Es ist kein Zufall, dass der etwas mehr als vier Meter große Method-2 aussieht, als sei er die wahr gewordene Fantasie aus Hollywood. Die südkoreanische Firma Hankook Mirae Technology entwarf ihn mit einem Industriedesigner, der bei „Robocop“ und „Transformers“ die Hände im Spiel hatte. Für WIRED ließ sich Method-2 exklusiv fotografieren.

Dieser Artikel mit Exklusiv-Fotos erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe des WIRED Magazins im Juni 2017. Wenn ihr die Ersten sein wollt, die einen WIRED-Artikel lesen, bevor er online geht: Hier könnt ihr das WIRED Magazin testen.

Als Jeff Bezos in der Kapsel von Method-2 saß, hatte er plötzlich das Gefühl, er sei eine Hollywood-Schauspielerin. Der Amazon-Gründer hatte sich den Prototypen des Roboters nach Kalifornien kommen lassen. Anlass war eine Zukunftskonferenz, zu der er im März eingeladen hatte. Methos-2 war dafür ein passendes Symbol. Mehr als vier Meter hoch, mit einem Cockpit an Stelle des Kopfes, das gerade genug Platz für eine Person hat. Deren Hände sind mit zwei mechanischen Armen verbunden, die die Bewegungen weitergeben an die Aluminium-Pranken. „Warum komme ich mir gerade vor, als sei ich Sigourney Weaver?“, rief Bezos per Mikrofon aus dem Inneren.

Ganz einfach: Im zweiten Teil der Science-Fiction-Horrorfilmreihe Alienhatte sie mit einem Gerät namens Power Loader ein Monster zerquetscht. Ihr Körper steckte direkt in der Maschine, mit ihren Armen steuerte sie die mächtigen Metallgreifer.

Bezos machte nicht den Eindruck, als sei er auf Vernichtungstour. Er gluckste, wedelte wild mit den Armen und ließ den Roboter aussehen wie einen etwas unbeholfenen Besucher eines Rockkonzerts. Doch was wirkte wie der Partygag eines Milliardärs, war tatsächlich der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die vor Jahren ihren Anfang genommen hatte.

Sie begann 2014, als Vitaly Bulgarov eine mysteriöse Anfrage erhielt. Seit zwölf Jahren arbeitet der Industriedesigner für die Film- und Spieleindustrie. Er hat Figuren für Robocop und Transformers geschaffen und Charaktere für World of Warcraft erfunden. Er entwirft aber auch Roboter auf zwei Beinen für Firmen wie Boston Dynamics.

Dieser Auftrag jedoch war anders: Jin-Ho Yang, CEO der südkoreanischen Firma Hankook Mirae Technology (Hankook ist der koreanische Name für Südkorea und Mirae heißt Zukunft), hatte sich die Arbeiten mehrerer Designer angesehen und sich für Bulgarov entschieden. Denn Yang hatte eine Idee: „etwas zu schaffen, was bislang nur in Comics und Filmen möglich zu sein schien“, wie Yang sagt.

Drei Jahre später steht das Ergebnis der Zusammenarbeit von Bulgarov und Yangs 45 Ingenieuren fest auf zwei Beinen: Method-2, mit dem Bezos wild durch die Luft ruderte, ist nicht einfach nur ein Roboter.

Es ist kein Zufall, dass der etwas mehr als vier Meter große Method-2 aussieht, als sei er die wahr gewordene Fantasie aus Hollywood. Die südkoreanische Firma Hankook Mirae Technology entwarf ihn gemeinsam mit einem Industriedesigner, der bei Filmen wie Robocop und Transformers und dem Spiel World of Warcraft seine Hände im Spiel hatte

Seit drei Jahren arbeiten 45 Ingenieure daran, Method-2 zum Leben zu erwecken. Sie entwickelten alle Komponenten selbst. Die Hände etwa bestehen aus Teilen und Gelenken aus Aluminium mit einer speziellen Legierung. Sie wiegen jeweils 17 Kilogramm und sind 64 Zentimeter lang. Die Bedienung sei aber so leicht wie Segway-Fahren, sagt der Hersteller

Es ist eine vollkommen neue Interpretation des Begriffs Mensch-Maschine. Denn diese Maschine bedient der Mensch nicht nur, er sitzt in ihrem Kopf. Es ist der erste bemannte Roboter, der 1,5 Tonnen aufrecht fortbewegen und die Bewegungen des Piloten synchron übersetzen kann. Hebt der Insasse im Inneren einen Arm, hebt ihn auch Method-2, mit dem kleinen Unterschied, dass dessen Gliedmaßen jeweils 148 Kilogramm wiegen und die Finger etwa 30 Zentimeter lang sind.

