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Das Mercury.ai Programm hat mich im Januar zwar nicht ins Weltall, aber immerhin nach New York und San Francisco geführt. Und obwohl die Termine in zwei aufeinander folgenden Wochen, und somit nicht weit auseinander lagen, lautete die Route FRA – EWR – FRA – DUS – LHR – SFO – LHR – DUS. Die günstigen Flüge sind halt nicht umbuchbar. Mit Zwischenstopp Zuhause für dreieinhalb, wobei die ganze Zeit über gefühlt 1 Uhr nachts war. Das muss dieses Startup Jetset Leben sein, von dem alle reden.

Erzähl es der Welt

Nachdem bereits das letzte Jahr für mich mit ein paar solcher Trips endete, bot es sich an, dieses mal ein kleines Reisetagebuch zu führen. Und wie ja schon die Ramones wussten: „Touring, touring, is never boring.“ Also warum nicht. Allerdings steckten natürlich klare strategische Ziele hinter der Reiserei. Die Chatbot Community, mit ihrem (noch) recht offenen Ideenaustausch konzentriert sich diesseits des Atlantiks in Wien, Paris, Berlin und Tel Aviv und jenseits in San Francisco, Austin, New York, Boston und Montreal. Für ein Startup aus OWL gilt also der alte Spruch, dass der Berg nicht zum Propheten kommt. Wenn man wirklich etwas „technologisch Besonderes“ vorweisen kann und die „Szene“ davon erfahren soll, muss man seine Steintafeln halt vom Teuto herabtragen und um die Welt fliegen.

Das Bots und AI Meetup New York

Im Oktober hatte ich bei Jeff Pulvers MoNage Konferenz in Boston Alec Lazarescu kennengelernt, der sich um den Chatbot Teil des Programms gekümmert hatte und mich nach meinem Vortrag einlud, auch in New York zu präsentieren. Das von Alec organisierte Bots and AI Meetup New York ist DER Treffpunkt der New Yorker Chatbot Szene. Es wird ca. alle vier bis sechs Wochen veranstaltet, ist regelmäßig gut besucht und wird von Partnern wie SAP und IBM Watson gefördert. Auch die Liste der Vortragenden ist jedes mal so herausragend gut, dass ich bei der Einladung gar nicht lange überlegen musste. So sprach z.B. nach mir als zweiter Redner Eyal Pfeifel von Imperson, der Israelischen Chatbot Schmiede hinter den Disney Entertainment Bots von Miss Piggy und Doc Brown.

What a location

Das Meetup fand in den Räumen von ThoughtWorks im 15. Stock in der Madison Ave. statt, nur ein paar Blocks südlich des Empire State Buildings. Der gesamte Office Space machte, wie auch die Gastgeber, einen sehr offenen und freundlichen Eindruck. Der Veranstaltungsraum, die Aaron Swartz Memorial Gallery, musste durch Öffnen der beweglichen Wandelemente vergrößert werden, um den deutlich über 200 Besuchern des Meetups ausreichend Platz zu bieten. Mit so einem Ansturm an einem kalten, regnerischen Donnerstagabend hatte ich nicht gerechnet. Aber mit ausreichend Pizza und Bier und improvisierten Sitzplätzen auf den Tischen herrschte eine gute Stimmung, die mir schnell über Jetlag und Aufregung hinweghalf.

 

Das CITEC als international einzigartiges Entwiklungsumfeld

In meinem Vortrag (den es übrigens auch als Video anzusehen gibt) sprach ich über Dialogverhalten von Chatbots und die Vor- und Nachteile der verschiedenen konzeptuellen Ansätze. Während NLP – also das „Verstehen“ der Nachrichten durch den Bot –  zum state-of-the-art guter Chatbots gehört, ist das Dialogverhalten heute meist noch sehr starr. Genau hier liegt eine der großen Stärken von Mercury.ai. Die Beispiele aus unserem Chatbot für das Maggi Kochstudio sorgten entsprechend für nerdige Begeisterung. 

Interessant war auch, dass ein Großteil des Publikums, wohl repräsentativ für die Chatbot Community, einen Computer Science Hintergrund hatte und mit Kognitions- und Sprachwissenschaftlichen Theorien und Konzepten wenig vertraut war. Solche Beobachtungen rufen mir immer wieder die Besonderheit der interdisziplinären Arbeitsweise an Uni Bielefeld und CITEC ins Bewusstsein – eine Basis ohne die wir unseren Ansatz bei Mercury.ai nie in dieser Art hätten finden können.

