Bist du ein Mensch? 1   +   9   =  

Wir haben Hanna in unserer Köpfe-Serie bereits einmal vorgestellt. Hier möchten wir etwas mehr zu den Themen Intrapreneurship und Fempreneurship von Ihr erfahren. Hanna hat in ihrem aktuellen Startup bereits mit beiden Begriffen Erfahrungen gesammelt, die sehr wertvoll für euch und eure Gründung sein können.

Auf geht’s:

1.Beschreib uns doch mal als Elevator-Pitch, was das Intrapreneurship Startups macht, für das Du arbeitest.

Spende dein Talent ist eine einfache Methode, mit der sich Mitarbeiter vernetzen können. Vernetzung ist die Basis für eine Unternehmenskultur 4.0, die eine erfolgreiche Digitalisierung braucht. Die Methode funktioniert so: Mitarbeiter veranstalten Events jeder Art – hier bringen sie ihre Talente ein, also alles was Spaß macht, begeistert und motiviert – und Kollegen nehmen am Event teil. Potentiale werden sichtbar und sind im Unternehmen verfügbar. Unsere Plattform www.spende-dein-talent.de bildet die Methode digital ab und optimiert die Organisation der Methode und die Kommunikation im Unternehmen und nach außen. So kann jedes Unternehmen die eigene Kultur positiv und authentisch präsentieren.

2.Die Entstehungs-Geschichte gibt uns dann schon eine erste Idee, warum es sich um Intrapreneurship handelt: Wie kamst Du auf die Idee zu Spende dein Talent?

Manchmal kommt alles zusammen. In diesem Fall habe ich Management & Entrepreneurship studiert und war zeitgleich Projektleiterin in einer sehr auf die Unternehmenskultur bedachten Digitalagentur. Dass daraus eine Managementmethode zur Verbesserung der Unternehmenskultur in Form eines digitalen Produktes wird, ist also nicht ganz weit her geholt. Das wirklich Außergewöhnliche ist, dass ich und die vielen anderen, die Teil dieser Idee sind, auch die Möglichkeit bekommen innerhalb eines Unternehmens diese Idee weiter zu treiben.

Comspace, besonders in Person unseres Inhabers und Geschäftsführers Andreas Kämmer, schafft ein Umfeld, in dem solche Ideen entstehen können und ermöglicht, dass diese bei uns auf fruchtbaren Boden fallen können. Ich kann mich jetzt festangestellt um meine eigene Idee kümmern in einem Umfeld voller Kompetenzen. Ich denke das ist das Prinzip der Founders, nur innerhalb eines Unternehmens.

 

3.Wie bist Du dann vorgegangen, um aus dieser funktionierenden Idee ein Business zu machen?

Eigentlich recht “klassisch”. Das ist ja nicht nur Motivation und Hokus Pokus, sondern da gibt es ja Modelle und Methoden das auch strukturiert anzugehen. Idee, Businessplan, Team zusammenstellen, Personas, Mock-ups, Use Cases, Requirement Engineering, Technische Konzeption, Testfälle, Vertriebskonzeption, Partner suchen, Marketingkonzeption, Testkunden, Feedbackgespräch, wieder Testkunden, erneut Business Model Canvas,… Und ständiges verbessern, Lernerlebnisse einfließen lassen – sprich Methode und Produkt agil weiterentwickeln.

4.Was sind die Vorteile und Hürden, wenn man innerhalb eines Unternehmens und seiner existierenden Strukturen gründet?

Von Gründern braucht es ein sehr weit gefächertes Skillset. Das kann man innerhalb eines Unternehmens natürlich besser abbilden.

Vor dem MBA habe ich Design studiert, das hat mir jetzt bei vielen Aufgaben geholfen. Neben meinem eigenen Fähigkeiten, kann ich als Intrapreneurin bei der Produktentwicklung noch auf 70 weitere Gehirne im Unternehmen zurückgreifen, die allesamt bereits Erfahrungen in der Digitalbranche haben.

Als Startup braucht es aber auch eine gewisse Konzentration und Denkweise für eine schnelle Handlungsfähigkeit. Darauf ist ein etabliertes Unternehmen selten eingestellt. Auch ich habe oft gehört: “Halte dich an den Prozess!”- “Wie ist der?” – “Den gibt es nicht.”

