Warum die DSGVO nervt

In der vergangenen Woche war ich mehrmals kurz davor mein Handy mit Schmackes an die Wand zu klatschen. Wie eine Lawine rollten im Minutentakt dutzende E-Mails in mein Postfach und ich kam weder mit dem Lesen noch dem Löschen hinterher. Grund für das ganze Chaos: Die Umsetzungsfrist zur neuen DSGVO war abgelaufen. Hinter der schnittigen Abkürzung verbirgt sich die europäische Datenschutzgrundverordnung, ein Gesetz aus dem vergangenen Sommer, das als erstes bewirkte, dass alle Menschen mit geschäftlichem Internetpräsenz wie ein wildgewordener Hühnerhaufen umeinander getobt sind und schreckensstarr dem Ende ihres Online-Auftritts entgegengeblickt haben.

Eine Woche später hatten alle die DSGVO wieder vergessen – bis Anfang Mai die ersten E-Mails kamen. Plötzlich meldeten sich Firmen, Netzwerke, Newsletter-Anbieter, Versandhäuser und eine unangenehm hohe Zahl Essenslieferdienste, von denen man meistens gruseliger Weise nicht mal wusste, dass sie überhaupt über die eigene Mail-Adresse verfügten, und baten, nein bettelten uns an, ihre neuen Datenschutzverordnungen zu lesen, oder ihren Newsletter neu zu abonnieren. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Nicht ein einziges Mal habe ich irgendwas davon gemacht.

Das ist die erste Facette der DSGVO, die tierisch genervt hat – Spam ohne Ende.

Und die Unternehmen…

Noch viel schlimmer als als Kunde von der DSGVO betroffen zu sein ist aber natürlich als Unternehmer von der DSGVO betroffen zu sein. Als plötzlich klar wurde, dass alle Datenschutzverordnungen überarbeitet werden müssen, weil sich sonst aasgeiergierige abmahn-Anwälte auf einen stürzen würden und mit horrenden Mahngebühren die 12-jährige Jenny und ihren13-Follower starken Beauty Blog in die Privatinsolvenz treiben würden, war die Panik groß. Tatsächlich standen Millionensummen im Raum. Hier wäre eine knappe Zusammenfassung nett gewesen, eine schlichtende Stimme, eine kompakte Übersicht, eine kurze Relativierung. Aber nichts dergleichen geschah. Stattdessen saßen alle vor dem 11 Kapitel und 99 Artikel starken Pamphlet, wie ein Zyklop im 3D Kino und begannen nach dem Versuch-und-Irrtum Prinzip ihre neuen Datenschutzerklärungen zu basteln.

Aus der Angst vor Sanktionen sind mittlerweile schon abstruse Situationen entstanden – Zum Beispiel Fotos im Internet, bei denen so viele Menschen verpixelt wurden, dass man sie auch einfach hätte weglassen können und Pressemitteilungen, die nur an Leute verschickt werden dürfen, die das auch wollen, die aber nicht mal wissen, dass es die Möglichkeit gäbe diese zu bekommen. Und wie sollte man sie informieren, wenn man denkt, man dürfte ihnen keine Mails mehr schicken?

Ärgerlich!

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es keine vernünftigere Lösung zur Kommunikation des Gesetzes gegeben hätte, als alle Anbieter, die kein Großunternehmen mit Rechtsabteilung sind, einfach so im Regen stehen zu lassen. Für viele Neu- und Kleinunternehmer war die Einarbeitung in die DSGVO mit einem enormen Aufwand an Energie und Zeit oder schlimmstenfalls Geld für Beratung verbunden. Datenschutz ist eins der relevantesten Themen unserer Zeit und dass es bearbeitet wird (auch EU weit vereinheitlicht) ist extrem wichtig – aber bitte so, dass allen damit geholfen ist und vor allem: Transparent, verständlich und zielgruppenangepasst.

Datingschutzgrundverordnung

Und weil ärgern selten nützlich ist, hier noch ein kleiner Denkanstoß: Wenn ihr das nächste Mal auf einer Party nach eurer Nummer gefragt werdet, antwortet etwas wie: „Grundsätzlich total gerne, aber stelle bitte sicher, dass du die DGSVO beachtest.“ Zieht dann eine mehrseitige Erklärung aus eurer Tasche und lasst euch unterschreiben, dass eure Nummer nach sieben Tagen wieder gelöscht wird, wenn es bis dahin noch keinen genauen Termin für ein Date gibt, dass die Weitergabe eurer Nummer an Drittanbieter (Single-Freunde etc.) untersagt ist und dass eure Nummer für Werbesendungen (z.B. Dickpics) nicht verwendet werden darf.

Einfach mal machen…

Stay witty.

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