Bist du ein Mensch? 10   +   7   =  

– Wer junge Leute nicht ernst nimmt, schießt ein Eigentor –

Warum werden Menschen unter dreißig von älteren Leuten oft wie Kinder behandelt?

Die Frage stelle ich mir oft – eine logische Antwort habe ich bislang nicht gefunden. Zuletzt habe ich sie mir gestellt, als ich Kevin Kühnert von den Jusos in einer TV-Debatte zur GroKo gesehen habe. Er hat sich vollkommen ruhig und sachlich gebärdet (warum sollte er auch nicht) und war rhetorisch überzeugend; wurde von älteren Politikerinnen und Politikern dennoch regelmäßig auf eine derart maßregelnde Art und Weise angesprochen, als sei er ein pubertierender Teenager, der in seiner Profilierungsphase ein bisschen über die Stränge schlägt.

Ganz ähnlich geht es mir oft, wenn ich Zusammentreffen von jungen Gründern mit Traditionsunternehmern beobachte. Founder sind immer noch so etwas wie die jungen Wilden im Business. Das ist richtig und gut, es ist aber kein Grund sie wie Grünschnäbel zu behandeln. Denn sie sind Geschäftspartner, Kunden oder Kollegen. Und nicht der Neffe, der auf Oma Renates Siebzigstem grade ein Blockflötensolo hingelegt hat. Trotzdem kommt es immer mal wieder zu Situationen zwischen jungen und alten Unternehmern, in denen seitens Letzterer Sätze fallen, die etwa so beginnen: „Pass auf, ich verrat dir mal was“, formvollendet durch eine verschwörerisch leicht gesenkte Stimme und eine patschige Hand auf der Schulter. Dann folgt meist etwas wie: „Wenn du … richtig machen willst, musst du … machen.“ Die Rollenverteilung ist klar: Der gute Onkel gibt dem kleinen Bubi/der kleinen Bubine jetzt mal einen Tipp fürs Leben mit auf den Weg. Das ist in den meisten Fällen sicher gut gemeint, hat aber etwas ziemlich Herablassendes. Stellen wir uns das Ganze mal umgekehrt vor: Wenn nach der Verlesung der Quartalszahlen der Praktikant aufstehen, dem Konzernchef in die Wange kneifen und „Donnerwetter, da warst du aber tüchtig“ sagen würde, dann wäre das ausgesprochen merkwürdig. Umgekehrt ist es das auch!

Natürlich wissen Startups nicht alles über die klassischen oder konservativen Arten ein Unternehmen zu führen. Aber genau darum geht es ja! Ihre Kreativität, ihre Flexibilität, der Raum für Versuche, ihre unkonventionelle Art der Problemlösung und ihr Denken außerhalb von festgefahrenen Arbeitsstrukturen.

Und genau davon können die Traditionsunternehmen profitieren. Voraussetzung dafür ist zu akzeptieren, dass man füreinander arbeitet und voneinander lernt und sich nicht in die Position des gütigen Chancengebers rückt. In Wahrheit sind das nämlich beide Seiten. Gleichermaßen.

Wie der Neffe auf Oma Renates Siebzigstem, der seinem Onkel nach der dritten gehörten Lebensweisheit zeigt, wie man Snapchat benutzt.

Um diesen Prozess zu unterstützen: Hier eine Liste der Dinge, die ich als Freelancer nie wieder sagen müssen möchte:

  • Ja ich war auch überrascht, dass das tatsächlich ein Beruf ist.
  • Nein man kann nicht davon leben. Schauen Sie mich an. Sieht das nach Leben aus?
  • Ja, mit 45 Wochenstunden, einem Haufen Papierkram und ständiger Erreichbarkeit ist das wirklich mehr ein Hobby was ich da mache.
  • Vielen Dank, dass Sie so gnädig sind, mich einen Auftrag für Sie ausführen zu lassen. Ich schulde Ihnen wirklich was.
  • Natürlich arbeite ich umsonst für Sie. So bezahle ich ja auch mein Büro. Sechshundertfünfzig warme Worte und neunundneunzig Schulterklopfer kriegt mein Vermieter monatlich. Wussten Sie übrigens, dass ich mich ausschließlich von Publicity ernähre?

Zynismus aus.

Stay witty!

 

Photo by Lucas Favre on Unsplash