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Mark Zuckerberg war 19, als er seine ersten Schritte mit Facebook machte. Bill Gates gründete Microsoft mit 20, zusammen mit dem 22-jährigen Paul Allen. Steve Jobs war bei der Gründung von Apple auch erst 21. Muss man also sehr jung starten, um als Entrepreneur wirklich erfolgreich zu sein? Wir sind der Frage nachgegangen, welches das beste Alter zum Gründen ist.

Zunächst einmal an alle Mittzwanziger, die immer noch nicht gegründet haben und nun befürchten, der Zug sei schon abgefahren: Keine Bange, die oben genannten Beispiele sind in jeder Beziehung Ausnahmeerscheinungen. Der 3. Deutsche Startup Monitor für das Jahr 2015 hat ein Durchschnittsalter von knapp 35 Jahren für Gründerinnen und Gründer beim Launch ihres Unternehmens ermittelt. Das schließt Seriengründer mit ein, die schon einige Startups ins Leben gerufen haben. Beim ersten Mal sind Männer im Schnitt 28,8 und Frauen 31,1 Jahre alt. Weitere Details zur Altersstruktur zeigt folgende Grafik:

Altersklassen von Gründern in Deutschland

Altersklassen von Gründern in Deutschland

Tatsächlich spricht vieles dafür, das zwischen 30 und 40 das beste Alter für den Start eines erfolgreichen eigenen Unternehmens liegt. Berufs- und Lebenserfahrung sorgen dafür, dass Entrepreneure aus dieser Bevölkerungsgruppe die besseren Entscheidungen treffen. Sie haben das Know-how, das in vielen Branchen erforderlich ist, gerade wenn es um anspruchsvolle technologische und wissenschaftliche Fragen geht. Sie haben fundierte Marktkenntnisse und können die Bedürfnisse der Kunden genauer einschätzen. Und manchmal haben sie schon den einen oder anderen Fehlschlag hinter sich und können daraus die Schlüsse ziehen, wie man es besser macht und wie besser nicht.

Drei Beispiele für berühmte Gründer in den Dreißigern

Larry Ellison arbeitete einige Jahre für die Elektronikfirma Ampex Corporation, bevor er mit 33 die Software Development Laboratories gründete. Sein Unternehmen benannte er später nach seinem wichtigsten Produkt, der Datenbanksoftware Oracle. Das die sich durchsetzen würde, war keine Überraschung. Bei Ampex hatte Ellison schon an einem Projekt dieses Namens gearbeitet, und zwar für die CIA.

Hauptsächlich der Wissenschaft verschrieben hatte sich Gordon Moore, bevor im Alter von 39 zum Gründer wurde. Er hat das nach ihm benannte mooresche Gesetz postuliert, wonach sich die Komplexität integrierter Schaltkreise alle zwei Jahre verdoppelt. Seine Theorie in die Praxis umsetzen konnte er dann bei seinem Unternehmen NM Electronics, besser bekannt unter dem späteren Namen Intel.

Reid Hoffman gehört zu der Sorte Unternehmer, die die Welt verändern wollen. Deshalb heuerte er bei Apple an und arbeitete dort an eWorld, einem kostenpflichtigen Netzwerk für Mac-User, das den Durchbruch nie schaffte. Seine erste Eigengründung nannte er SocialNet.com. Der Name lässt schon erahnen, in welche zukunftsträchtige Richtung es dabei ging, doch 1997 war dafür die Zeit noch nicht reif. Im Jahr 2000 stieg Hoffman bei PayPal ein. Dort sammelte er genug Geld und Erfahrung, um es 2002 erneut mit einem Startup zu versuchen. Auch ehemalige Kollegen von SocialNet.com waren wieder dabei, und dieses Mal klappte es, LinkedIn, so der Name ihres Projekts, entwickelte sich zum größten Business-Netzwerk der Welt.

Zum Gründen ist man nie zu alt – oder zu jung

Colonel Sanders ist nicht nur die Werbefigur von Kentucky Fried Chicken, sondern ihr tatsächlicher Gründer (Foto: Screenshot von www.colonelsanders.com)

Colonel Sanders ist nicht nur die Werbefigur von Kentucky Fried Chicken, sondern auch der tatsächliche Gründer (Foto: Screenshot von www.colonelsanders.com)

Dass mit 40 aber längst noch nicht alles vorbei sein muss, zeigt eine Gründerstory aus Amerika, die zwar nichts mit der Digitalisierung zu tun hat, aber trotzdem ein Stück moderne Wirtschaftsgeschichte ist. Harland Sanders über 20 Jahre lang eine Tankstelle mit Schnellrestaurant. Seine Spezialität war gebackenes Hühnchen, für das er eine spezielle Frittiertechnik und eine geheime Würzmischung entwickelt hatte. Als ihm Mitte der 50er Jahre der Bau einer neuen Autobahn seine bisherigen Kunden wegzunehmen drohte, ging er mit seiner Geschäftsidee auf Achse und wurde zu einem der ersten Franchisegeber der Gastronomiebranche. Seinen ersten Partner hatte er bereits 1952 gefunden; McDonalds startete dieses Modell erst 1955. Sanders nannte sich übrigens „Colonel“, seine Restaurantkette Kentucky Fried Chicken, und er war 65, als er so richtig loslegte.

So lange muss man mit dem Gründen allerdings nicht unbedingt warten. Der 1986 geborene Suhas Gopinath aus Bangalore in Indien war 14, als er regelmäßig das Internetcafé in seiner Nachbarschaft aufsuchte. Heimlich, weil seine Eltern Unternehmertum für etwas Sündhaftes hielten. Heute sind sie mächtig stolz auf ihn, denn in dem Internetcafé entwickelte er nicht nur seine erste Webseite, coolhindustan, sondern gründete auch die IT-Firma Globals Inc. Mit 17 wurde er CEO des bis heute existierenden Unternehmens und berühmt als seinerzeit jüngster Digitalentrepreneur der Welt.

Wie die Beispiele zeigen, gibt es das beste Alter zum Gründen also nicht. Viel wichtiger sind eine starke Persönlichkeit, eine gute Idee und der richtige Zeitpunkt, dann kann es mit 15 ebenso klappen wie mit 55.

Foto ganz oben: tverdohlib / 123RF