Bist du ein Mensch? 8   +   3   =  

Irgendwann ist immer das erste Mal – auch für ein Geschäftsessen als Startup-Gründer. Das gemeinsame Essengehen sorgt dafür, dass ihr aus der Arbeitsumgebung raus kommt und euch auf einer persönlichen Ebene austauschen könnt. Oft baut ihr über ein gemeinsames Essen überhaupt erst eine Beziehung zu einem Investor oder Geschäftspartner auf.

Nehmen wir an, ihr habt Kontakt zu einem potenziellen Investor bekommen und möchtet euch und euer Startup vorstellen. Fragt, ob die Person Zeit hat, mit Euch Essen zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt schlagt ihr weder Zeit noch Ort vor. Wenn euer Gesprächspartner zustimmt und selbst keine Vorschläge macht, wo es hingehen soll, schlagt drei verschiedene Zeitpunkte vor und wählt einen Ort, der näher am Standort eures Gastes liegt als an eurem eigenen. Ihr möchtet etwas von der Person, also solltet ihr auch die längere Anreise auf euch nehmen. In diesem Fall ist übrigens auch die folgende Frage klar: Ihr zahlt für das Essen und kümmert euch um eine Reservierung, damit ihr nicht vor verschlossenen Türen steht.

Ist euer Gast bei euch im Office, dann wählt ihr ein Restaurant aus, das ihr schnell fußläufig erreichen könnt. Durch eine lange Fahrt quer durch die Stadt geht euch beiden zu viel Zeit verloren.

Wählt das Restaurant möglichst auch nach der Akustik aus. Ihr wollt euch entspannt unterhalten und nicht gegenseitig anschreien müssen. Gebt das bei der Reservierung als Wunsch einfach an.

Wer zahlt das Geschäftsessen?

In der Regel der Gastgeber. Also die Partei, die zu dem Essen eingeladen hat. In der Regel deuten die Formulierungen, mit denen das Essen angekündigt wurde, auch die Formalien an:

Ein „Hast Du auch Hunger? Lass uns mal eben ’nen Happen was essen gehen!“ zur Mittagszeit einer Besprechung lässt eher auf einen schnellen Imbiss schließen, bei dem jeder für sich zahlt. Sollte jemand was anderes planen, wird das in der Regel auf dem Weg zum Restaurant bereits geäußert. „Ich lade Euch ein!“

Bei schriftlichen Einladungen sind die Formulierungen in der Regel noch klarer.

Sollte euch unklar sein, wer die Rechnung übernimmt: Fragt nicht plump nach, sondern macht einen Alternativvorschlag: „Wir müssen momentan stark auf unser Budget achten, wäre es auch in Ordnung, wenn wir uns auf einen Kaffee treffen?“ Entweder wird nun verdeutlicht, dass ihr selbstverständlich Gast seid – oder ihr geht einen Kaffee trinken.

Insbesondere, wenn ihr mit einem eurer Investoren unterwegs seid und feststellt, dass ihr auf dem Weg in den hot new fancy place in town seid (googeln nach Restaurant und Speisekarte hilft, um die Preise herauszufinden), macht es Sinn zu sagen: „Sorry, aber die Preise für ein Essen dort übersteigen unser tägliches Verpflegungsbudget fürs Team um Faktor 10. Ich hätte da einen Spitzenalternativ-Vorschlag.“

Übrigens:
Wenn jedes Unternehmen für sich zahlt, dann übernehmt ihr die Rechnung für eure Mitarbeiter.

Was sind die passenden Themen beim Geschäftsessen

Auch wenn euer Arbeitspensum immens hoch ist, nutzt die Gelegenheit eines gemeinsamen Essens dazu, eure Gesprächspartner besser kennen zu lernen. Arbeitsthemen abseits von euren konkreten Punkten eignen sich dazu natürlich immer gut. „Was macht ihr sonst noch so?“. Aber auch Sport, Hobbys, Musik, das Essen und das Restaurant oder auch die Stadt, in der ihr euch gerade befindet, sind gute Einstiegsthemen. Aber bitte: Beginnt ein Gespräch auf keinen Fall mit Lästereien über den langsamen Service oder das heruntergekommene Stadtviertel. Findet angenehme und positive Themen. Übrigens sind auch immer noch die typischen Themen Religion und Politik tabu.

