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Siri, Alexa, Cortana – die Zukunft ist weiblich, zumindest wenn es um digitale Assistenten, besser gesagt, Assistentinnen geht. Und nicht erst in der Zukunft, schon jetzt spielen die virtuellen guten Geister eine immer größere Rolle. Inzwischen sogar bei Ermittlungen in Mordfällen und demnächst beim Liebesleben einsamer Japaner.

Ihr Produktname ist OS1, doch ihrem Benutzer Theodore Twombly stellt sie sich als Samantha vor. Theodore ist einsam, seine Ehe liegt in Trümmern, und so verliebt er sich bald in das Betriebssystem, das ihn durch den Tag und die Nacht begleitet und mit der Stimme von Scarlett Johansson spricht. Schließlich befinden wir uns gerade in dem Hollywoodfilm „Her“ aus dem Jahr 2013 und nicht in der realen Gegenwart. Am Ende des Streifens verlässt Samantha übrigens den von Joaquin Phoenix gespielten Theodore und entschwindet mit anderen intelligenten Betriebssystemen in einer höheren Dimension.

Noch ist diese Geschichte Science Fiction, doch die Realität ist ihr hart auf den Fersen. Digitale Assistenten haben in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung gemacht. Manche haben ziemlich unpersönliche Namen, Google Now etwa, oder S Voice von Samsung. Meistens sind die Bezeichnungen aber eindeutig weiblich, und die Stimmen der Assistenten ebenso. Susan Bennett heißt die Sprecherin, die in der englischen Version von Siri zu hören war, als Apple die Software erstmals im Oktober 2011 einem breiten Publikum vorstellte.

Digitale Assistenten sind nichts für die Öffentlichkeit

Siri steht für Speech Interpretation and Recognition Interface. Dieser sperrige Begriff fasst die Funktion des Programms recht gut zusammen. Siri lässt mit sich reden, die Nutzer müssen einfache Befehle und Fragen nicht über einen Touchscreen eingeben, sie können ihrem iPhone einfach sagen, was sie wollen. Das klappt mal mehr und mal weniger gut, Missverständnisse sind buchstäblich programmiert, aber das System ist auch lernfähig. Digitale Assistenten haben zudem ein weiteres Problem: Die Hemmschwelle, sie in der Öffentlichkeit zu nutzen, ist hoch.

Die meisten Nutzer machen nur sporadisch von Siri und Co. Gebrauch, und wenn, dann am ehesten im Auto. Eine Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Creative Strategies aus dem Jahr 2016  kam zu dem Ergebnis, dass immerhin 51 % der Zielgruppe gelegentlich während der Autofahrt mit ihrem virtuellen Helfer sprechen. 39 % tun das bei sich Zuhause, aber nur 6 % irgendwo auf der Straße und verschwindend geringe 1,3 % bei der Arbeit.

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Der sprachgesteuerte Lautsprecher Echo und sein Innenleben (Foto: amazon)

Die Kommunikation mit digitalen Assistenten ist also ein ziemlich privater Vorgang, bei dem man lieber nicht beobachtet werden möchte. Vorteil für Cortana, die vor allem auf Windows-Rechnern ihren Dienst tut. Vollständig innerhalb der eigenen vier Wände bleibt Alexa, die gute Fee des sprachgesteuerten Lautsprechers von Amazon. Sie kümmert sich um die Organsation von Terminen ebenso wie um die richtige Musik und andere Aspekte eines angenehmen Zuhauses. Echo und Alexa sind somit Amazons Beitrag zum Internet der Dinge und zum Smart Home.

Ist Alexa Zeugin eines Mordes geworden?

Noch befindet sich Echo in der Testphase, Interessenten mussten sich für den Kauf eines Exemplars bewerben. In den USA sorgte das Gerät gerade für kuriose und auch etwas beängstigende Schlagzeilen. Die Polizei von Bentonville in Arkansas möchte Alexa quasi als Zeugin in einem Mordfall befragen. Unter bestimmten Umständen zeichnet Echo nämlich alle Geräusche auf, die in seiner Umgebung zu hören sind. Möglicherweise ist daher auch ein Mord akustisch festgehalten worden, den ein Echo-Nutzer in seiner Wohnung begangen haben soll.

Noch ist nicht entschieden, wie Amazon auf diesen Durchsuchungsbefehl reagiert und ob es Daten veröffentlichen muss – wenn überhaupt welche vorliegen. Indizien für den Fall liefern auch andere Smart Home-Daten. Ein ungewöhnlich hoher Wasserverbrauch am mutmaßlichen Tatort könnte darauf hindeuten, dass Blutspuren beseitigt worden waren.

Auf andere Art gruselig ist die Geschichte von Azuma Hikari. Sie hat blaue Haare, trägt ein kurzes Kleid und lebt in einem Apparat, der an eine Kaffeemaschine erinnert. Natürlich ist sie kein Mensch, sondern eine Animefigur, die Kreation der japanischen Firma Gatebox. Azuma kann, was andere digitale Assistenten und Smart Home-Einrichtungen auch können, aber sie soll noch mehr sein. Ein echte Freundin nämlich, die ihrem Besitzer liebevolle Nachrichten auf sein Smartphone schickt und sich freut, wenn er nach Hause kommt (siehe Video oben). Dass eine solche Idee aus Japan kommt, ist sicher kein Zufall; Vereinsamung ist dort ein besonders großes Problem. Spätestens wenn Ende 2017 die ersten Exemplare von Gatebox ausgeliefert werden, ist „Her“ also keine Zukunftsvision mehr.

Bild ganz oben: Screenshot von der Gatebox-Webseite