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[vc_row][vc_column][vc_column_text]Die Startup-Szene gibt sich gern als besonders fortschrittlich und vielfältig. Herkunft, Alter, Geschlecht, all das spielt angeblich keine Rolle, was zählen sind Fleiß, Talent und die richtige Idee. Aber ist das wirklich so? Wie sieht es beispielsweise mit Frauen als Gründerinnen aus? Wir haben nach Antworten gesucht und einige gefunden.

Im Frühjahr sorgte eine Untersuchung über das Gehaltsgefüge in Berliner Startups für Diskussionsstoff. Demnach verdienten Frauen im Schnitt 25 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Grundlage für diese Aussage ist eine Online-Befragung, die von April 2013 bis Januar 2016 stattgefunden hat. Trotz der hohen Fallzahl von 3.388 ausgewerteten Antworten ist die Stichprobe nicht repräsentativ: So waren beispielsweise 80 % der Befragten keine deutschen Staatsbürger, was auch damit zusammenhängt, dass der Fragebogen in englischer Sprache verfasst war.

Nicht wegdiskutieren lässt sich aber die Tatsache, dass das als „Gender Pay Gap“ bekannte Phänomen – bundesweit liegt der Wert bei 22,4 % – auch bei Startups zu finden ist. Lassen sich die allgemeinen Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern noch teilweise durch unterschiedliche Qualifikationen, Erwerbsbiografien und Arbeitszeiten erklären, sollten diese Argumente bei Startups eigentlich wegfallen. Schließlich sind hier ausschließlich hochqualifizierte und engagierte Menschen am Werk, die entsprechend gleich bezahlt werden, oder?

Aus dem Berliner Startup-Gehaltsreport: Bezahlung nach Erfahrung und Branchen.

Aus dem Berliner Startup-Gehaltsreport: Bezahlung nach Erfahrung und Branchen.

Ein Erklärungsansatz bietet ein Blick auf die Bezahlung für verschiedene Aufgabenbereiche. Im Marketing, wo der Frauenanteil in der Regel höher ist, liegt die Obergrenze bei durchschnittlich 3.300 Euro im Monat. Softwareentwickler, zurzeit noch hauptsächlich Männer, bekommen 5.000 Euro. Frauen müssen also verstärkt in IT-Jobs gehen, um die Lücke zu schließen. Mittelfristig stehen die Chancen nicht schlecht: Waren 2009 nur 19,0 % der Studienanfänger im Fachbereich Informatik weiblich, lag die Zahl 2014 schon bei 23,6 %. Tendenz: weiter steigend. Mit knapp über 50 % stellen Frauen inzwischen übrigens die Mehrheit bei den Studierenden insgesamt.

Frauenanteil bei Gründungen: 13 %

Noch weit entfernt von einer solch gleichmäßigen Verteilung ist die Zahl der Gründerinnen bei deutschen Startups. Der 3. Deutsche Startup Monitor hat für 2015 einen Frauenanteil von nur 13 % bei Gründern ermittelt. Das Durchschnittsalter bei Erstgründungen von Frauen liegt übrigens bei 31,1 Jahren (Männer: 28,8 Jahre). Was hält viele Frauen davon ab, den Schritt in die Startup-Selbständigkeit zu wagen, „Fempreneure“ zu werden? Ein endgültige Erklärung dafür gibt es nicht. Die Familienplanung mag eine Rolle spielen, da die Kindererziehung nach wie vor als „Frauensache“ angesehen wird.

Zudem scheinen Männer häufiger mit einer großen Portion Selbstbewusstsein ausgestattet zu sein, die nicht ihren wahren Fähigkeiten entspricht, sie aber schneller zum Gründen bringt. Frauen neigen dagegen mehr zu Selbstzweifeln und trauen sich selbst weniger zu. Klingt wie ein Klischee, das längst überholt sein sollte, lässt sich aber in der Realität immer noch und immer wieder beobachten. Zum Glück gibt es inzwischen genug Beispiele für erfolgreiche Fempreneure, von denen wir drei kurz vorstellen möchten.

Ida Tin (Foto: Clue)

Ida Tin (Foto: Clue)

Ida Tin. Die gebürtige Kopenhagenerin wurde 2015 als „Female Web Entrepreneur of the Year“ ausgezeichnet. 2013 hat sie ist CEO und Mitgründerin von Clue, das 2013 in Berlin entstanden ist. Clue ist die weltweit am schnellsten wachsende Zyklus- und Fruchbarkeits-App. Sie misst und sagt Periode, fruchtbare Tage und das Postmenstruelle Syndrom von Nutzerinnen voraus und informiert, wann Frau am wahrscheinlichsten schwanger wird. Im Oktober 2015 konnte das Startup eine Finanzierung in Höhe von sieben Millionen Dollar ergattern.

Delia Fischer. „Ich bin normal nicht so der Risikotyp“, beschrieb sich die Mitgründerin und Geschäftsführerin von Westwing 2014 gegenüber dem manager magazin. „Aber ich dachte, wenn ich mich jetzt nicht traue, dann mach ich es nicht mehr.“ Also startete die Modejournalistin 2011 ihre Plattform für Wohnaccessoires und edle Möbel. Mittlerweile ist das Unternehmen, an dem Rocket Internet beteiligt ist, in 14 Ländern aktiv, hauptsächlich in Europa, aber auch in Kasachstan und Brasilien.

Christine Kiefer. Daas Gründerinnen nicht nur mit „Frauenthemen“ an den Start gehen, beweist Christine Kiefer. Sie hat Informatik und BWL studiert und lange für Goldman Sachs gearbeitet. 2016 hat sie Pair Finance gegründet, ein Fintech-Startup für Forderungsmanagement. Fintech ist überhaupt ihr Lieblingsthema, deshalb hat sie auch das Netzwerk Fintech Ladies ins Leben gerufen, das Frauen ermutigen soll, sich verstärkt in diese Männedömäne einzubringen.

Linktipps zum Thema Fempreneure und Frauen in der Digitalwelt

Damit sich Frauen in der Digitalwirtschaft noch besser behaupten können, gibt es eine Reihe von Initiativen und Plattformen. Dazu gehören:

Digital Media Women. Seit sechs Jahren existiert das Netzwerk, das für mehr Sichtbarkeit für Frauen auf allen Bühnen sorgen will, die die digitale Welt so bietet. An fünf Standorten in Deutschland sind übrigens auch Männer als Mitglieder willkommen.

Geekettes. 2012 von der Amerikanerin Jess Erickson in Berlin initiiert, ist das Netwerk für Frauen aus der Technolgieszene inzwischen auf drei Kontinenten aktiv.

Women Who Code. Dieses amerikanische Netzwerk besteht seit 2011 und trägt seine Zielgruppe bereits im Namen, aber auch hier dürfen Männer mitmachen.

Fempreneur. Ein Online-Magazin für weibliche Entrepreneure mit vielen Tipps und Stories von und für Gründerinnen.

MomPreneurs. Hier heht es speziell um die Belange von Frauen, die Unternehmerinnen und Mütter zugleich sind.

Edition F. Inhaltlich nicht auf Digitalthemen beschränkt, aber als Medien-Startup ein Vorzeigeprojekt.

Bild ganz oben: stockbroker / 123RF[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]