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Wie finanziert man sein Startup aus eigenen Mitteln, macht sich finanziell unabhängig mit 30 und schafft sich eine Grundlage zum Gründen? Diese Fragen hat Florian Haizmann beim Founders Talk im August beantwortet.

Die Bedeutung des Begriffs Bootstrapping haben wir in diesem Artikel bereits ausführlich erklärt. Hier wollen wir mehr auf die praktische Anwendung eingehen.

Die wichtigste Frage ist: Wie lange kannst Du finanziell unabhängig sein?

Einige Jahre Corporate Job können sehr motivieren

Florian hat mit Mitte dreißig bereits 4 Startups (aktuell TrackCode), F100 Ventures und das Netzwerk Startups-Bielefeld.de (mit)-gegründet. Woher sein Gründerdrang kommt, erklärte er mit seiner Laufbahn bis 27: Investment-Banker Studium in London, Jobs und Praktika in verschiedenen Großbanken und Consulting-Firmen und dann 5 Jahre harte Konzernrealität. Zum einen lernte Florian in dieser Zeit wichtige Skills für seine späteren Gründungen (Zahlen schubsen, realistische Budget-Olanung in EXCEL, Business-Pläne entwickeln), zum anderen wollte er nach 5 Jahren aber einfach nur noch raus aus dem starren Konzern-Konstrukt.

Dabei half ihm sein Bootstrapping-Mindset, welches euch eine sichere und komfortable Verhandlungsposition ermöglicht. Und zwar in den unterschiedlichsten Situationen:

  • Job kündigen, Gehalt nachverhandeln
  • ein Startup gründen, mit Investoren verhandeln
  • frei denken und handeln, finanziell unabhängig werden

Entspannt kündigen und die Angst vorm Scheitern

Wer gründen möchte, kann das am Wochenende oder nach Feierabend tun. Oder in Abstimmung mit dem aktuellen Arbeitgeber als Intrapreneur. Oder eben frei und auf eigene Faust. Meist geht dem eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses voraus.

Florian beschrieb, wie er damals vorgegangen ist und seinen Job mit über 60.000€ Jahresgehalt gekündigt hat. Zunächst mal rechnete er sich aus, wieviel Cash er zum damaligen Zeitpunkt zur Verfügung hatte:

Entspannt-kuendigen-Existenzaengste-Bootstrapping-finanzielle-Unabhaengigkeit-Florian-Heitzmann

Seine Ersparnisse, der staatliche Gründungszuschuss und der Verkauf seines Autos ergaben 55.600€. Er ging von monatlichen Existenzkosten von 1.200 Euro aus und kam so auf die wichtige Antwort:

„Ich kann 46,3 Monate lang finanziell unabhängig sein.“

Jepp, da kommt der Banker durch 😉 Und dieser Banker war auch Florians Fallback Plan, falls die Gründung scheitern sollte. Sein Rat:

Geht euren Lebenslauf durch und macht euch klar, was ihr schon alles geleistet habt und worauf ihr zurückgreifen könnt. Schlimmstenfalls müsst ihr einige Bewerbungen schreiben und in einen Job zurück gehen, der euch nicht gefällt. Einerseits gibt es Schlimmeres, andererseits ist der Weg zurück in einen verhassten Job auch eine hervorragende Motivation.

Mit dem spitzen Bleistift rechnen

Wie kommt man mit 1200 Euro monatlich hin? Sparen, mit dem Nötigsten leben und zur Not sogar – so wie Florian – wieder bei den Eltern einziehen, wenn das Startup in der Heimat-Region gegründet wird. Bootstrapping eben. Nichtsdestotrotz hatte Florian aber auch Zeit und Budget mit eingeplant, um sich für vier Wochen auf einen inspirierenden Roadtrip durch die USA zu machen. Zu einem solchen mentalen Reset-Knopf riet Florian ausdrücklich.

Bootstrapping-Business-Plan

Verschiedene Business-Plan Variationen nutzte Florian in verschiedenen Stadien seiner Startups: Auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel rechnete er aus, ob eine Unternehmung überhaupt Sinn macht. Hockey-Schläger aus China importieren, flog so als Option bsw. schnell raus.

Der Business-Plan auf einer DIN A4 Seite wird mit grober Kostenplanung ausgearbeitet, wenn eine Idee vielversprechend ist und am Startup gearbeitet werden kann.

Eine einfache EXCEL mit laufenden Ausgaben und Einnahmen macht Sinn, um den Überblick über die Finanzen im laufenden Betrieb zu behalten.

Die schicke Investoren EXCEL braucht ihr, wenn überhaupt erst zu einem späteren Zeitpunkt. Ebenso wie verschiedene Businessplan-Tools, die noch bessere Planbarkeit und Überblick über die aktuellen Zahlen geben.

Zahlen und Erfahrungen aus dem laufenden Startup-Betrieb

Aus seinem aktuellen Startup warf Florian auch einige echte EXCEL an die Wand, aus denen ersichtlich wurde, welche Ausgaben, die aktuell 4 Mitarbeiter jeweils haben und welche Monatsgehälter sich daraus ergeben. Von offensichtlichen Ausgaben wie Miete, Strom, Essen, Auto und Versicherungen werden auch eher versteckte laufende Kosten wie GEZ, Steuerberater, Mitgliedschaften in Fitness-Centern und digitale Plattformen wie XING und LinkedIn und so weiter erfasst.

Hinzu kommen geschäftliche Kosten wie Büro-Miete, Server, Tools wie Billomat und CRM-System.

Daraus und aus den aktuell bestehenden Kunden errechnete Florian den Zielumsatz pro Monat. Geteilt durch den Tagessatz der Mitarbeiter ergibt sich das Ziel zu verkaufender Tage pro Monat. Im Beispielfall waren das übrigens 16,65 Tage. Das entspricht 4,15 verkauften Personentagen pro Mitarbeiter.

Stellt euch an dieser Stelle auch die Frage: Welche „Eh-da“-Kosten könnt ihr einsetzen? Bedeutet: Welche Leute im Team sind „eh da“ und können in dieser Zeit ihre Skills ins Startup mit einbringen: Logo-Design, Webseite optimieren, SEO und so weiter sind Fähigkeiten, die oft im Team schlummern und auf die Weiterentwicklung des Unternehmens angewendet werden können, wenn gerade keine Kunden bedient, Vertrieb gemacht oder am eigentlichen Produkt gearbeitet werden kann.

Wenn das Team sich auch ohne Druck von außen motivieren kann, ergibt sich für Menschen, die nicht gerne mit Zahlen hantieren aus einer solchen Vorgehensweise eine wichtige Erkenntnis: 4 Tage pro Person und Monat zu verkaufen, um profitabel zu bootstrappen ist absolut schaffbar!

Bootstrapping-finanzielle-Unabhaengigkeit

Fazit

Finanzielle Unabhängigkeit schafft man dann, wenn man langfristig mehr einnimmt, als man ausgibt. Das lässt sich mittelfristig mit einem erfolgreichen Startup erreichen. Kurzfristig mit geschicktem Rechnen und konsequentem Sparen.

Wie seht ihr das: Finanziert ihr euch lieber aus eigenen Mitteln und laufenden Einnahmen oder möchtet ihr lieber direkt mit Investoren-Kohle starten? Diskutiert mit uns auf Facebook oder gebt uns hier Feedback.   

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