Noch ist das Smart Home für die meisten Zukunftsmusik, doch der Trend geht eindeutig zu Geräten im Haushalt, die untereinander und mit dem Internet verbunden sind. Das hat viele Vorteile, birgt aber das Risiko, dass die dabei entstehenden Daten in unerwünschte Hände geraten. Wir nennen vier Beispiele für den Spion im eigenen Haus.

Saugroboter Roomba

Für manche ist so ein Saugroboter wie ein nützliches Haustier. Ein wahrhaft putziges Gerät, das durch die Wohnung flitzt und dabei gleich noch für Sauberkeit sorgt. Marktführer ist die Firma iRobot, deren Roomba genannte Roboter mittlerweile in Millionen Haushalten auf Drecksuche gehen. Damit ihnen kein Krümel entgeht, vermessen sie die ganze Wohnung, kennen jede Ecke und jedes Hindernis, das sie umkurven müssen. Dabei entstehen wertvolle Daten, die sich auch anderweitig nutzen lassen. Meint zumindest Colin Angle, der CEO von iRobot, und denkt laut darüber nach, Kooperationen mit Amazon, Apple oder Google einzugehen, um deren Smart Home-Aktivitäten zu unterstützen.

Ein Beitrag der Nachrichtenagentur Reuter zu diesem Thema sorgte im Juli 2017 für Aufsehen, weil Angle darin mit der Aussage zitiert wurde, er wolle die Daten eventuell an einen der großen Drei verkaufen. Schnell machte die Geschichte von Roomba, dem Spion, die Runde, und schnell relativierte Reuters: So habe Angle das gar nicht gesagt. In der aktualisierten Version heißt es jetzt, er könne sich vorstellen, die Vermessungsdaten in ein paar Jahren kostenlos zur Verfügung zu stellen, natürlich mit Einverständnis der Nutzer. Das klingt dann deutlich weniger dramatisch. Eines ist trotzdem gewiss: Wer einen Roomba im Haus hat, kann nichts unbemerkt unter den Teppich kehren.

My Friend Kayla, die verbotene Puppe

Diese harmlos wirkende Puppe wurde der Spionage überführt und von der Bundesnetzagentur verboten.

My Friend Kayla ist eine Puppe, die sprechen kann. Das allein ist weder neu noch ungewöhnlich, aber Kayla plappert nicht einfach eine überschaubare Auswahl an fertigen Sätzen daher. Sie ist zu realistisch wirkenden Dialogen fähig. Fragen, die Kinder ihr stellen, werden aufgenommen und analysiert, die passende Antwort wird gegoogelt und dann von der Puppe in Sprachform wiedergegeben. Da Kayla über eine App mit dem Smartphone verbunden ist, kann sie von dort sensible Daten ziehen. Diese Tatsache und ihre Fähigkeit Gespräche aufzuzeichnen, haben im Februar 2017 die Bundesnetzagentur zu einer drastischen Maßnahme greifen lassen. Der Verkauf und sogar der Besitz von Kayla wurde verboten, da sie eine „versteckte, sendefähige Anlage“ sei. Die Behörde rief Eltern sogar dazu auf, das Spielzeug zu vernichten, um nicht in den Verdacht zu geraten, wissentlich ein „verbotenes Spionagegerät“ zu beherbergen. Arme Kayla.

Weeping Angel – der Spion im Fernseher

Fans der britischen Science-Fiction Serie Dr. Who kennen den „Weeping Angel“ als einen steinernen Engel, der sich nur bewegt, wenn man nicht hinschaut. Ziemlich gruselig, aber noch erschreckender ist das, was Wikileaks in diesem Jahr enthüllte und unter dem Codenamen „Weeping Angel“ firmiert: eine vom CIA entwickelte Software zur Manipulation von Smart-TVs der Marke Samsung. Die Software täuscht vor, dass der Fernseher ausgeschaltet ist, obwohl er in Wahrheit läuft und Bild- und Tondaten einsammelt. Bestätigt wurde dieses Vorgehen offiziell natürlich nie, aber unbestritten ist, dass smarte Fernseher, wie alle anderen internetfähigen Geräte mit Kameras und Mikrophonen, gehackt und zum Ausspionieren ihrer Besitzer missbraucht werden können.

Alexa hört alles

Die smarten Lautsprecher von Amazon und Google reagieren auf Sprachbefehle und sind daher auch als Abhörgeräte geeignet. Ende 2016 sollte Amazons Digitalassistentin Alexa sogar als Mordzeugin befragt werden (mehr dazu in diesem Artikel). Dabei ist Alexa nicht besonders schlau und kann aktuell Stimmen noch nicht voneinander unterscheiden. So hatte zur Jahreswende in den USA ein Kind versehentlich ein Puppenhaus und eine große Dose Kekse über den Lautsprecher Echo von Amazon bestellt. Und die Geschichte bekam noch eine zusätzliche Pointe, als ein Fernsehsender über den Fall berichtete und der Moderator dabei folgenden Satz sprach: „Alexa, order me a dollhouse.“ Prompt reagierten die Alexas zahlreicher Zuschauer und wollten tatsächlich die Bestellung ausführen. Auch Spione möchten manchmal shoppen.

Foto ganz oben: iRobot

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