Und er ist eine Maschine, die am eigenen, aus Aluminium bestehenden Leib zeigt, wie viel Spaß Technologie machen kann. Wo Method-2 in die Öffentlichkeit tritt, sorgt er für eine Mischung aus Begeisterung und Belustigung. Man versteht plötzlich, warum sich selbst Bulgarov lange Zeit nicht sicher war, ob das wirklich alles ernst gemeint ist.

Eine der Hürden bei der Entwicklung war die Energieversorgung. Während des Betriebs in der eigenen Werkshalle kam der Strom über Kabel in die Maschine. Inzwischen ist es den Ingenieuren gelungen, eine Batterie zu installieren, mit der sich der Roboter drei Stunden lang ohne externe Energiequelle bewegen kann

Insgesamt 46 Motoren stecken in dem Roboter. Gesteuert werden sie über ein Linux-Betriebssystem, das die Firma selbst entwickelt hat. Es sorgt dafür, dass der Roboter durch Gewichtsverlagerung beim Gehen das Gleichgewicht hält, und gibt die Bewegungen des Piloten im Cockpit synchron an die Gliedmaßen weiter.

Denn so ausgefeilt die technischen Komponenten des Roboters sind, die die Ingenieure von Hankook Mirae Technology allesamt selbst entwickelt haben: Wenn Method-2 läuft, sieht es aus, als habe sich Goliath erst betrunken und sei dann in einen Sturm geraten. Noch ist das Riesenbaby deshalb an zwei Stahlseilen aufgehängt, wie ein Kind, dessen Eltern es bei den ersten Schritten zur Sicherheit an seiner Latzhose festhalten. Das soll sich aber bald ändern.

Demnächst soll Method-2 dank einer leistungsfähigen Batterie drei Stunden lang durch die Gegend laufen können. Doch an seinem Gang wird das nichts ändern. Und auch nicht daran, dass die auf dem Boden aufsetzenden Aluminium-Füße klingen wie die Stampfer einer Schrottpresse.

Für Jin-Ho Yang könnte es wahrscheinlich keinen schöneren Klang geben. Schon als Junge träumte der Unternehmer davon, Roboter zu bauen. In sein eigens für die Method-Entwicklung gegründetes Unternehmen hat er rund 242 Milliarden Won gesteckt (200 Millionen Dollar). Das ist zu viel Geld für eine bloße Spielerei.

Noch in diesem Jahr soll der erste Roboter ausgeliefert werden. Bislang haben Roboter-Museen, Filmparks und KI-Labs Interesse signalisiert. Die Firma ist zuversichtlich, dass ihr Roboter auch dort zum Einsatz kommt, wo er die Arbeit von Menschen unterstützt, etwa in der Atomruine von Fukushima. Am Strahlenschutz wird bereits gearbeitet.

Den Roboter möchte er ab Ende dieses Jahres an Kunden verkaufen, die sich an Orte vorwagen müssen, die der Mensch nicht betreten kann. Zudem hat sein Team bei der Entwicklung des Roboters so viele Erfahrungen gesammelt, dass auch einzelne Komponenten zum Einsatz kommen könnten. All das steht aber noch in den Sternen.

Kurz bevor Sigourney Weaver es in Alien mit dem Monster aufnimmt (und damit ein Mädchen rettet), schleudert sie ihm entgegen: „Get away from here, bitch!“ Es ist nicht anzunehmen, dass etwas Ähnliches ruft, wer sich in Method-2 setzt. Wahrscheinlicher ist, dass es ihm wie Bezos geht. Man will erst mal spielen, wenn man sich die Metallarme angeschnallt hat. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, sich im echten Leben zu fühlen, als sei man Teil eines Science-Fiction-Films?

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