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An chronischen Wunden leiden in Deutschland zwischen vier und fünf Millionen Menschen, Tendenz steigend, und eine Heilung ist oft schwierig bis unmöglich. Das Greifswalder Startup COLDPLASMATECH hat eine Methode entwickelt, die auf kaltes Plasma setzt. Was geheimnisvoll klingt, ist sinnvoll und trickreich eingesetzte Physik.

Aus dem Schulunterricht kennen die meisten die drei klassischen Aggregatszustände von Stoffen: fest, flüssig, gasförmig. Daneben gibt es noch eine Reihe nichtklassischer, die nur unter extremen Bedingungen entstehen und das Vorstellungsvermögen zuweilen arg strapazieren. Einer dieser Zustände erzeugt kaltes Plasma, das ist energetisch angreichertes Gas.

Nun wäre das höchstens für Physiknerds interessant, hätten nicht zahlreiche Tests belegt, dass kaltes Plasma die Inaktivierung von heilungshemmenden Wundkeimen bewirkt, darunter auch solche, die Multiresitenzen gegen gängige Antibiotika aufweisen. Dazu wird das Wachstum von Blutgefäßen gefördert, die Durchblutung des Gewebes erhöht und allgemein die Wundheilung angeregt, was vor allem bei chronischen Wunden einen enormen Fortschritt darstellt.

Als chronisch bezeichnet man eine Wunde, die auch mindestens sechs Wochen nach ihrer Entstehung noch nicht angemessen verheilt ist. Häufig entstehen diese durch eine Erkrankung der Venen an den Beinen, durch Störungen der Blutversorgung bei Diabetes oder bei bettlägerigen Patienten – der Volksmund nennt das „sich wund liegen“, eine Diagnose, die in einer alternden Gesellschaft immer häufiger werden wird. Die Versuche, solche Wunden durch Desinfizieren und Verbinden zu behandeln, schlagen oft fehl.

Dr. René Bussiahn (Plasmaphysiker), Stephan Krafczyk (Entwicklungsingenieur), Tobias Güra (Medizinökonom), Dr. Carsten Mahrenholz (Biologe, Chemiker), Alfred Möckel (Business Angel)

Das Team von COLDPLASMATECH und sein Investor: Dr. René Bussiahn (Plasmaphysiker), Stephan Krafczyk (Entwicklungsingenieur), Tobias Güra (Medizinökonom), Dr. Carsten Mahrenholz (Biologe, Chemiker), Alfred Möckel (Business Angel)

Meistens werden für die Behandlung mit Plasma Geräte eingesetzt, die an einen Stift erinnern. COLDPLASMATECH dagegen arbeitet mit einer Wundauflage (PlasmaPatch), die aus mehreren Silikonschichten aufgebaut ist, an deren Unterseite das Plasma erzeugt wird. Der PlasmaPatch passt sich Körperoberflächen an und entfaltet so über eine größere Fläche gleichmäßig die heilungsfördernde Wirkung.

Für diese Erfindung hat das Greifswalder Startup, das am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und -technologie entstanden ist, schon jede Menge Preise abgeräumt. Bisher war COLDPLASMATECH über den EXIST-Forschungstransfer des Bundeswirtschaftsministeriums mit etwa 750.000 Euro finanziert worden, jetzt ist der der mit reichlich Erfahrung ausgestattete Business Angel Alfred Möckel mit einer sechstelligen Eurosumme eingestiegen.

Mit dem frischen Kapital will das junge Unternehmen die erste Serienfertigung und -anwendung seiner Wundauflagen aufbauen. „Wir befinden uns aktuell in der Zulassungsphase zum Medizinprodukt und arbeiten zusammen mit Kostenträgern unter Hochdruck an der Bereitstellung der Technologie“, erklärt COLDPLASMATECH-Geschäftsführer Dr. Carsten Mahrenholz. Die ersten Geräte sollen noch dieses Jahr ausgeliefert werden.

Fotos © COLDPLASMATECH