Bist du ein Mensch? 2   +   6   =  

Hassan Mimouni (kurz: Mimo) ist Store Designer, Vater und Wahlbielefelder mit Wurzeln in Marokko. Für sein Store Design Konzept ist er international bekannt. Der Space der Founders Foundation trägt seine Handschrift, denn die Fläche zum Arbeiten und Austauschen hat er gestaltet. Founders OWL sprach mit Hassan Mimouni über Design, Startups und Vorbilder.

Du bist in deinem bisherigen Leben in unterschiedlichen Kulturen und Länder Zuhause gewesen. Wie bist du in Bielefeld gelandet?
Es kann zwei Gründe geben. Entweder ist es wegen der Arbeit oder der Liebe. Bei mir war es wegen der Liebe. Meine damalige Freundin habe ich in Wien kennengelernt und wir haben eine Fernbeziehung geführt. Irgendwann mussten wir uns entscheiden, wo wir leben möchten. Weil sie in Bielefeld Jura studiert hat, habe ich mich entschlossen, Wien wegen meiner Liebe zu verlassen und in Bielefeld fortan zu leben.

Was bedeutet Design für dich und wie haben dich deine Reisen und Erlebnisse dabei inspiriert?
Design ist für mich eine Philosophie und eine Beobachtung. Sagen wir mal, dass das Leben aus Exhibitionisten und Voyeuristen besteht. Ich war immer ein Voyeurist, was Design anbelangt. Als Gourmet-Pilgerer reiste ich um die Welt, um kulinarische Höhepunkte zu entdecken. So kam es dazu, dass ich viele Restaurants besucht und festgestellt habe, dass neben der Gestaltung der Speisen auch die Umgebung im Vordergrund steht. Das hat mich fasziniert und seither analysiere ich Designelemente in Orten, an denen ich mich aufhalte. Auf meiner Reise hat mich beispielsweise das Zebra Square Paris beeindruckt. Auf jeder Etage hat ein anderer Designer Hand angelegt und die verschiedenen Designs wurden letztlich in einem Objekt vereint.

Fühlst du dich eher als Künstler oder als Designer? Wo ziehst du die Linie?
Ich sehe mich nicht als Künstler, sondern als Designer. Der Künstler definiert sich über ein ganz anderes Gefühl als ein Designer. Er ist stur, passt sich nicht an die Gegebenheiten an und kreiert seine Kunst ohne Vorgaben und Leitplanken. Der Künstler kreiert Kunst nicht, um sie zu verkaufen. Kunst bedeutet nicht, seine Werke zu verkaufen.

Der Designer hingegen muss sich meiner Meinung anpassen. Diese Anpassung findet gerade am Anfang des Designprozesses statt, wenn der Designer im Kundenauftrag agiert. Am Anfang ordnet sich der Designer unter, bis er den Designprozess anschiebt und sich bei Erfolg vollends ausleben kann. Der Designer packt seinen Stolz später aus, wenn er den Nerv des Kunden trifft und ihn überzeugt. Er ist Problemlöser für Kundenbedürfnisse. Ich gehe auf meine Kunden immer ein und habe als Ziel, meine Kunden mit meinem Design glücklich zu machen. Dabei sind meine gelebten Werte: Kundenloyalität vor Kundenbindung.

Du hast die Räumlichkeiten der Founders Foundation gestaltet. Wie kam es zu dem Projekt?
Sebastian Borek (CEO Founders Foundation) besuchte oft das Thumel 1504, weil es ihn an Cafés in New York erinnerte, wo er eine Zeit lang gelebt hat. Er kam schließlich immer wieder zum Arbeiten hierhin und fand die Mischung aus Kaffeetrinken und Arbeiten optimal inszeniert. Wir kamen eines Tages ins Gespräch und er lobte mich für das Design im Thumel. Später fragte er mich, ob ich mir ein Objekt in der Altstadt anschauen könnte und wie ich diesen Raum gestalten würde. Das war der Beginn unseres gemeinsamen Projektes.

Founders_Space_Founders_Foundation_Bielefeld_2

Design trifft Startup-Kultur im Founders Space in Bielefeld. Mimo hat jedes Stück selbst ausgesucht und platziert.

Du hast im Founders Space unterschiedlichste Materialien verwendet? Was für eine Bedeutung haben sie für dich?
Eine Herausforderung war für mich, dass ich Materialien verwende, die die Personen motivieren, die später im Founders Space arbeiten sollten. Das ist die Basis für gutes Design. Wir haben bewusst Materialien wie Holz, Beton, Stahl und alte Fenster benutzt, um den Ursprung der Räumlichkeiten zu verdeutlichen. Gleichzeitig wollte ich, dass die Materialien miteinander harmonieren.

Es ist wie in der Gastronomie: Ein schlechter Koch, der ein saftiges Steak zu viel brät, wird sehr viel Sauce verwenden, um den Geschmack zu kaschieren. So ist es auch mit Interior bzw. Store Design. Ein guter Designer benötigt keine Tapeten, mit denen er Wände versteckt. Die Ursprungselemente zeigen die Entwicklung eines Gebäudes auf. Im Founders Space haben wir diese Elemente gekonnt in den Vordergrund gerückt – dabei ist das Streben nach Perfektion zweitrangig.

Küchendesign von Hassan Mimouni im Founders Space

Das Space Café in Bielefeld. Jedes Material erzählt seine eigene Geschichte.

Philippe Starck hat einst gesagt, Designer müssen lernen, nicht perfekt zu sein. Ich habe mir das beim Design des Founders Space zu Herzen genommen und wollte, dass Jungunternehmer erkennen, dass jedes einzelne Möbelstück im Founders Space eine spannende Geschichte zu erzählen hat. Die Geschichten der Designer und ihrer Kreationen soll die zukünftigen Hidden-Champions inspirieren.

Hast du Design-Vorbilder?
Ja, z.B. Philippe Starck, Matteo Thun, Le Corbusier aber auch George Nelson. Ich habe nicht nur ein einziges Vorbild. Es sind mehrere Vorbilder, weil sie mich auf eine gewisse Art und Weise alle inspiriert haben.

Sind Design und die Startup-Kultur gut miteinander vereinbar?
Startup-Kultur und Design passen 100% zueinander. Was hat beispielsweise Wein mit Design zu tun? Die Weingüter waren immer einfach gestaltet. Dann kam eine junge Generation, die den Winzer als Architekten sahen und das Produkt Wein in ein komplett neues Licht rückten. Heute gibt es Startups, die Althergebrachtes komplett neu entwickeln und designen. Dabei zählt nicht, das Rad neu zu erfinden. Aus diesem Grund sind Design und Startup-Kultur komplementär. 

Fotos © Founders Foundation