Eine Frage, die man sich in den letzten Tagen berechtigterweise stellen konnte. Gehen wir mal von der Skalierbarkeit und den reinen Investitionskosten aus, lautet die Antwort ganz klar: „Nein.“

Nehmen wir stattdessen Vision, Gegenargumente und technologische Evolution mit ins Kalkül, könnte die Antwort durchaus: „Irgendwie schon“ lauten. Viele Einschätzungen und Spekulationen sind bereits seit Dienstag durch die Publikationen gegangen. Ich traue mir persönlich noch keine präzise Einschätzung zu, sondern möchte hier meiner Chronistenpflicht nachkommen und einige Blicke in die Vergangenheit werfen.

Was hat Elon Musk mit dem Mars vor?

Elon Musks Besiedlung des Mars ist eine Vision, die Technologie und Pioniergeist voran treiben kann. Das Menschenmögliche soll dadurch auf eine neue Stufe gehoben werden. Von Risikobereitschaft und Innovationskraft gar nicht erst zu reden. Aber es ist kein Startup. Vielmehr nimmt Musk seine Erfahrungen aus seinen Startups, sein Kapital sowie seine Vision und schafft im Grunde etwas völlig neues: Etwas, das nur dann machbar ist, wenn ein einzelner Unternehmer, der bereits einige Erfolge bewiesen hat, sich ein Ziel fest in den Kopf gesetzt hat. Etwas, das nur dann machbar ist, wenn jemand bereit ist persönlich mit seinem Vermögen und seinen Unternehmen ein Risiko einzugehen, das wiederum andere motiviert mitzuziehen.

So etwas geht meiner Meinung nach nur mit dem typischen Startup-Geist für harte Arbeit und den Willen, etwas Unmögliches möglich zu machen. Dabei ist diese Art der Vorgehensweise durchaus keine Unbekannte: Bereits vorhandene Technologien so geschickt, effektiv und effizient zu kombinieren, dass man das gesteckte fokussiert Ziel erreicht. Nichts anderes haben wir bei Steve Jobs und zahlreichen Apple-Produkten gesehen. Das iPhone war keine neue Technologie, sondern das Ergebnis einer Kombination von zum richtigen Zeitpunkt ausgereiften Technologien mit der Vision eines eigenen Ökosystems. Die Entwicklung der Tesla-Autos funktionierte übrigens ganz ähnlich – insbesondere beim Tesla Roadster wurden bestehende und erprobte Technologien zu einem neuen ganzen zusammen gestellt und damit ein attraktives Produkt geschaffen, das ständig optimiert wird. Eine Vorgehensweise, die man eher aus der agilen Entwicklung kennt, denn aus der trägen Automobilindustrie.

Ist die Mars-Besiedlung ein rentables Geschäftsmodell?

Den Aufbau dieses Ökosystems aus iOS-Geräten, Apps, mobilem Internet und daraus resultierenden disruptiven Geschäftsmodellen, das – wenn es erst einmal in Schwung gebracht wurde – ein Perpetuum Mobile an weiteren Innovationen nach sich zieht, kann ich beim Mars-Projekt noch nicht konkret erkennen. Ich bin mir relativ sicher, dass Musk einige hundert wenn nicht tausende Menschen mobilisieren kann, die für eine Reise ins Ungewisse 200.000 Dollar bezahlen und damit das Projekt in Teilen finanzieren. Das alleine ist aber noch kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Zusätzlich wird er sich auch immer wieder Kritik an der Sinnhaftigkeit seines Mega-Vorhabens gefallen lassen müssen, denn aus Elon Musks Statement:

Wenn wir ewig auf der Erde bleiben, wird die Menschheit irgendwann ausgelöscht. Es kann also nur unser Ziel sein, multiplanetar zu leben.

lässt sich meiner Meinung nach ebenso gut der Schluss ziehen: Wir sollten zunächst einmal noch mehr daran setzen, die Lebensbedingungen und Energieversorgung auf der Erde zu optimieren, um unser gemeinsames Potenzial zur Weiterentwicklung frei zu setzen. Damit schaffen wir bessere Voraussetzungen, um ein multiplanetares Leben und die Besiedelung anderer Planeten zu ermöglichen. Aber das ist natürlich schon tausendfach gefordert und lange nicht so sexy. Vielleicht bin ich selbst auch zu pessimistisch und phantasielos und denke gerade wie die Leute, die Henry Ford zu seinem Ausspruch gebracht haben „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: Schnellere Pferde“.

Wie kommt man auf solche Visionen?

Musk denkt anders. Er denkt in wissenschaftlichen Grundbegriffen – nicht in Analogien. Er zerlegt die vorhandenen Erkenntnisse so lange in absolute Wahrheiten, bis er von diesem kleinsten gemeinsamen Nenner eine echte Innovation statt einer kleinen Weiterentwicklung ableiten kann. Und da mein letzter Satz fast schon esoterisch klang, lassen wir Musk das First Principle Thinking im folgenden Interview mit Digg-Gründer Kevin Rose einfach selber erklären:

Ein gelungener Anstoß für visionäre Perspektiven à la Kolumbus

Wenn ich mir aber die Euphorie und begeisterte Resonanz auf die Rede von Musk so ansehe, dann kann ich mir vorstellen, dass die Zeit einfach Reif ist und es dieser Vision und dieses einen Anstoßes bedurfte, um ein neues Level von Optimismus, Schaffenskraft und Problemlösungen frei zu setzen. Ein neues großes Ziel, dass die Menschen weltweit motiviert ihr bestes zu geben. In vergangenen Zeiten kamen solche Anstöße von Entdeckern wie Kolumbus, die Unterstützung von Königshäusern bekamen. Oder wurden von Staaten als wissenschaftlicher Wettlauf betrieben. Heute sind es eben visionäre (und milliardenschwere) Unternehmer, die nicht nur über das Kapital und Technologie verfügen, sondern über das Know-how die richtigen Ingenieure anzuziehen und die Möglichkeiten, die passenden Kunden in Massen zu überzeugen.

Damit ist vermutlich alles möglich. Oder um mal den Namensgeber für das Unternehmen Tesla sehr frei zu zitieren:

Wenn Euer Hass Zweifel in Elektrizität umgewandelt werden könnte, würde er die ganz Welt erleuchten propecia pills 1 mg. – Nikola Tesla

Die ganze Keynote vom International Astronautical Congress in Mexiko findet Ihr hier. Musk stellt sein Projekt ab Minute 22:00 vor:

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Bild ganz oben: Space-X.com

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