dann automatisch Kunde. Sie können jederzeit vorher kündigen und wenn das Produkt nicht gebaut wird, entstehen auch euch keine Verpflichtungen.

Vom Prinzip her funktioniert das wie ein sehr individuelles Crowd-Funding – nur eben ohne Vorauszahlung.

9. Crowd-Funding Kampagne

Sicherlich die aufwendigste Methode in dieser Liste und nur sinnvoll, wenn ihr bsw. mit hohen Produktionskosten für Hardware zu rechnen hättet. Crowd-Funding hat zwei große Vorteile: Die Plattformen bringen euch bereits potenzielle Kunden, die gerne Early Adopters sind und wenn ihr sie überzeugt, dann bekommt ihr euer Funding durch Vorab-Käufe eures Produktes rein.

Trotzdem sind der Aufwand für eine erfolgreiche Kampagne und die lange (Vor)-Laufzeit bis zum tatsächlichen Ergebnis (mit Vorbereitung des Crowd-Funding könnt ihr mit mindestens 3 Monaten rechnen) eher Argumente gegen diese Methode. Zumindest für schnelle Tests.

Die Vorteile von Validierungs-Tests

Mit allen Methoden erhaltet ihr schnell und kostengünstig Insights wie wertvoll potenzielle Kunden eure Produktidee finden. Ihr könnt bis zu kleinen Features runter testen und vermeidet so wertvolle Zeit und Budget zu verschwenden, indem ihr keine Features oder Produkte baut, die die Kunden nicht annehmen.

Und, ganz wichtig: Sie bringen euch dazu, die Sprache eurer Zielkunden zu lernen und zu sprechen.

Artikelbild: Blake Guidry on Unsplash