Bist du ein Mensch? 1   +   10   =  

Vidar Andersen ist einer dieser Persönlichkeiten, die man abends in der Kneipe trifft und die ab dem zweiten Bier bereits drei Tische unterhalten. Vidar hat viel zu erzählen. Er war in Europa, Asien und den Staaten, er wurde nach Stanford, Cambridge und Austin geladen und füllt dort als Speaker Hörsäle und Inkubatoren.

Was Vidar auszeichnet: er ist von Anfang an dabei gewesen. Der Dozent, Award-Winner und Berater ist auch Mitbegründer: der Gründerszene. Als Hacker der damals noch unberührten norwegischen Internet-Community schlug er sich 15 Jahre lang im Angestelltenverhältnis rum, bis er sich mit theblacktar.com verselbstständigte und zu einer der Pioniere des frühen World-Wide-Web aufstieg.

Vidar Andersen bei der Founders Academy.

Vidar Andersen bei der Founders Academy im Gespräch mit Louis Noah Heinrich, Redakteur Founders OWL.

Vidar Andersen war vergangenes Wochenende in Bielefeld in der Founders Foundation und hat den Founders Academy-Teilnehmern Hacks & Tipps für grandioses Pitching gegeben. Im Anschluss konnten wir Vidar für einige Minuten abfangen und ihm, den Pitch-Master himself, unsere Fragen zum Thema How To Pitch Perfect stellen.

Warum man immer JA zu einem Pitch sagen sollte:

Pitchen kann man alles, ob Gefühle, Meinungen, Ideen oder Visionen. Man sollte keinen Pitch dankend ablehnen, nur weil man noch nicht vollkommen im Reinen mit seinem Konzept oder dem eigenen Standing ist. Kritisches Feedback und Attackierungen des eigenen Konzeptes verhelfen dem Gründer zu neuen Einsichten, spornen ihn zu Optimierung an und treiben Innovationen an. Das Feedback ist unbezahlbar, denn im Super-GAU stellt man Lösungen für Probleme, die gar keine sind.

Wie ich in jedem Fall in Erinnerung bleibe:

  1. Bemerkenswert. Liefere etwas in deinem Auftreten, deinem Pitchdeck oder deinem Konzept, das denkwürdig ist und hängen bleibt.
  2. Menschlich.  Ein Pitch funktioniert durch menschliches Miteinander. Mach dich nicht größer als du bist, aber zeig das du von deiner Idee überzeugt bist. Bleib auf dem Boden und bewahre sympatische und angeneheme Züge. Durch ein gesundes Selbstbewusstsein schaffst du ein Gefühl des beiderseitigen Wohlbefindens.
  3. Story. Hinter deinem Konzept muss eine Geschichte stecken, die unmissverständlich die User-Experience und den praktischen Nutzen aufzeigt.
  4. Bezahlende Kunden. Solltest du schon auf Menschen zurückgreifen könnnen, die von deinem Produkt profitieren und bereits dafür zahlen, tu dir einen Gefallen und räume ihnen in deiner Präsentation eine eigene Slide ein.
  5. Skalierung. Praktisch alle Prozesse sollten in deinem Konzept skalierbar sein. Stelle die Metriken vor und zeige, wie du einen Erfolg/Misserfolg eindeutig indizieren kannst.

Ein absolutes No Go:

Löse unter keinen Umständen einen Streit mit den Investoren aus. Damit sicherst du dir nicht nur eine Blamage bis auf die Knochen sondern kriegst garantiert keine zweite Einladung.

Ein absolutes Must Go:

Halte unbedingt den Zeitrahmen ein. Respektiere die Zeit, die dir gegeben wird, allerdings ohne sie bis ans Limit auszuschöpfen. Es gehört zum guten Ton, ein bisschen eher aufzuhören und nicht durch einen Alarmton zum abrupten Ende zu gelangen.

Vidar Andersen bei der Founders Academy.

Bislang gut 400 Teams gecoacht: Vidar Andersen bei der Founders Academy.

Wie ich immer den richtigen Ton treffe:

Unabhängig wer vor dir sitzt, er oder sie ist aus einem einzigen Grund da: Profit zu schlagen. Investoren wollen Kapital investieren um mehr Kapital zu generieren. Ob Amis oder Europäer, Frauen oder Männer; zeige ihnen, dass dein Konzept ihnen ein hohes Einkommen bescheeren wird. Ein Punkt der zudem immer unterschätzt wird: Stelle dein Team vor. Das sind die Leute die eure Investitionen um ein Vielfaches zurückzahlen werden!

Wie sich Pitches vor Privatpersonen und Corporates unterscheiden:

Grundsätzlich musst du immer darauf achten, vor wem und aus welchen Gründen du pitcht. Wenn man von Crowdfunding absieht, sind Privatpersonen oftmals speziell in ihrer Rolle als Konsumenten an deinem Produkt interessiert. Hierbei gilt es vor allen Dingen zwei Regeln der Kunst anzuwenden. Begeistere dein Publikum mit Gefühlen, zeige ihnen die ultimative Customer Journey auf, und beweise ihnen, warum ausgerechnet du derjenige bist, der die Lösung gefunden hat. Ein Konzernbesuch empfiehlt vor allen Dingen eins: Informiere dich über das Investment-Portfolio. In welchem Punkt kann dir exakt dieses Unternehmen mit exakt dieser Dienstleistung weiterhelfen? Vergiss dabei nicht auf den hohen Nutzen für den Konzern hinzuweisen, wenn sie in dein Produkt investieren.

Fotos: alle Founders Foundation 2016