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Juliane Eichblatt und Eva Neugebauer treffen mit Frischepost einen Nerv. Das Hamburger Startup ist ein Online-Hofladen, das regionale Lebensmittel direkt vom Hof zu den Kunden in die Stadt liefert. Und die Gründerinnen sind mittlerweile regelmäßige Gäste in OWL. Vor knapp einem Jahr besuchten Jule und Eva bereits ein Female Founders Meetup in Bielefeld und jetzt trafen wir die Gründerinnen auf der Hinterland of Things wieder. Grund genug nachzufragen, was sich bei ihnen alles getan hat…

Seit fast drei Jahren vertreibt Frischepost online regionale Produkte von Bauernhöfen sowie von kleinen Manufakturen, Bäckereien und familienbetriebenen Gärtnereien. „Wir merken schon, dass der Hype lange anhält und die Positionierung im Supermarkt schwierig ist. Nachhaltigkeit ist aber auf dem aufsteigenden Ast“, berichtet Eva.

Frischepost

Frischepost Gründerinnen Jule & Eva

Juliane „Jule“ Eichblatt (29) und Eva Neugebauer (28) stehen nie still, sondern entwickeln sich und ihr Business permanent weiter. So bietet Frischepost seit Mai 2017 Abholstationen in Märkten der Drogeriekette Budnikowsky an, wo die Kunden zeitlich flexibel und ohne Lieferkosten ihre Boxen an der Kasse mitnehmen können. Bald kommen auch noch Stationen bei der Hamburger Sparkasse hinzu. „Das war für uns ganz wichtig, diesen Schritt zu gehen. Denn der Endkunde hat immer noch krass viele Hürden, Lebensmittel online zu bestellen“, erklärt Jule. „Am Ende geht es darum, dass wir das Produkt richtig kommunizieren und nah am Kunden sind.“

Visionäre Macherinnen

Über alledem steht für Jule und Eva ein langfristiger sozialer und ökologischer Nutzen – sie wollen die Region fördern und unterstützen. Bei Frischepost sieht man genau, wo und von wem die Produkte kommen, es herrscht auf allen Seiten eine persönliche Bindung. „Hier fragen wir uns immer wieder, wie wir das aufrechterhalten können, wenn wir weiter wachsen. Der Kunde braucht die Authentizität unserer Firma, wir müssen lokal und greifbar sein, die Sprache der Menschen vor Ort sprechen“, betont Jule. Schließlich sei man nicht irgendein austauschbarer Online-Shop. Denn wer einmal loyaler Frischepost-Kunde sei, stehe auch zu der Marke und werde nicht so schnell abgeworben.

Zu diesem Prozess gehören aber auch jede Menge Learnings und FuckUps. „Eine Gründung ist wie eine Achterbahnfahrt. Du hast Höhen und leider auch echt viele Tiefen. Es geht ständig etwas schief“, erzählt Jule. Doch mittlerweile haben die Gründerinnen akzeptiert, gewisse Risiken einzugehen und sich nicht all zu verrückt zu machen.

Freiheit und Experimentierfreude

Was Jule und Eva vor allem gelernt haben, sei, sich zu fokussieren und Prioritäten zu setzen – trotz aller Ideen und Weiterentwicklungen. „Keiner ist glücklich, wenn wir alle möglichen Sachen anfangen und am Ende nichts richtig machen. Klar ist es wichtig offen für Neues und Innovation zu sein, aber wir haben manchmal ein bisschen zu viel experimentiert und dann festgestellt, dass darunter gerade das Kerngeschäft leidet. Sich immer wieder zurück zu besinnen ist ganz wichtig.“

Und genau das alles ist es nach wie vor, was Jule und Eva als Gründerinnen antreibt: Die Freiheit, selber zu entscheiden und über das Produkt bestimmen zu können oder auch der Aufbau sowie die Zusammenarbeit mit einem motivierten Team. „Dies ist jetzt die Phase, wo man so viel noch ausprobieren darf – in unserem Alter und in dieser Unternehmensphase. Das kriegen wir nie wieder und sollte man auskosten – es macht auch wirklich Spaß.“