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Ein Gastbeitrag vom Mentor Martin Lawrence (Product & Delivery Lead Zalando SE) zum Founders Hack 2018

Anfang Juli war ich eingeladen am Bielefelder Founders Hack als Mentor zu unterstützen. Ich bin Bielefelder, arbeite aber bei Zalando in Berlin und Dortmund. Hackathons sind für einen Berliner weiss Gott keine Seltenheit.

Dieser hier schon.

60 Gründungswillige bildeten zwölf Teams à 5 Leute. Definiert waren 6 Challenges. Je 2 Teams packten sich einen Challenge und bauten in 48h einen Businessplan.

So weit, so gut.

Die Challenges hatten ihre Reize: Wertschöpfungsketten neu denken, Produktion und Logistik digital optimieren. Interessant, da der Einsatz von IoT und Machine Learning in der Produktion eine ganze Menge Potential hat.

Aber reizvoll sind viele Themen.

Bemerkenswert war, dass sechs stolze und erfolgreiche Produktionsunternehmen die Challenges stellten. Keine First-World-Challenges wie „Bau das Spotify des Elektro-Rollers“. Reale Probleme, bei denen digitale Technik noch was bewegen kann. Produktionsausfälle kosten deutsche Unternehmen jedes Jahr Milliarden. Wie bringen wir die auf Null?

Harte Probleme sind erfrischend.

Was am Hackathon auffiel war der Spirit der Teams. Generell trifft man auf Hackathons Menschen die ihre Visionen mit Leidenschaft diskutieren. Beim Bielefelder Founders Hack war die Leidenschaft untermauert von ostwestfälischer Ernsthaftigkeit und Bodenhaftung.

Bodenhaftung. Mag für Metropoliten dröge klingen. Isses aber nicht.

Im Gegenteil. Im E-Commerce z.B. Conversion zu optimieren ist algorithmisch nicht trivial. Die ungleich härteren Probleme aber findet man heute an der Schnittstelle zwischen dem Digitalen und der realen Welt der Produktion. Hier ist auch das Potential einer Innovation größer.

Reale Probleme riechen nach Schmieröl und Schweissnähten. Und sind sexy.

Am Samstag schicken Miele, Claas und Co. dann Teams erfahrener Praktiker, welche aktiv in den Teams mitarbeiten. Problemfälle im Detail durchgehen. Eigene Ansätze darstellen und offenlegen wo diese gescheitert sind. Einblicke in Kennzahlen aus der Produktion geben.

Ostwestfälische Traditionsunternehmen. Offener Dialog. Am Wochenende. Bitte was?

Das Ergebnis des Founders Hack sind 12 erfrischende Ansätze, Probleme zu lösen. Innovation über Appliance-as-a-Service in die Haushalte bringen. Produktionsausfälle eliminieren mit SaaS Lösungen, die über IoT und Machine Learning skalieren. 6 Unternehmen haben Teams gefunden welche ihre Herausforderungen verstehen und zielgenaue Lösungen entwickeln.

Schöne Matches. So ein bisschen wie Tinder, nur mit Gründern und KMUs.

In einer Großstadt wie Berlin verfällt man schnell der Illusion, alles gesehen zu haben. Der Vorstellung dass technische und methodische Innovation in Silicon Valley, Tel Aviv oder Berlin passiert und von da aus die Welt beglückt.

Manchmal ist es schön zu merken dass man falsch liegt.

Der Founders Hack ist ein Format von dem man insbesondere eine Sache lernen kann: den offenen Dialog zwischen traditionellen Produktionsunternehmen und Digitalen Gründern. Kudos an die Kollegen bei Miele, Claas, Dr Wolff, Boge, Hymmen und Carolinen. Das ist mutig und hat Vorbildcharakter. So ein Wochenende macht zuversichtlich, dass aus der deutschen Digitalisierungs-Offensive doch noch was werden könnte. Mit Ideen aus OWL.

Hier geht’s nochmal zum Recap Artikel des Founders Hack.