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Interview Philip Siefer, Gründer und CEO von einhorn

Hat die Berliner Gründerszene ein Drogenproblem?

Mit seinem Startup Einhorn verkauft Gründer Philip Siefer Kondome, die nachhaltig hergestellt werden und in bunten Verpackungen stecken. Philip krempelt die Wirtschaftslandschaft als Weltverbesserer auf links, war Keynote-Speaker auf der Hinterland-of-Things-Konferenz der Founders Foundation in Bielefeld und redet mit uns in zwei Interviewparts über die alkoholvernebelte, copycat Gründerwelt in Berlin, seine ganz persönlichen Startup-Erfahrungen und gibt Gründern reichlich Tipps.

Philip Siefer Hinterland of Things

Philip Siefer Hinterland of Things

Das Interview mit Philip führte unser Redakteur Jannis, der aus seinem Gedächtnis die offenen und ehrlichen Gespräche mit Philip so sauber wie möglich protokolliert hat.

Part 1

Philip, sag doch mal ehrlich: Wie künstlich ist die Berliner Startup-Welt?

Philip: „Unser gesamtes Ökosystem in Berlin ist von künstlichen Inkubatoren gebaut. Es ging immer um den Shareholder-Value, sprich ‚Erfolg’ bedeutet einfach ‚Geld’ machen. Davon hängt hier noch sehr viel in der Luft, es gibt so viele gekünstelte Beziehungen, Unterhaltungen und Startups, die auf den schnellen Exit programmiert sind. Durch dieses System kann meiner Meinung nach in Berlin keine echte Innovation entstehen. Unser gesamtes Niveau hier ist am Ende des Tages mittelmäßig.“

Wie meinst du das?

Philip: „Was passiert hier denn aktuell? Jemand baut eine Company auf, bläst sie so auf wie es nur geht und verscherbelt das Ding dann möglichst überhöht. Wenn das Unternehmen schließlich explodiert ist das allen egal, auch den Gründern. Sie arbeiten auf keine Vision hin, sondern auf Geld. Geld ist der Zweck des Startups – anstatt Unternehmensberater zu werden gründen Menschen skalierbare Startups, weil es aktuell der schnellste Weg zur Million ist.“

Wie sollte es denn sein?

Philip: „Gründer mit ihrem Startup sollten eine echte Vision haben, ein wahres gesellschaftliches Problem lösen. Das Geld kommt von allein, wenn man etwas Großes bearbeitet. Schauen wir in die Region Ostwestfalen-Lippe – die Unternehmen dort haben vor vielen Jahren ein echtes Problem gelöst und ja, dann damit Geld gemacht. Genau wie Facebook – die wollten etwas verändern und haben damit automatisch Geld verdient, nicht weil sie es unbedingt wollten.“

Du persönlich hast vor gut einem Jahr ganz offen über deine Angst- und Panikattacken (Link https://www.gruenderszene.de/allgemein/einhorn-gruender-spricht-ueber-seine-angst ) gesprochen.

Wie geht es dir heute damit?

Philip: „Ich habe es besser im Griff und einen ganz anderen Umgang damit. Meine Offenheit hat mir geholfen. Jetzt weiß ich, wann ich den Pause-Knopf drücken muss. Aber die Angst kommt immer noch, keine Frage. Nur kann ich jetzt die Warnsignale erkennen. Umso mehr erkenne ich, wie sehr sich andere was vormachen. Nein, 80 Stunden Arbeit pro Woche sind nicht zu viel. Jeden Tag Alkohol? Ist doch kein Problem, ich trinke nicht zu viel, auch wenn ich mich bei jeder Startupparty mit Free-Gintonics abschieße… Aber eine Selbstreflexion geht nicht in drei Minuten. Das braucht Zeit. Viele wählen die leichte Variante: Vernebelung der Sinne. Oder eben auch die Performance verbessern mit entsprechenden Drogen – wobei auch das sicher nicht ein reines Startup-Thema ist!“

Gibt es in „Startup-Berlin“ ein Alkohol- und Drogenproblem?

Philip: „Alkoholismus ist voll das Risiko und ein Problem bei uns. Klar, ist es auch ein gesamtdeutsches bzw. internationales Problem, dass Alkohol die anerkannte Betäubungsmethode ist. Aber Startups und Gründer sind sehr anfällig dafür, weil sie viel Stress haben. Alkohol ist eben der schnellste Weg zur Entspannung, auch wenn es auf Sicht ganz sicher der Weg nach unten ist. Mein Co-Founder Waldemar muss bei Partys oft eine Ausrede finden, dass er Antibiotikum nimmt, damit er eine Begründung für den Alkohol-Verzicht hat. Dabei weiß er nur sehr genau, dass er nach mehr als zwei Bier am Tag danach Kopfschmerzen hat. Wenn man dieses „Sucht und Alkohol-Fass“ richtig aufmachen würde hier…“

Dann mach das doch mal – vielleicht hilft es.

Philip: „Ich gebe ein einfaches Beispiel: Fast täglich kann man auf langweilige Startup-Veranstaltungen gehen. Getränke for free – das heißt also, man trinkt Alkohol damit es nicht zu langweilig wird. Ein, zwei, drei Bier und dann noch richtige Drinks. Das ist das, was eigentlich von Anfang an klar war. Oder man geht lieber wieder schnell. Oder eben: Wieder ein schöner Anlass, um sich abzuschießen. Aber nicht nur einmal im Monat oder so etwas in der Richtung, sondern richtig regelmäßig. Bei mir hat es sich geändert: Meine Frau ist schwanger und wir leben zum Glück den Family-Lifestyle. Das tut sehr gut.“

Was bleibt dann eigentlich noch Tolles von Berlin über?

Philip: „Nicht falsch verstehen! Ich liebe Berlin und kann mir nicht vorstellen woanders zu leben. Mit allen Facetten ist es hier eine herrliche Stadt zum Leben, auch wenn es negative Seiten gibt. Und nur weil ein großer Teil der Gründungen in eine Shareholder-Value Ecke drängt, heißt das nicht, dass es hier keine Innovation gibt. 
Ganz im Gegenteil, die ist massig vorhanden, aber wird von nervigen generischen „Onlineshop copycats“ und „delivery services“ zurückgedrückt. Research Gate ist zum Beispiel unfassbar gut…“

Part 2

Kommt nächste Woche! Stay tuned!

Ihr wollt mehr von Philip und habt keine Lust zu warten? Hier seine tolle Story zum CEO-Tausch