Es ist für die Teammitglieder aus der Entwicklung schwierig, von einem Kundenprojekt auf einfaches Prototyping umzustellen. Daher ist ein gewisser Schutzraum sehr wichtig, um nicht einfach alle Prozesse und Strukturen aus dem etablierten Unternehmen zu übernehmen. Wir haben dazu ein eigenes Büro bekommen und ein Team, das emotional sehr mit dem Projekt verbunden ist. Ganz unabhängig von der Grundstruktur kann man aber auch nicht agieren. Wenn du willst, dass die Kollegen neben dem laufenden Betrieb auch nachvollziehen können, warum bei deinem Projekt manche Dinge anders laufen, musst du viel kommunizieren, gut argumentieren und begeistern. Das führt zu einem erhöhten Kommunikationsaufwand, den klassische Startups nicht haben.

5.Wirst Du als Gründerin anders behandelt, als männliche Gründer?

Ich habe größtenteils ein Umfeld, in dem ich nicht anders behandelt werde. Aber ehrlich gesagt kann ich dennoch gut nachvollziehen, warum nur 14% aller Gründungen durch Frauen entstehen. Man kämpft halt doch noch immer mit Klischees. Bspw. wurde auch mir schon gesagt, dass „sich mein Studium nicht lohnen würde, da ich danach eh Kinder bekommen würde und dann zu Hause bleiben will- das wäre nun mal in meiner DNA.“ Solche (und schlimmere) Beispiele kann ich leider zu genüge nennen. Diese Vorurteile gibt es aber natürlich nicht nur bei Männern, sondern bei Menschen im Allgemeinen.

Was ich immer wieder merke ist, wie wichtig Netzwerke sind und dass sich diese natürlich in einer homogenen Gruppe leichter knüpfen lassen. Natürlich hat man nicht ewig Lust irgendwo die einzige Frau zu sein und sich somit in einer ständigen Sonderrolle zu befinden.

Letztes Jahr hatte ich das Glück nach München zur Konferenz 48frwd eingeladen zu sein. Dort gab es ein Gründerpanel. Auf der Bühne 5 phantastische Frauen. Auch durfte ich selbst auf der Social Media Week in Hamburg einmal Teil eines rein weiblichen Panels sein. Ich habe dort erst gemerkt wie ungewohnt diese Bild eigentlich ist und wie erleichtert ich war, dass das nun möglich ist.

In meinem jetzigen Job und bei meinen Kunden, habe ich das Glück mit unfassbar kompetenten Frauen zusammenzuarbeiten. Sie sind Teamleiterinnen in der Entwicklung, ausgezeichnete Expertinnen in ihrer Software oder einfach nur unfassbar professionell, strukturiert und inspirierend. Diese Frauen haben schon viel klarstellen können. Das spart mir einige Diskussionen und dient mir als Vorbild.

Daher ein großes Dankeschön, an die Menschen, die die ersten Schritte erleichtern und Möglichkeiten bieten diese Perspektive zu entwickeln:

6.Kannst Du als Fempreneurin anderen Gründerinnen Tipps oder Ratschläge geben, die Dir geholfen hätten?

Warum es keine gute Idee ist 50% der Gehirne auszuschließen, erklärt sich eigentlich von selbst. Es ist einfach totaler Quatsch in nur 2 Geschlechter-Kategorien zu denken. Unternehmen und Menschen, die es jetzt nicht verstanden haben, kann man auch nicht mehr mit Argumenten überzeugen. Teilweise ist es schlicht Diskriminierung, die bekommt man auch mit Fachkompetenz nicht weg. Wird also Zeit, dass die Prinzessin jetzt selbst den Drachen erlegt.

Wenn jemand sagt, dass sich deine Ausbildung nicht mehr lohnt, dann sollte man das auch nicht mehr diskutieren, sondern kündigen. Wenn jemand ständig anzweifelt, ob eure Aussage auch wirklich stimmt, beharrt darauf oder sucht euch nen anderen Partner. Macht das Studium/Ausbildung/Weiterbildung/… Nehmt eure toll ausgebildeten Gehirne, eure Idee und Motivation und bringt sie zu Unternehmen und Organisationen, die mit euch wachsen wollen oder macht selbst was draus!

