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Wenn man einen Marketer mit einem Coder kreuzt, erhält man einen Growth-Hacker. Die Aufgabe des Growth Hacking ist es, mehr Nutzer, Kunden, Aufmerksamkeit und Traffic für ein Startup zu erzeugen, ohne dabei Unmengen an Budget zu verbrennen.

Growth Hacking ist mehr ein Mindset als ein Toolset. Der Growth Hacker schaut sich die bestehenden Tools des Startups an und bsw. Dritt-Systeme, mit denen Kunden bereits arbeiten und stellt sich dann Fragen wie:

  • Warum interessieren sich Kunden für unsere Produkte oder Lieistungen?
  • Warum positionieren wir uns so im Markt wie wir es aktuell tun?
  • Warum gewinnen wir neue Kunden auf den aktuellen Wegen?
  • Warum interagieren Kunden mit uns auf bestimmten Plattformen?
  • Wo sind Schnittpunkte zu anderen Produkten oder Leistungen, über die wir große neue Kundengruppen erreichen, die zu uns passen?

Growth Hacking ist kein Ersatz für klassisches Marketing. Es ist anders. Ihr seht, ein großer Unterschied beim Growth Hacking im Vergleich zu klassischem Marketing ist die Perspektive des Kunden einzunehmen, statt heraus zu posaunen, dass man das coolste, beste und tollste Produkt hat.

Tools die beim Growth Hacking zum Einsatz kommen sind: Leichte Weitergabe eures Produktes durch Kunden, auf Kundenprobleme optimierte Landingpages, Experimente und Testing, Viralität wird in das Produkt eingebaut und auf Wachstum optimierte Produktfeatures.

„A Growth Hacker is someone whose true north is GROWTH“ – Sean Ellis

Der Begriff Growth Hacking wurde übrigens 2010 von Sean Ellis geprägt, der unter anderem bei Dropbox ein Paradebeispiel für die Methode vorgelegt hat:

Als Dropbox startete, bot das Unternehmen seinen Nutzern lebenslang zusätzlichen Speicherplatz an, wenn sie den Service an Freunde weiter empfahlen. Die Kosten für den Zusatzspeicher waren für Dropbox gering, für die Nutzer ein Mehrwert und eine der Kernfunktionen des Tools – Daten im Freundes- und Kollegenkreis zur Verfügung zu stellen- konnte so besser zum Einsatz kommen.

Eine Growth Hacking Methode ist also: Die Verbreitung in die Nutzung des Produkts mit einbauen.

Ganz ähnlich wurde auf GMail verbreitet, indem jeder Nutzer, der mit GMail startete, 20 Freunde per Beta-Code zum Service einladen konnte. In dem Fall waren keine Benefeits für den Einladenden damit verbunden. Ich erinnere mich aber noch gut, wie ich zunächst einige Leute um Codes bat, von denen ich wusste, dass sie zur Beta eingeladen waren und danach selber von fast jeder Person, der ich eine Mail über GMail schickte, die Bitte um einen Beta-Code zurück bekam.

Innovative Lösungen um in kurzer Zeit möglichst viele Kunden zu bekommen

Startups haben ind er Regel nunmal ein schmaleres Marketingbudget und müssen deswegen möglichst viel Effekt mit möglichst wenig Einsatz erzielen. Also sucht man im Growth Hacking nach Möglichkeiten, um das eigene Produkt intelligent und mit geringem Aufwand mit bestehenden Systemen zu verbinden, neue Menschen zu erreichen, für die das eigene Produkt hilfreich wäre und so Wachstum in kurzer Zeit zu erzeugen.

Airbnb ermöglochte seinen kunden automatisch craiglist anzeigen für ihre Airbnb Angebote zu schalten
und machten so einen weiteren Reichweiten-Kanal auf, der nicht nur Aufmerksamkeit brachte sonderen nah an den Kunden war. Mit der technischen Lösung Airbnb Angebote zu Craigslist zu schieben, nutzte Airbnb ein bestehendes System zu seinem Vorteil.

Mehrwert für bereits bestehende Kundengruppen anderer Plattformen liefern

Haltet Ausschau nach Kunden anderer Unternehmen, Apps oder Produkte, für die euer Startup einen großen Mehrwert darstellt. Idealerweise verfügt das andere Produkt bereits über eine Plattform oder Kanäle, über die ihr eure Zielkunden direkt erreichen könnt.

