Eines Morgens mit der genialen Geschäftsidee aufwachen, diese ab sofort unbeirrt umsetzen und ohne jede Änderung zum Welterfolg machen – das klappt garantiert nicht. Auch die ganz Großen der Netzwelt haben ihren Kurs oft gehörig korrigieren müssen, bevor sie das wurden, was sie heute sind. Pivot nennt man das, und hier sind fünf der berühmtesten Pivots der Startup-Geschichte.

Twitter
Bei der Beantwortung der Frage, welche wohl die spektakulärsten Pivots des Internetzeitalters seien, fällt der Name Twitter am häufigsten. Der Kurznachrichtendienst entstand, als es mit dem Startup Odeo bergab zu gehen begann. Odeo hatte sich dem Thema Podcasts gewidmet und war auf dem Weg, sich als Anlaufstelle für Fans dieser Medienart zu etablieren, als iTunes sich anschickte diesen Markt aufzurollen. Also setzte sich die Odeo-Crew zusammen um eine lukrative Alternative zu finden, ließ die Köpfe rauchen, und heraus kam twttr, wie ihr neues Baby ursprünglich hieß. Twitter kennt heute fast jeder, doch die aktuelle, nicht wirklich berauschende Geschäftslage legt nahe, es mal wieder mit einem kleinen Pivot zu versuchen.

flickrFlickr
Die ursprüngliche Schreibweise von Twitter, „twttr“, wurde übrigens von Flickr inspiriert, der Bilder- und Video-Community, die ihrerseits auch einen klassischen Pivot hinter sich hat. Ihre Wurzeln liegen in dem Online-Rollenspiel Game Neverending. Dessen Nutzer konnten in digitalen Welten umherreisen, dort Dinge kaufen und verkaufen und Gebäude errichten. Game Neverending war kein großer Hit, nur ein darin enthaltenes  Tool zum Teilen von Fotos kam beim Publikum gut an. Während das Spiel in den ewigen Jagdgründen des Netzes verschwand, wurde aus dem Fototool Flickr.

pinterestPinterest
Mit über 100 Millionen Nutzern weltweit gehört Pinterest zu den beliebtesten sozialen Medien, allein in Deutschland hat sich die Zahl in den letzten zwölf Monaten verdreifacht. Mittlerweile verdient die virtuelle Pinnwand, an die man Bilder zu seinen Lieblingsthemen anheften kann, sogar ordentlich Geld mit Werbung. Dabei war Pinterest ursprünglich eine Plattform für E-Commerce, auf der User ihre Lieblingsprodukte markieren und Informationen zu passenden Angeboten bekommen konnten. Bald merkten die Macher von Pinterest, dass das Erstellen von Bildersammlungen der Produkte der eigentliche Spaß an der Sache war, und änderten ihr Geschäftsmodell entsprechend. Und benannten sich um, denn zu Beginn hatte ihr Unternehmen einen Namen, der zumindest hierzulande wohl nicht so gut angekommen wäre: Tote.

Instagram-LogoInstagram
Und noch eine großer Player aus der Sparte Foto/Social Media hat einen veritablen Pivot hinter sich: Instagram. Davor gab es Burbn, ein Gemischtwarenladen von einer App mit Spielelementen von Mafia Wars und allerlei anderem Zeugs, aus dem keiner so ganz schlau wurde, aber auch einem ziemlich cleveren Fotobearbeitungstool. Nach einer gründlichen Entrümpelung von Burbn blieb dieses als einiges Element übrig und bekam den Namen Instagram. Der Rest ist Geschichte.

Android_robot.svgAndroid
Anhand der bisherigen Beispiele könnte der Eindruck entstehen, zu einem Pivot gehört zwingend ein Namenswechsel. Das ist nicht der Fall, Nokia beispielsweise hat von Papiererzeugnissen über Gummireifen bis zu Handys schon so ziemlich alles produziert und dabei einen Pivot nach dem anderen vollzogen, hieß aber immer Nokia. Ebenso Android. Heute das führende Betriebssystem für Smartphones, arbeitete das Unternehmen anfangs an einer Softwarelösung für Digitalkameras, erkannte aber rechtzeitig, dass der Markt dafür nicht groß genug war. Gleichzeitig war man schlau genug, das Potenzial der Smartphonetechnologie zu erkennen, und entwickelte sich in diese Richtung. Google war dann 2005 schlau genug, Android für aus heutiger Sicht läppische 50 Millionen US-Dollar zu übernehmen.

Die Liste ist keineswegs vollständig; von Facebook über Groupon bis PayPal haben fast alle Internetschwergewichte einen Pivot hinter sich. Mehr Infos zu diesem Begriff gibt es übrigens hier in unserem Glossar.