Bist du ein Mensch? 10   +   3   =  

Max Viessmann leitet das 101-jährige Familienunternehmen Viessmann, das mit über 12.000 Mitarbeitern eines der Top-Unternehmen in den Feldern Heiztechnik, Industrie- und Kühl-Systeme. Das Headquarter steht nicht etwa in einer Business-Metropole sondern mitten im schönen Allendorf in Nordhessen. Wir haben mit Max gesprochen und ihn gefragt, wie er Startup-Spirit und -Methoden im mittelständischen Unternehmen einsetzt und damit die Digitalisierung voran treibt.

Hi Max! Was rätst Du Gründern, die nicht die Möglichkeit haben, in einem Hotspot wie Berlin oder dem Valley zu starten?

Zunächst mal ist es möglicherweise gar kein Nachteil, in einer etwas ruhigeren Region zu starten. Das ist der Vorteil der Digitalisierung: Ich muss nicht in einem bestimmten Ökosystem sein, sondern kann über die Grenzen hinaus global vernetzen. Spricht Menschen im Valley, in London, Berlin, Tel Aviv einfach an! Sorgt selber für Austausch. Was ihr braucht, ist der Zugang zu den Menschen und den könnt ihr heute auch digital aufbauen.

 

Viessmann hat 12.000 Leute – Wie nehmt Ihr die Mitarbeiter bei Pivots und Innovationen mit?
Kommunikation ist das Wichtigste: Wir haben eine eigene Plattform gebaut, in der wir alle neuen Insights posten und dafür sorgen, dass alle Menschen im Unternehmen die Chance haben, auf den gleichen Wissensstand zu kommen. Nur so schafft man auch Akzeptanz für Veränderungen im Unternehmen.

Mit der wichtigste und skalierbarste Kommunikationsweg bei uns: Die „Thank God it’s Monday Meetings“ in denen die gesamte Organisation im Stream nach einer Keynote 30 Minuten die Möglichkeit für Q&A bekommt. Jeden Montag.

Wir nutzen digitale Werkzeuge nicht zum Selbstzweck, sondern um die Kooperation zu verbessern. Ist doch klar: Ich kann persönlich in einer Konferenz einige hundert Mitarbeiter erreichen. Im Stream erreiche ich fast alle 12.000, kann Fragen beantworten, die die Menschen bewegen und Befürchtungen ausräumen.

Als nächstes haben wir mit E-Learning Tools Weiterbildungsmaßnahmen aufgebaut, mit denen sich Mitarbeiter gezielt zu Kernthemen weiter entwickeln können. Damit befähigen wir die Mitarbeiter in Zukunft schnell ihre Fähigkeiten an sich ändernde Rahmenbedingungen anpassen zu können.

Welche Technologie findest Du persönlich am spannendsten?
Die Blockchain-Technologie ist schon ganz weit vorne: Sowohl aus der Perspektive Smart Contracts als auch aus dem Blickwinkel Transformation der Lieferketten. Dabei wird oft übersehen, dass man mit Blockchain auch einen wesentlichen Hebel innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette erzeugen kann. Nicht nur auf der Kundenbeziehungsebene.

Wie können Gründer und Startups Kontakt zu Mittelstandsunternehmen wie Viessmann aufbauen?
Eines der Probleme, die große Mittelstandsunternehmen oft haben ist, dass das Management nicht humble genug ist, um auch mit Startups zu sprechen, die Leute aus den Garagen oder CoWorking Spaces ernst zu nehmen und deren Lösungen in Betracht zu ziehen.

Als Startup sollte man eine gewisse Toleranz und Respekt dafür haben, dass es in Familienunternehmen manchmal etwas länger dauern kann, bis die Informationen bei den richtigen Menschen ankommen. Dann wird eine Entscheidung oft sehr schnell getroffen. Das ist der große Vorteil von Familienunternehmen gegenüber Konzernen.

Konkreter Tipp: Versucht den Zugang zu den jüngeren Generationen eines Familienunternehmens zu finden und dort Eure Idee zu pitchen. Insbesondere bei denen, die öffentlich betonen, dass sie gerne mit anderen Unternehmern interagieren.

Gibt es ein Problem, für das Du Dir eine Lösung von einem Startup wünscht?
Wenn wir keinen Technologiekern in unserer Lösung haben, der eine massive Skalierbarkeit zulässt, werden wir Probleme nur halbherzig lösen oder von denen die skalieren können, schnell überholt werden.

Viele Vorgänge in meinem Alltag sind eigentlich hervorragend automatisierbar. Aus meinen Routinen, meiner Mail-Nutzung, aus meinem Kalender, meinen Reisen kann ein virtueller Assistant viele wertvolle Insights und Feedback für mich generieren, was ich anders machen könnte um Zeit zu sparen und aktiv eine positive Veränderung herbei zu führen.

Startups im Machine Learning Umfeld könnten, anstatt nur auf den Customer Lifetime Value zu schauen, noch viel stärker auf die technologische Perspektive setzen, um nachhaltig funktionierende Lösungen zu schaffen.

Was ist Dein Tipp für Gründer?
Eine kleine Steve Jobs Variation: „Stay foolish. Stay humble!“

Den Intro Talk von Max und die anschießende Paneldiskussion auf der Hinterland  könnt ihr euch hier noch einmal anschauen:

Max Viessmann Alex Kahl Hinterland of Things

Max Viessmann (r) mit Startupregion OWL Autor Alex Kahl (l)