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Kann man mit einer geschickten Finanzierungsstrategie die Erfolgschancen seines Startups verbessern? Der Blogger Tomasz Tunguz von der Investmentfirma Redpoint hat sich darüber Gedanken gemacht und jede Menge Daten ausgewertet. Was dabei herausgekommen ist, fassen wir hier zusammen.

Für seine Auswertung hat Tunguz Informationen aus der Startup-Datenbank Crunchbase herangezogen und sich dabei zwei Kategorien genauer angesehen. Zum einen die Seed-Finanzierungen, die Unternehmen ganz am Anfang erhalten; Risikokapital, das quasi den Samen zum Keimen und Wachsen bringen soll. Und die im Idealfall daran anschließenden Serie A-Investments, die Unternehmen dann erhalten, wenn sie schon gewisse Geschäfsterfolge vorweisen können.

Demnach bekommt ungefähr ein Drittel der US-Startups, die die eine Seed-Finanzierung erhalten, auch ein Serie A-Investment. Je höher der Seed-Betrag, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen auch die nächste Runde erreicht. Während  500.000 $ Seed mit 20 % Wahrscheinlichkeit zur Serie A, wächst der Wert bei 1,5 Millionen $ auf 30 %. Die Erklärung: Größere Seed-Runden ermöglichen es jungen Startups mehr zu experimentieren, mehr Personal einzustellen, sich besser von Rückschlägen zu erholen und mehr Ziele zu erreichen, die für eine Serie A notwendig sind.

Die Grafik zeigt: Je höher der Seed-Betrag, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Folgefinanzierung. Nur die letzte Säule fällt aus dem Rahmen und offenbart eine gewisse methodische Schwäche.

Die Grafik zeigt: Je höher der Seed-Betrag, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Folgefinanzierung. Nur die letzte Säule fällt aus dem Rahmen und offenbart eine gewisse methodische Schwäche.

Dabei führt eine höher dotierte Seed-Runde nicht automatisch zu mehr Geld in der Serie A. Setzt man die jeweiligen Beträge in Bezug zueinander, erhält man für das Bestimmtheitsmaß R² einen Wert von 0,44. Der höchstmögliche Wert wäre 1, die beiden Finanzierungssummen korrelieren also nur bedingt miteinander.

Untersucht wurde auch, wie lange es von der Seed- bis zur Serie A-Finanzierung dauert. Während nach zehn Monaten erst 25 % der erfolgreichen Unternehmen diesen Schritt gemacht hatten, waren es nach knapp 13 Monaten schon 50 %, nach zwei Jahren sogar über 80 %. Der Umkehrschluss könnte lauten: Wer 24 Monate nach der Seed-Runde noch nicht die nächste Stufe erreicht hat, wird es mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr schaffen.

Die meisten Serie A-Runden folgen zwischen 10 und 20 Monaten nach dem Seed-Investment.

Die meisten Serie A-Runden folgen zwischen 10 und 20 Monaten nach dem Seed-Investment.

Sind Startups, die mindestens eine Million Seed-Kapital einnehmen und binnen 24 Monaten Investoren für eine Serie A gewinnen können, damit automatisch auf der Siegerstraße? Sicherlich nicht, denn zu diesem Zeitpunkt sind in den allermeisten Fällen noch längst nicht alle Ziele erreicht. Die unternehmerische Vision mag sich als realisierbar erwiesen haben, doch keine noch so clevere Finanzierungsstrategie kann die Notwendigkeit überflüssig machen, sich ständig am Markt neu zu behaupten und sein Geschäftsmodell zu optimieren.

Foto © fantasista/123RF, Grafiken © Tomasz Tunguz