Buffer erstellte bsw. für sein Social Media Tool ein WordPress-Plugin, durch das WordPress-Nutzer erstmals eine komfortable automatische Veröffentlichung in Social Networks wie Twitter und Facebook hinkriegen konnten. Damit erreichte Buffer 800.000 Downloads des Plugins und 1,7 Millionen neue Nutzer die über das Plugin-System von WordPress adressiert wurden.

Setzt euch EIN klares Ziel

Mehr Nutzer, Downloads, Käufe, E-Mailanmeldungen zum Pre-Test… Was auch immer. Aber habt ein klares Ziel vor Augen, auf das ihr den Erfolg jeder einzelnen Maßnahme testen könnt. Trackt und testet daraufhin alles, was ihr tut.

Nutzt bereits bestehende Erfolge! Fragt euch, was bisher gut funktioniert hat und was ihr gut im Team könnt. Schaut dann über den Tellerrand und sucht nach ungewöhnlichen Maßnahmen, die ihr damit verbinden könnt.

Versucht virale Effekte zu erzeugen, die auf euer Ziel einzahlen. Das kann eine zentrale Funktion eures Produktes sein. Besonders interessanter Inhalt im Zusammenhang mit eurem Produkt. Eine besonders witzige Landingpage wie bei Muzzle oder Superhuman.

Bindet eure Entwickler mit ein!

Das Hacking nach dem Growth hat schon seinen Sinn: Es steht dafür, durch smarte technologische Lösungen zu mehr Wachstum zu kommen. Fragt eure Entwickler im Team:

  • Was könntest Du bauen, damit mehr Leute auf uns aufmerksam werden?
  • Welche API können wir nutzen, um unser Produkt mit erfolgreichen Plattformen zu verbinden?
  • Kannst Du durch solche Verbindungen die UX für die Nutzer besser machen oder Mehrwert erzeugen?

So schafft ihr es, nicht nur Growth Hacking zu betreiben, sondern die Wachstums-Methoden in euer Produkt zu integrieren und damit zu automatisieren. Auch hier wieder ganz wichtig: Tracken und testen! Nutzen eure Kunden die Methoden? Wenn nein warum nicht? Wenn ja: Wie könnt ihr die Maßnahmen optimieren?

Verbessert ständig die UX und Conversions für euer Produkt

Es geht nicht nur darum, möglichst viel Traffic anzuziehen und externe Aufmerksamkeit zu erregen, ihr müsst auch dafür sorgen, dass die Conversion genauso reibungslos verläuft wie die Nutzung innerhalb eures Produkts.

Mega Traffic nützt euch alles nichts, wenn die Registrierung und das Onboarding nicht durchdacht sind und die Nutzer abgeschreckt werden, bevor sie eure Kunden werden können. Auch hier kommen wieder tracken und testen zum Einsatz. Messt genau, wo eure Kunden abspringen, welche Features stark und welche kaum genutzt werden. Verbessert die wenig genutzten Features oder werft sie ggf. raus.

Product/Market Fit

Bevor ihr euren Product/Market Fit erreicht habt, hilft Growth Hacking euch, Nutzer anzuziehen und festzustellen, ob ihr genau das Produkt gebaut habt, das eure Kunden wollen. Ob ein Markt für euer Produkt vorhanden ist.

In dem Moment, wo ihr den PMF erreicht habt, sorgt Growth Hacking für mehr und mehr Kunden und dass euer Startup profitabler wird. Sehr vereinfacht ausgedrückt.

Wann habt Ihr den PMF erreicht? Sean Ellis drückt das so mit folgender Metrik aus: Er fragt die Kunden wie enttäuscht sie wären, wenn sie das Produkt nicht mehr nutzen dürften. Wenn mehr als 40% antworten sie wären sehr enttäuscht, weiß er, dass der PMF ausreicht.

In diesem sehenswerten Talk geht Sean Ellis vor allem auf Growth Hacking nach dem Produc/Market-Fit ein:

Habt Ihr selber schon erfolgreiches Growth Hacking eingesetzt? Erzählt uns eure Story auf Facebook oder über unser Kontaktformular

Steigt tiefer ins Growth Hacking ein

Artikelbild: Maarten van den Heuvel on Unsplash