Bist du ein Mensch? 0   +   8   =  

Waschmaschinen als Fleckenberater, Kühlschränke mit Rezeptvorschlägen? Klingt gut und ist gar nicht so weit von der Realität entfernt. Bei solchen Innovationen können Startups eine entscheidende Rolle spielen – auch für internationale Großkonzerne. Founders OWL sprach darüber mit Dr. Eduard Sailer, Technik-Geschäftsführer bei Miele, dem weltweit bekannten Haushaltsgeräte-Hersteller mit Sitz in Gütersloh.

Große Konzerne wie Miele stehen für permanente Produkt-Innovationen. Werden die Intervalle immer kürzer, in denen Innovationen entstehen müssen?
Unser Rhythmus, den der Markt fordert, ist recht konstant. Wichtigster Termin ist da die Internationale Funkausstellung in Berlin. Das ist unsere jährliche wichtigste Branchenmesse.

So ein Jahr ist schnell rum. Wie schwierig ist es, innerhalb von zwölf Monaten immer wieder Neues nachzulegen?
Das klappt bislang sehr gut, alleine schon wegen unserer großen Entwicklungsmannschaft mit 1.000 Spezialisten. Aber darauf darf man sich nicht ausruhen. In Zukunft wird die Digitalisierung einen Großteil mit bestimmen, wie und was künftig entwickelt werden wird. Wir sind derzeit sehr geübt in der Entwicklung von intelligenten Geräten in allen möglichen Ausprägungen. Aber Digitalisierung ermöglicht ja noch viel mehr: die Kommunikation von Maschine zu Maschine und von Maschine zu Mensch. Da kommt noch eine Menge auf uns zu.

Ein Beispiel aus der Praxis?
Wir haben schon vor etwa fünf Jahren überlegt, wie wir unsere Kunden optimal bedienen können, was das Waschergebnis mit unseren Waschmaschinen angeht. Dabei geht es vor allem um exakt abgestimmte Waschmittel. Seit zwei Jahren nun gibt es an unseren Maschinen zwei Fächer für Kartuschen: Waschmittel und Bleichmittel. Diese Kartuschen reichen rund einen Monat. Mittlerweile meldet sich die Maschine bei ihrem Benutzer, wenn das Mittel zur Neige geht und welches nachbestellt werden muss. Das ist aber erst der Anfang. Schon bald kann die Maschine mit dem Menschen über bestimmte Verschmutzungen an Kleidung kommunizieren. Ein bestimmter Fleck am Hemd, Hilfe bei der Vorbehandlung und bei der Einstellung der Waschmaschine.

Klingt fast wie ein Bot-System…
Ja, das kommt. Und solche Systeme können unseren Kunden sehr hilfreich sein. Auf der anderen Seite bietet uns die Prozessunterstützung aber auch Chancen, dass wir durch die Vernetzung von Hardware und Konsummitteln – in diesem Fall eben Waschmaschine und Waschmittel –  unser Geschäftsmodell erweitern können. Da kann uns die Digitalisierung noch eine Menge bieten.

Können junge Unternehmen da Impulse für Konzerne liefern?
Aber natürlich. Wir großen Unternehmen haben gelernt, unsere Produkte zu entwickeln – bei Miele sind es intelligente Hausgeräte. Darauf sind unsere Experten ausgerichtet. Aber wenn es darum geht, die Digitalisierung weiter voranzutreiben, sind darauf noch nicht so viele eingerichtet. Wenn man auf die Startup-Landschaft schaut, dann sind das oft genau solche Anwendungen, die einen Markt regelrecht umkrempeln können. Beispiel Uber: Die haben keine eigenen Taxis, mischen die Szene aber richtig auf.

Was für Möglichkeiten gibt es in der Zusammenarbeit zwischen Konzernen und Startup-Unternehmen?
Zum einen kann ein Startup natürlich direkt auf unsere Hardware aufsetzen und dazu etwas entwickeln. Vielleicht einen intelligenten Service, der meinen Kühlschrank-Inhalt analysiert und mir vorschlägt, was ich kochen soll. Mit Rezept und allen anderen Parametern für meinen Backofen. Solche Ideen sind interessant, um in eine Kooperation zu kommen.

Passiert es bereits, dass Unternehmensgründer bei Miele anklopfen?
Ja, da wir das auch nach außen kommuniziert haben, werden wir tatsächlich zur Anlaufstelle für erste Startups.

Muss ich als Gründer fürchten, dass mir ein Großer meine Idee klaut?
Selbst wenn wir es rechtlich nicht regeln würden, wäre das für uns bei Miele nicht denkbar. Es geht um das Selbstverständnis, dass man fair miteinander umgeht. Das bedeutet für uns aber auch, dass wir ehrlich sind, wenn wir uns von einer Idee nichts versprechen. Auf der anderen Seite gibt es natürlich unglaublich viel großartigen Input – eben auch weil wir es bei Gründern mit Digital Natives zu tun haben, die selber sehr genau nachfühlen können, was die kommenden Generationen von Hausgeräten erwarten. Da stehen wir alle ja erst am Anfang, was die Entwicklungen angeht.

Foto © Miele & Cie. KG / Dr. Eduard Sailer