Bist du ein Mensch? 0   +   9   =  

Die amerikanische Onlinedatenbank Crunchbase führt Uber als das am höchsten bewertete Startup der Welt. Der Post Money Value wird dort, Stand September 2017, mit 62,5 Milliarden US-Dollar angegeben. „Post Money“ bedeutet, dass alle bisher in das Unternehmen getätigten Finanzierungsrunden bei der Bewertung berücksichtigt wurden.

Würde jetzt jemand eine Milliarde US-Dollar in den Fahrdienstleister investieren, sind die 62,5 Milliarden plötzlich Pre Money Value, also der Wert vor der neuen Geldspritze. Danach stiege die Gesamtbewertung, der neue Post Money Value, auf 63,5 Milliarden an, und der Geldgeber erhielte dafür 1,57 Prozent der Firmenanteile. Uber ist ein Unternehmen mit einer langen Investmentgeschichte, sodass hier genug Daten vorliegen, um eine solche Herangehensweise zumindest rechnerisch zu rechtfertigen.

Wirklich objektive Kriterien gibt es nicht

Schwieriger wird es, wenn ein Startup erstmals eine Finanzierung anstrebt und dafür seinen Wert selbst einschätzen soll. Regelmäßig zu beobachten ist das in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“, wo Jungunternehmer beispielsweise Kapital in Höhe von 100.000 Euro benötigen und als Gegenleistung 10 Prozent der Anteile an ihrem Startup anbieten. Daraus ergibt sich eine Bewertung von 1.000.000 Euro.

Ob diese zu hoch, zu niedrig oder realistisch ist – dafür gibt es keine wirklich objektiven Kriterien. Folgende Faktoren machen es besonders schwierig, frische Startups zu bewerten:

  • Sie erzielen nur geringe oder noch gar keine Umsätze.
  • Startups machen in der Regel sogar Verluste, oft sogar auf längere Sicht, da für ein starkes Wachstum hohe Ausgaben notwendig sind.
  • Oft bieten sie neue Produkte, deren Markttauglichkeit und Publikumswirksamkeit noch nicht absehbar ist.
  • Sie haben keine Unternehmensgeschichte, die Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung erlauben würden.
  • Die Teams sind selten so aufgestellt, dass alle notwendigen Aufgaben intern erledigt werden können. Auch lassen sich Teamdynamik und -stabilität gerade bei sehr jungen Unternehmen schwer einschätzen.

Die Bewertung von Startups ist eine Wette auf die Zukunft

Es gibt sicherlich noch weitere Faktoren, die alle eines gemeinsam haben: Es fehlen belastbare Fakten und absolute Gewissheiten. Letzteres gilt im Prinzip natürlich für alle Unternehmen, die Unsicherheit ist bei Startups nur größer. Trotzdem gibt es eine Reihe von Punkten, die für eine Potenzialanalyse relevant sind:

Markt. Hier spielt die Größe eine Rolle und die Sättigung. Ein Produkt für eine Nische, die bisher kaum besetzt ist, kann erfolgreicher sein als ein Massenprodukt mit zu viel etablierter Konkurrenz.

Team. Eine Floskel lautet, „Ich investiere nicht in Ideen, sondern in Menschen.“ Tatsächlich haben viele Startups während ihrer Entwicklung ihre Geschäftsidee ändern müssen und waren trotzdem erfolgreich, weil das Team gut aufgestellt war.

Produkt. Eine Idee an sich ist noch nichts wert, ein Produkt schon. Faktoren wie Innovationsgrad, Funktionalität, Design und allgemein Qualität lassen sich relativ leicht überprüfen. Gibt es für das Produkt ein Patent, trägt das zu einer höheren Bewertung bei.

Unternehmensentwicklung. Wenn es bereits Umsätze gibt, hilft das natürlich sehr bei der Unternehmensbewertung. Und steigen diese Umsätze über einen längeren Zeitraum kontinuierlich oder gar exponentiell, ist dies das beste Argument. Skalierbarkeit ist schließlich der Wunsch aller Investoren.

Es gibt diverse Methoden, die Bewertung systematisch vorzunehmen. Die eine Formel, die am Ende einen verbindlichen und objektiven Wert errechnet, gibt es allerdings nicht. Bewertungen sind immer eine Wette auf die Zukunft und von dem Optimismus geprägt, der die Startup-Szene ausmacht, Übertreibungen nicht ausgeschlossen. Die amerikanische Beratungsfirma Cayenne Consulting hat sich trotzdem einen
High Tech Startup Valuation Estimator entwickelt, der eine ganze Menge Kriterien abfragt und damit ein hilfreiches Tool sein kann, um sein Startup besser einzuschätzen.