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Schnee gibt es in San Francisco und im Silicon Valley höchstens alle Jubeljahre einmal, „White Christmas“ bleibt dort in der Regel ein Traum. Trotzdem wird dort natürlich auch Weihnachten gefeiert, und zwar in ganz großem Stil. Was in der heutigen Zeit gar nicht mehr so einfach ist.

Vielfalt ist nicht unbedingt ein Merkmal, das die meisten Belegschaften der großen Unternehmen im Silicon Valley auszeichnet. In der Mehrheit sind die Angestellten weiße Männer, darunter eine Menge eher introvertierter Nerds. Wenn die eine Party feiern, ist also nicht unbedingt mit ausgelassener Stimmung zu rechnen. Es sei denn, es sind auch ein paar „ambience and atmosphere models“ dabei.

Die Wahrscheinlichkeit, auf einer Valley-Party auf ungewöhnlich attraktive Frauen (und auch Männer) war und ist in diesem Jahr größer denn je. Ein Artikel von Bloomberg Businessweek berichtete Anfang des Monats über Rekordnachfragen bei Modelagenturen. Gebucht wurden gut aussehende Partygäste für 50 bis 200 US-Dollar die Stunde. Die mischen sich unter die Mitarbeiter und behaupten auf Nachfrage, als Freundinnen oder Freunde irgendwelcher Kollegen mitgekommen zu sein.

Der Investor kam mit einem Pony an der Leine

In Zeiten von #metoo und zahlreicher Enthüllungen über sexuelle Belästigungen kam dieser Trend bei vielen gar nicht gut an. Dabei versichern die Agenturen, alle Dienstleistungen blieben strikt oberhalb der Gürtellinie, für die Models herrsche Alkoholverbot und bei den zu Weihnachten beliebten Kostüm- und Mottopartys seien nur züchtige Verkleidungen erlaubt. Zumindest bei der Uber-Party im Dezember 2014, Motto: „Roaring ’20s“ ging es wohl nicht ganz so gesittet zu. Uber-Investor Shervin Pishevar kam mit einem Pony an der Leine zu der Veranstaltung und befummelte dort Austin Geidt, inzwischen Head of Operations bei dem Fahrvermittlungsunternehmen. Pishevar soll ihr auch bei anderen Gelegenheiten nachgestiegen sein und weitere Frauen bedrängt haben. Oder auch nicht, bisher steht in allen Fällen Aussage gegen Aussage.

Auf dem Weihnachtsmarkt von Mountain View (Foto: GISSV/Facebook)

Garantiert familienfreundlich blieb es dagegen am 9. Dezember in Mountain View. In der Heimat von Google hat die German International School of Silicon Valley (GISSV) ihren Sitz. Schon seit einigen Jahren veranstaltet die GISSV einen waschechten Weihnachtsmarkt, wie er auch in jeder deutschen Fußgänger stattfinden könnte. Dort kommen Amerikaner in den Genuss so exotischer Spezialitäten wie Glühwein, Stollen und Lebkuchen, die tatsächlich unter diesen Namen verkauft werden. Was sich bei uns über fast einen Monat hinzieht, feiert die GISSV an einem einzigen Tag ab. Zum Abschluss spielte dieses Jahr übrigens „The Zicke-Zacke Band“.

Gwen Stefani sang Weihnachtslieder für Apple

Etwas prominenter war da schon der Stargast, den sich Apple dieses Jahr für seine Feier gegönnt hat. Gwen Stefani, Sängerin der Band No Doubt und auch als Solistin erfolgreich, spielte Hits wie „Hollaback Girl“ und Stücke aus ihrem aktuellen Weihnachtsalbum. Apple-Chef Tim Cook hat es offensichtlich gefallen, er bezeichnete den Auftritt auf Twitter als „B-A-N-A-N-A-S!“.

Ansonsten war 2017 in den sozialen und sonstigen Medien deutlich weniger über spektakuläre Weihnachtspartys zu lesen als in den vergangenen Jahren. Bei Twitter soll Daft Punk aufgetreten sein, aber das ist wohl nur ein weiteres unbestätigtes Gerücht rund um das öffentlichkeitsscheue Elektroduo. Vielen Hyperlogikern aus der Tech-Szene ist die Weihnachtszeit sowieso eher suspekt. In einer Zeit, in der Algorithmen scheinbar alles perfekt regeln und vorhersagen können, ist für die Ineffizienz, das Gefühlsselige und manchmal schlichtweg Irrationale zu den Feiertagen eigentlich gar kein Platz mehr. Wenn nur die Umsätze in vielen Branchen zum Jahresende nicht so hoch werden.

Und was macht der Weihnachtsmann in diesen Tagen in San Francisco? Er taucht einfach ab, und zwar buchstäblich. Im Naturkundemuseum der California Academy of Science füttert ein als Santa Claus verkleideter Taucher zweimal am Tag die Fische in einem über 800.000 Liter fassenden Aquarium. Für Rentiere ist es im sonnigen Kalifornien eben einfach zu warm.