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Diese Zahl, die man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen muss, nennen die Consultants von Oliver Wyman. Und ausgerechnet die weltweit führenden deutschen Logistik-Unternehmen und Speditionen „gehen die Aufgabenstellungen der digitalen Transformation eher zögerlich an“. In ihrer internationalen Marktanalyse raten die Experten den Logistikdienstleistern sehr viel stärker die Kooperation mit Startups zu suchen.

Warum sind Startups dafür prädestiniert, den Logistik-Sektor aufzurollen?

Mit IoT, Industrie 4.0 und Produkt- und Kunden-Daten stehen bisher nicht dagewesene Möglichkeiten zur Verfügung, die Effizienz von Lagerhaltung und Transportwegen zu steigern. Hinzu kommt eine immer transparentere Preisstruktur für Logistik-Dienstleistungen – sowohl bei Unternehmen wie auch beim Endkunden.

Die meisten Logistik Startups entstanden zwischen 2014 und 2015 in den Bereichen Online-Plattformen sowie Versand und Nachverfolgung. Da Startups sich nicht an jahrzehntelang gewachsene Branchenstrukturen halten müssen, sondern von außen auf Optimierungspotenziale schauen können, werden hier innovativere Lösungen entwickelt, als in der Branche selbst. Der unverstellte Blick und die Fähigkeiten zum effizienten Problemlösung durch Software, kann den Erfolg aus Personentransport wie bei Uber gesehen oder aus der Übernachtungsvermittlung wie bei Airbnb auch auf den Gütertransport übertragen.

Das Kapital ist da

Alleine in 2016 haben US Venture Capitalists mehr als 250 Millionen Euro in Logistik Startups investiert. Schauen wir uns die Funding-Analyse von Oliver Wyman genau an, fällt auf, dass der Großteil der Investitionen gar nicht aus den USA stammt:

Logistik Startups Funding - (c) Oliver Wyman Analyse

Logistik Startups Funding – (c) Oliver Wyman Analyse

 

Die Top 10 gefundeten Startups nach Finanzierungsvolumen zwischen 2007 und 2016 sind (Links führen zu Crunchbase):

  1. Cainiao Logistics mit 1,54 Milliarden US-Dollar, ist der Logistik-Zweig der Alibaba Group
  2. BEST Logistics Technology mit 788 Millionen US-Dollar, ist ein chinesischer Suplly Chain Service Provider. Sowohl Alibaba Capital Partners als auch Cainiao haben investiert
  3. Go-Jek mit 550 Millionen US-Dollar, ist ein indonesischer Transport-, Shopping und Kurier-Dienst in Indonesien mit Ojek genannten Miet-Motorradfahrern
  4. Gett mit 522 Millionen US-Dollar, ist der israelische, aber bereits weltweit agierende Wettbewerber zu Uber im Personentransport
  5. Dada mit 400 Millionen US-Dollar, ist ein chinesisches Startup, das sich auf die Auslieferung an den Endkunden im Umkreis der letzten 3 Kilometer konzentriert
  6. Zoox mit 290 Millionen US-Dollar, ist ein kalifornisches Startup, das Mobility as a Service entwickelt und durch eine Flotte aus autonomen Elektrofahrzeugen und dem unterstützenden Ökosystem aufbaut
  7. Blue Grace Logistics mit 255 Millionen US-Dollar gefundetes Unternehmen aus Florida, ist der am schnellsten wachsende und einer der führenden Supply Chain Service Anbieter in den USA
  8. BigBasket mit 247 Millionen US-Dollar, ist Indiens größter Online-Händler für Lebensmittel.
  9. LaModa mit 211 Millionen US-Dollar, ist Russlands größter Online-Händler für Mode, Lifestly und Technik. Inklusive dem eigenen Logistik-Unternehmen für 24-Lieferung in Russland und Kasachstan. Die Gründer stammen übrigens aus Deutschland und zum größten Teil von Rocket Internet.
  10. TradeShift mit 191 Millionen US-Dollar, ist eine globale Business-Plattform in den USA, die cloud-basierte Geschäftsprozesse wie bsw. Rechnungsstellung anbietet.

Auffällig bei dieser Top-10 ist die Konzentration des Kapitals eher in der asiatischen Region. USA sind auch noch recht gut vertreten, aber die einzige europäische Beteiligung sehen wir in den 4 deutschen Gründern bei LaModa.

In der Top 10 der mit Venture Capital gefundeten Logistik Startups konzentriert sich der Hauptteil des Kapitals auf Versand und Nachverfolgung, gefolgt von Online Plattformen. Im Bereich Asset Management entfällt ein großer Teil des Kapitals auf ein einzelnes Startup. Robotics und autonome LKW sowie Daten und Analyse-Lösungen sind ebenfalls nur einmal vertreten.

Wie sieht es in Deutschland aus?

In Deutschland beginnen DHL oder DB Schenkel noch recht schleppend bei der Kooperation mit und dem Investieren in Startups. Aber erste Schritte werden bereits unternommen. DHL hat das Startup Streetscooter der RWTH Aachen übernommen, die ähnlich wie Zoox elektrische Transportfahrzeuge entwickelt.

DB Schenker hat eine Kooperation mit der Frachtbörse Uship aus den USA begonnen, von der sich das Unternehmen mehr Geschäft im Landverkehr ebenso verspricht, wie Innovation und Know-how-Transfer.

Über 40 Logistik-Startups haben Oliver Wyman bei ihrer Analyse lokalisiert und raten der Branche, sich hier stärker mit lokalen Gründern auszutauschen. Der Hintergrund ist klar: So wie die obige Auflistung zeigt, entstehen viele Geschäftsmodelle zunächst durch regionale oder nationale Besonderheiten im Kauf- und Lieferverhalten, die sich bei entsprechendem Erfolg internationalisieren und skalieren lassen.

In OWL haben wir übrigens bereits drei ausgesprochene Logistik-Startups:

  • TrackCode entwickelt eine Scanner-Lösung für Logistik-Unternehmen auf Smartphone-Basis
  • Loom Technologies GmbH entwickelt die Transport Management Software Cartright
  • Time2Ship GmbH ist ein Vergleichsportal für den internationalen Expressversand

Und auch sehr spitze Logistik-Lösungen wie im Bereich Deichbau und Hochwasserschutz hat OWL mit dem Gütersloher Startup Topocare etwas zu bieten.

Aber auch Traditionsunternehmen wie Westaflex in Gütersloh arbeiten auf der Logistikseite mit Startup-Methoden: Das selbst entwickelte chaotische Lager auf Barcode-Basis ist quasi wie ein kleines Startup-Projekt innerhalb des Unternehmens entstanden und sorgt dafür, dass Material, Aufträge, Regale, Standplätze usw. individuell zugewiesen und zu jedem Verarbeitungsschritt nachvollziehbar.

Wie zukunftsträchtig ist die Logistikbranche?

So lange kein Startup die Star Trek Technologien des Beamens oder des Replikators entwickelt, werden Menschen Dinge von A nach B transportieren müssen. Die Zukunft der Logistig-Branche ist damit wohl sicher. Die Frage ist nur: Wer sie in den kommenden Jahren prägen wird: Jahrzehntelang etablierte Unternehmen oder Startups, die den Status quo hinterfragen und radikal neue Lösungen für den Kunden entwickeln.

Artikelbild via unsplash by Erwin Hesry