7.Noch einmal zurück zum eigentlichen Startup: Wie sieht das Geschäftspotenzial hinter Spende dein Talent aus und wie habt ihr es evaluiert?

Die Methode kommt ja aus der Praxis für die Praxis. comspace selbst ist unser erster Kunde gewesen. Daher konnten wir direkt fühlen, was der Kunde braucht und was es uns wert ist. Ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und als Unternehmen gemeinsam mit dem Mitarbeitern auf die gesellschaftliche Entwicklung in der Digitalisierung vorzubereiten, kann bald kein Unternehmen mehr ignorieren. Wir sind seit Jahren mit vielen Vordenkern der New-Work-Szene im Kontakt und konnten unser Produkt mit viel Erfahrung und Marktkenntnis entwickeln und darüber mit vielen Unternehmen in den Austausch kommen.

2016 wurden die Methode von Spende dein Talent mit dem Award des Bundesverbands der Personalmanager ausgezeichnet. Der Award wird für außergewöhnliche Leistungen im HR-Management vergeben mit dem Ziel, innovative Personalarbeit und Best Practice-Beispiele sichtbar zu machen. Dass wir den Preis für Spende dein Talent mit nach Hause nehmen durften hat uns gezeigt, dass auch andere den Mehrwert sehen und davon profitieren können.

8.Was sind die Mehrwert-Funktionen und Alleinstellungsmerkmale und wie werden sie heraus gearbeitet?

Wir haben zuerst unseren eigenen Bedarf festgestellt –  was braucht ein Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung und des Fachkräftemangels? Die Antwort war vernetzer und transparenter Wissensaustausch und eine authentische Arbeitgebermarke. Der Schlüssel zu alledem sind die Mitarbeiter und die Unternehmenskultur. Um diese gemeinsam zu gestalten, wollten wir einen praxisnahen Ansatz entwickeln, der auf viele Unternehmen übertragbar ist.

Die Plattform wurde dann um die Methode drumherum konzipiert um den Anforderungen B2B am besten gerecht zu werden – sprich um den Aufwand bei der Organisation für die Kunden so gering wie möglich zu halten und den Mehrwert über den für SEO und Social Media aufbereiteten Content größtmöglich zu erhöhen.

9. Welche Entwicklungs-Schritte folgen für Spende dein Talent als nächstes?

Die ersten großen Kunden haben zugesagt und werden in den nächsten Wochen auf die Plattform kommen. Wir pflegen einen sehr engen Austausch, sodass wir anhand der Kundenanforderungen das Produkt immer weiter verbessern können. Diese verstehen sich als Partner, denken sich tief ein und haben konstruktive Vorschläge wie wir das Produkt im Sinne unser Kunden verbessern können. Ein Wunsch war, den Vernetzungscharakter noch weiter auszubauen und den Potenzialen der Kollegen mehr Sichtbarkeit zu geben. Daran werden wir uns natürlich orientieren.

Außerdem merken wir, dass wir noch unabhängiger in den Strukturen werden wollen, um uns weiter auf das Produkt und die Kunden zu konzentrieren. Dafür prüfen wir gerade unterschiedliche Wege.

10.Welche Ratschläge oder Erfahrungen hättest Du gerne im vorhinein bekommen, die Dir geholfen hätten?

Das klingt jetzt negativer als es ist, aber “hänge dich an nichts”. Spende dein Talent hat als Spendenaktion begonnen. Mittlerweile merken wir, dass einige Unternehmen den karitativen Charakter der Methode nicht in den Vordergrund stellen wollen. Daher muss dieser Aspekt reduziert werden in der Kommunikation. Das war mir persönlich immer sehr wichtig und war meine initiale Motivation die Methode ins Leben zu rufen. Das ist aber nicht relevant. Wichtig ist, dass die Kundenunternehmen die Methode so einfach wie möglich durchführen können. Dafür muss das Konzept agil bleiben. Niemand sollte sich wichtiger nehmen als die Idee. Das Team kann dem Kunden immer gute Vorschläge und Angebote machen, was aber tatsächlich passiert, entscheidet alleine der Markt.

Hier erlebt ihr Hanna noch mal live und in Farbe, wie sie das Startup vorstellt: