Bist du ein Mensch? 7   +   10   =  

Verena Pausder ist erfolgreiche Gründerin mit Wurzeln in Bielefeld. Mit Fox & Sheep entwickelt sie seit Jahren Apps für Kinder und vermarktet sie auf der ganzen Welt. Der Spielzeug-Konzern Haba übernahm 2015 das Unternehmen für einen zweistelligen Millionenbetrag. Mit uns sprach Verena Pausder über Startups, die Stärken der Region OWL (Ostwestfalen-Lippe) und ihr neues Projekt Digitalwerkstatt“, ein Bildungs- und Erfahrungsraum für Kinder.

Wie können wir junge Menschen in OWL halten ohne Berlin imitieren zu müssen?
So schlecht steht es um OWL eigentlich nicht. Vielmehr hat diese Region einen super Ruf, was die Dynamik und Innovationskraft für die mittelständische- und Hidden-Champion-Welt anbelangt. Hier ist bereits viel Substanz vorhanden und genau das überträgt sich auf die sich hier ansiedelnden Startups. Wir müssen demnach deutlicher nach außen tragen, dass Gründungsinteressierte nicht unbedingt in die Hauptstadt fahren müssen. Hier in OWL wurden in den letzten Jahrhunderten einige Hidden-Champions hochgezogen und nun gilt es die nächste Generation an Hidden-Champions auszubilden und erfolgreich aufzubauen.

Du bist damals selbst aus Bielefeld nach Berlin gezogen. Wie hast du OWL als junger Mensch erlebt? Und was könnte die Region besser machen?
Ich war immer extrem beeindruckt von den privaten Initiativen, die den Standort bzw. die Region prägen. In OWL leben so viele Menschen, die aufgrund ihrer beruflichen oder familiären Situation mit der Region eng verwurzelt sind. Aus diesem Grund haben sie sich auf die Fahne geschrieben, das bestmögliche aus der Region rauszuholen und diese voranzutreiben.  Ich glaube, genau diese Verbundenheit, dieses rege Engagement und dieses vorwärts gerichtete Denken bilden zusammen eine große Stärke der Region. Hier kann ich immer nur wieder dazu auffordern, diese Stärken nach außen zu kommunizieren. Also mein Aufruf an dieser Stelle:

Liebes OWL! Lass das „Understatement“ und sprich darüber, was du besonders gut kannst – auch wenn Zurückhaltung in OWL eine Tugend ist. Diese ist schön, aber wenig hilfreich, wenn man die eigene Existenz untermauern möchte.

Neben Unternehmen mit Substanz, was sollte deiner Meinung nach ein Startup Ecosystem zusätzlich bieten?
Ich habe noch nie über Bielefeld gelesen, dass das hier eine fantastische Stadt zum Gründen ist. Zentrumsnahe Büroflächen, niedrige Mietpreise, gute Infrastruktur, naturnah, familienfreundlich, tolle Hochschule und eine super Café-Landschaft. All das wird ebenfalls nicht kommuniziert. Ich denke, wir nehmen diese Vorteile als selbstverständlich hin, da wir aus Bielefeld kommen. OWL und auch Bielefeld sollten dahingehend ihr Städtemarketing überdenken.

Berlin, Tel-Aviv und zum Teil auch New York nutzen eine solche Kommunikation und genau deshalb ziehen die Startup Hotspots ans uns vorbei. Alle drei Städte bezeichnen sich, als günstiger, internationaler und schneller. Und genau hier muss sich OWL einfach überlegen, was die Stärken der Region sind und diese hervorheben und immer wieder predigen.

Welche drei Stärken würdest du aus deiner eigenen Erfahrung als Unternehmerin besonders hervorheben?
Günstige Büroflächen, hoher Austausch zwischen erfahrenen Unternehmern und Startups sowie ein hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement.

Apropos Eigeninitiative und Engagement. Du hast in Berlin eine Digitalwerkstatt für Kinder gegründet. Kommen Kinder Zuhause nicht ausreichend in den Kontakt mit digitalen Medien?
Zuhause werden diese Geräte nur als Gameboy benutzt. Wenn man sich die private Nutzung von Tablets und Smartphones anschaut, dann endet diese meist auf der Konsumebene und wird ausschließlich zum Spielen benutzt.  Die unterschiedlichen Devices werden aber nie als Kreativhandwerkszeug verwendet, sondern immer nur als Spielekonsole. Die Hauptausrichtung der Digitalwerkstatt ist jedoch, Kinder zu befähigen, mit den digitalen Geräten ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und mit eigenen Ideen zu punkten und nicht die Ideen anderer zu konsumieren.

Der Leistungsdruck unserer Gesellschaft steigt zunehmend. Können Kinder unter der hinzukommenden „Digitalwelle“ eigentlich noch Kinder sein?
Es geht gar nicht darum, dass ihr ganzes Leben digitalisiert werden soll. Kinder sollten genauso wie früher auch heute Sport treiben, im Wald spielen, Bücher lesen, sich mit Freunden treffen. Aber die digitale Welt ist eine weitere Komponente ihres Lebens und die nimmt zum Teil immer mehr Raum ein.

Wir sollten uns deshalb vielmehr die Frage stellen, wie die digitale Welt sozialer werden kann und wie man in den Austausch kommt. Wie man kreiert statt zu konsumieren. Ziel ist es, die Kinder zu eigenen Ideen und eigenen Geschichten anzuregen. So wie sie damals ein „Daumenkino“ gemacht haben, machen sie heute einen Animationsfilm auf dem iPad. Die Kreativität dahinter ist die gleiche.

Planst du weitere Standorte für deine Digitalwerkstatt neben Berlin? Vielleicht in OWL?
Ja, es sind weitere Digitalwerkstätten in München und Saarbrücken geplant. Und zu OWL: Die Region hat einen deutlichen Heimvorteil, aufgrund meines familiären Bezugs zu Bielefeld. Hier bin ich tatsächlich bereits mit Sebastian Borek, CEO der Founders Foundation, im Gespräch.

…OWL gehört also zur möglichen Riege neben München und Saarbrücken?
Auf jeden Fall!