Byebye New York, see you again

Die restlichen eineinhalb Tage NY konnte ich neben Arbeit am Hotelschreibtisch noch mit etwas Sightseeing – Times Square, Grand Central Station, UNO, Wallstreet, Blick auf die Freiheitsstatue und Katz Delicatessen – verbringen. Abends fand noch ein Bot Analytics Workshop im Galvanize Space statt. Arte Merritt, CEO von Dashbot, zeigte ein paar super schöne neue Features und wie Analytics für Conversational Interfaces ganz andere Möglichkeiten bietet, als wir es von Webanalytics kennen. Das war’s dann schon wieder mit New York und ich konnte die USA kurz vor dem Government Shutdown verlassen.

Nach dreieinhalb Tagen zu Hause ging es dann schon wieder weiter nach San Francisco. Gleich nach Ankunft freute ich mich, im Lyft vom Flughafen in die Stadt mit Ronnie aus Kolumbien über die Bundesliga zu fachsimpeln. OK, bei seiner Vorliebe für Dortmund waren wir uns dann nicht so einig. Aber wie ich erfuhr, gewinnt Fußball inzwischen in den USA deutlich an Bedeutung.

Next Stop Re.Work AI Assistant Summit in San Francisco

In San Francisco besuchte ich dann an den folgenden bei den Tagen den Re.Work AI Assistant Summit. Die erfreulich tiefgehenden Vorträge konnten wirklich begeistern. Von sehr spannenden Tech-Talks – besonders gefielen mir die Vertreter von Carnegie Mellon und dem Allen Institute – bis hin zu Projektberichten wie dem zum Alexa Skill für den Nissan Leaf bot das Programm eine erfreuliche Breite bei hoher Qualität. Gegen Ende des ersten Tages durfte ich dann in einer der wenigen Startup Präsentationen eine Mercury.ai Demo zeigen. Und wieder sorgte die Dialogfähigkeit unserer Bots für Aufmerksamkeit und anschließenden Austausch mit Kärtchentausch.

 

DAS Chatbot Founders Dinner – der Name ist Programm

Das Highlight der Reise war dann die Einladung von Andrew Ng zum Chatbot Founders Dinner.

Andrew hatte sieben Gründer von Chatbot Startups, unter anderem Alison Darcy von Woebot, Joshua Browder von DoNotPay und Maran Nelson von Clara Labs zu einem Gedankenaustausch bei sehr gutem Essen in einem privaten Raum im Kokkari geladen. Themen reichten dabei von technologischen und produktspezifischen Fragen über unsere gemeinsame, aber von unterschiedlichen Richtungen kommende Begeisterung für conversational interfaces bis hin zu Silicon Valley Gossip. Und natürlich erzählte Andrew auch etwas zu seinen Conversational AI Erfahrungen bei Baidu.

Vom Tech-Reichtum profitieren nicht alle

Auch in San Francisco blieb mir dann noch ein Tag zum Bummeln, den ich für einen Abstecher nach Berkeley nutzte, bevor es wieder nach Hause ging. Als kleines Goodie spendierte der Pilot dann noch eine sehenswerte Kurve über San Francisco. Diesmal hatte ich die USA dann knapp vor Trumps Rede zur Lage der Nation wieder verlassen.

Über einen San Francisco Besuch kann man allerding zurzeit leider nicht berichten, ohne auch auf den verstörenden Kontrast aus Tech-Reichtum und allgegenwärtiger Obdachlosigkeit und Opioid-Epidemie zu verweisen. Gerade auf der Market Street, rund um das Twitter Headquarter wird das besonders extrem. Hier könnte sich das innovative Kalifornien mal etwas von unseren Gesundheits- und sozialen Sicherungssystemen abschauen. Die sind zwar auch nicht im besten Zustand, aber immer noch um Längen voraus.

Nun gilt es, an die zahlreichen Gespräche anzuknüpfen. Wünsche, an der bald anstehenden closed Beta von Mercury.ai teilzunehmen müssen bedient werden 😉 Und mal sehen, welche Türen sich nun wieder unverhofft öffnen. Den nächsten Stempel der US Homeland Security gibt’s dann im März. Wenn es wieder heißt: SXSW.

 

Gastbeitrag von Stefan Trockel, CEO von mercury.ai