Was wird gegessen?

Bei weißem Hemd: Finger weg von der Spaghetti Bolognese. Das kann nur schief gehen.

Ansonsten fragt den Gastgeber, was er empfehlen kann. Wenn ihr in eurem Stammladen seid, dann könnt ihr natürlich euren Gästen auch etwas empfehlen.

Bestellt nicht das aufwändigste Essen, das immens lange in der Zubereitung dauert. Aufläufe sind so ein Beispiel. Die brauchen meist doppelt so lange im Backofen wie die restlichen Speisen, und alle anderen Gäste müssen dann warten, bis euer Gericht fertig ist.

Am schnellsten ist in der Regel ein Gericht vom Tagesmenü fertig.

Wenn euer Gastgeber euch zu einem ungewohnten Gericht wie Hummer oder Austern rät, die auf eine bestimmte Art und Weise verzehrt werden, dann lasst euch von ihm erklären, wie ihr das richtig macht.

Getränke sind immer so eine Sache. Mittags ist es in Deutschland mittlerweile eher unüblich alkoholische Getränke zu bestellen. Mit Wasser, Saft oder Limonaden seid ihr auf der sicheren Seite. Wenn euer Gastgeber euch abends seinen Lieblingswein kosten lassen will, nehmt ein Glas an und lasst es danach gut sein.

Ein paar Höflichkeitsregeln

Auch wenn viele Unternehmenskulturen immer mehr auf flache Hierarchien setzen: Die Platzwahl am Tisch macht in der Regel am meisten Sinn, wenn die hierarchisch höchstgestellten Personen nebeneinander sitzen. Dabei überlassen die Gastgeber den Gästen die Plätze mit dem angenehmsten Ausblick.

Telefone bleiben in den Taschen oder werden lautlos mit dem Display nach unten auf den Tisch gelegt und bleiben so auch liegen. Eure Gesprächspartner verdienen eure volle Aufmerksamkeit. Sie verzichten schließlich auch auf Telefonate oder E-Mails während eures Essens.

Fangt nicht an, euch beim Kellner über das Essen zu beschweren. Es geht nicht darum, ob die Suppe perfekt temperiert ist, oder der Wein Kork hat. Es geht darum, ein angenehmes und produktives Gespräch zu führen.

Die alte Regel „das Besteck wird von innen nach außen verwendet“ gilt übrigens immer noch, falls ihr in einem gehobenen Restaurant landet. Nachdem das Besteck einmal in der Hand war, kommt es nicht mehr auf den Tisch, sondern wird nur noch auf dem Teller abgelegt.

Sagt Danke!

Auch wenn die Einladung bereits vor Wochen ausgesprochen wurde: Bedankt euch nach dem Essen bei eurem Gastgeber. Ob ihr nun ein traditionelles „Vielen Dank für das leckere Essen“ sagt oder eher ein augenzwinkerndes „Hey, danke fürs leckere Kochen!“ überlassen wir eurer Einschätzung.

Auch beim Essen: Bereitet euch vor!

Auch wenn die Atmosphäre beim Geschäftsessen etwas lockerer sein mag als beim Termin im Unternehmen: Seid top vorbereitet. Habt alle Zahlen, Daten und Fakten im Kopf, auf die eure Gesprächspartner euch ansprechen könnten. Gerade beim Essen könnt ihr nicht mal schnell das Notebook rausholen und im Pitch-Deck eure Wettbewerbsanalyse nachlesen.

Was war euer einschneidendstes Erlebnis oder größter Erfolg beim Business-Lunch? Lasst es uns wissen!

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Beitragsbild Unsplash.com Henrique Félix