Wie entwickelt man möglichst effizient seine Startup-Idee und kann Design Thinking dabei helfen? Über das Thema Ideen und Ihre Ausführung habe ich erst vor wenigen Tagen hier gebloggt.

Die Grundidee eines Startups ist in den meisten Fällen die Lösung eines Problems. Ebenso häufig ist es die Lösung eines individuellen Problems der Gründer selbst. Nimmt man sich nur einmal YouTube oder Twitter als Beispiel, ist klar: Die eigene Problemlösung des Teams war für hunderte von Millionen Menschen ebenso interessant. Damit erklärt sich schließlich der Erfolg der Unternehmen.

Doch was, wenn ich mit meinem Problem wirklich nur mein persönliches Problem löse und sonst interessiert sich niemand für mein Produkt?

Design Thinking eignet sich, um die Lösungsmöglichkeit eingehend zu prüfen – und weitere aus Kundensicht zu entwickeln

Design Thinking ist eine systematisierte Methode bestehend aus 6 Arbeitsschritten, die mehrfach und iterativ wiederholt werden. Ziel ist dabei, komplexe Probleme aus Kundensicht zu betrachten, innovative Lösungen zu finden und möglichst schnell Prototypen zu entwickeln, die das Team ausprobiert und daraus Verbesserungen ableitet.
Kreatives und analytisches Denken werden kombiniert, damit das Team ein Gefühl dafür bekommt, ob und wie gut die Lösung funktioniert. Durch den praktischen Bau und das Testen der Prototypen kann das Team schnell erkennen wo es hakt und welcher Lösungsansatz der erfolgversprechendste ist.

Ich habe als Teilnehmer von DT-Workshops bereits Entertainmentsysteme für Autos, Enterprise Kollaborations-Software, Schiebedächer der Zukunft und verschiedene Mobilitäts-Lösungen „design gethinkt“. In selber durchgeführten Workshops habe ich Software und Beratungsprodukte mit heterogenen Teams entwickelt und dabei gelernt, dass sich die Methode gut an den aktuellen Bedarf und vorhandene Ressourcen anpassen lässt.

„Wie soll ich denn meine App-Idee als Prototyp bauen, wenn mir die Entwickler fehlen?“

höre ich jetzt schon einige Fragen. Darauf gehen ich gleich genauer ein – nur soviel: Prototypen kann man auch mit einfachsten Mitteln wie bsw. Papier und Stift bauen.

Das Team:

An einer Design Thinking Session sollte möglichst Euer gesamtes Team teilnehmen, aber ladet wenn möglich auch externe Personen mit ein, die bsw. Spätere Kunden repräsentieren oder Freunde, die besonders gut zeichnen und damit Eure Ideen visualisieren können. Nur Entwickler oder nur BWLler in einem Design Thinking Workshop führen meist zu sehr einseitigen Ergebnissen. Je unterschiedlicher die Teilnehmer, desto besser. Sie sollten gut beobachten können, offen für neues sein und sich gut in andere Menschen hinein versetzten können.

Ihr könnt Design Thinking sogar alleine durchführen. Allerdings macht es Sinn vorher einige Gruppenworkshops mitgemacht zu haben, damit die Vorgehensweise in Fleisch und Blut über geht.

Fehler machen erlaubt!

Fail fast, fail often, fail cheap ist als ein Motto Zuckerbergs bei Facebook bekannt. Im täglichen Business ist das leichter gesagt als getan. Im Design Thinking Prozess lassen sich aber ganz hervorragend und kostenlos Ideen ausprobieren und durchspielen, die möglicherweise später scheitern werden. Fehler führen zu einer schnellen Lernerfahrung. Dadurch werden Fragen aufgeworfen, die man sich sonst nicht stellen würde und die Antworten darauf führen oft zu Innovationen.

Löst ein konkretes Problem

Ihr solltet Euch ein möglichst konkret definiertes Problem vornehmen, das Ihr mit Eurem Startup für die Kunden lösen möchtet. Erfahrungsgemäß ist es einfacher mit einem klar umrissenen Detail zu beginnen und im Laufe mehrerer Durchläufe zu abstrahieren, anstatt mit der nebulösen Vorgabe ins Rennen zu gehen: „Wir wollen die Videos aller Menschen der Welt verwalten und zum anschauen frei geben“.

Ein Workshop muss nicht teuer sein

Keines Wegs. Eine Design Thinking Session muss ja nicht 5 Tage am Stück im 5 Sterne Hotel statt finden. Ihr entscheidet selber über Ort, Umfang und Ausstattung. Grundsätzlich braucht Ihr:

  • 1 dicken Filzstift für jeden Teilnehmer
  • 1 Block Postit’s für jeden Teilnehmer
  • 1 Flipchartblock mit großen Blätter um die Ergebnisse festzuhalten

Diese Grundausstattung lässt sich beliebig weit ausbauen.

Ob Ihr nun in Eurem Office bleibt, einen Workshop mietet, Euch in einem Cafè mit großem Tisch trefft oder bei jemandem zu Hause auf dem Küchentisch design thinkt ist Euch überlassen.

Auch der Zeitraum ist frei wählbar. Damit möglichst wenig Arbeitszeit verloren geht, bietet sich ein Wochenende an. Prinzipiell könnt Ihr Euren Workshop auch über mehrere Wochen anlegen und täglich nur eine Stunde arbeiten. Hier gilt der gleiche Rat wie bei der Durchführung alleine: Besser erstmal einen 2-tägigen Workshop machen und dann auf eine kürzere Dauer über längeren Zeitraum umschwenken, damit Ihr ein Gefühl für die DT-Dynamik bekommt.

Im nächsten Teil gehen wir den Ablauf eines Workshops Schritt für Schritt durch.

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