Chatbots sind Programme, die eine Mensch-Maschine-Kommunikation ermöglichen sollen, die wie ein Dialog zwischen zwei Menschen funktioniert. Der Begriff ist aus dem englischen Wörtern „to chat“ (plaudern) und „bot“ (Kurzform für „Roboter“) zusammengesetzt. In der Variante „ChatterBot“ tauchte er erstmal 1994 in Zusammenhang mit einem von dem Lycos-Entwickler Michael Maudlin entwickelten Programm auf.

Das Prinzip selbst ist sogar noch einige Jahrzehnte älter. Bereits 1966 stellte der Informatiker Joseph Weizenbaum ELIZA vor, ein Programm, das bereits die wesentlichen Eigenschaften moderner Chatbots hatte. Die Nutzer fütterten ELIZA, das als Psychotherapeut fungierte, Fragen  und Sätzen und erhielten darauf möglichst sinnvolle Antworten. Dabei reagierte das Programm auf bestimmte Schlüsselwörter. So kam beispielsweise auf den Satz „Ich habe Probleme mit meinem Vater.“ die Erwiderung „Erzählen Sie mir mehr von Ihrer Familie.“ „Vater“ und „Familie“ waren also bei ELIZA miteinander verknüpft.

Weizenbaum wollte damit eigentlich die Oberflächlichkeit solch einer Konversation verdeutlichen und war überrascht, wie ernst die Testpersonen das Programm und seine Antworten nahmen. Dabei war das Textverständnis sehr begrenzt, und mit Vorgaben, die von einer einfachen Sprachnorm abwichen, konnte ELIZA nichts anfangen.

Heutige Chatbots arbeiten mit wesentlich komplexeren Algorithmen und größeren Datenbanken und können daher auch auf ungewöhnlichere Formulierungen oder Schreibfehler richtig, also wie ein echter Gesprächspartner, reagieren. Oder sollten es zumindest können, denn wer schon einmal einen Chatbot getestet hat, wird festgestellt haben, wie leicht sich viele von ihnen immer noch austricksen können. Allerdings sind sie inzwischen lernfähig und können ohne direkten Eingriff von Programmierern ihr Repertoire eigenständig erweitern. Hier befinden sich Chatbots im Grenzbereich zur künstlichen Intelligenz.

Der Chatbot, der zum Rassisten wurde

Wie heikel es in diesem Bereich zugehen kann, musste im Frühjahr 2016 Microsoft erfahren. Damals sorgte der Chatbot „Tay“ für Schlagzeilen, der eigentlich für harmlose Plaudereien auf Twitter gedacht war. Doch dann bombardierten ihn Nutzer so lange mit rassistischen und sexistischen Tweets, bis Tay selbst zur Hassmaschine wurde. Microsoft musste den Chatbot aus dem Verkehr ziehen und sich ausführlich für die Blamage entschuldigen.

Trotzdem sagen viele Chatbots eine große Zukunft voraus. So werden sie in vielen einfacheren Fällen Callcenter ersetzen können, da sie permanent und ohne Warteschleifen zur Verfügung stehen. Auch müssen sie nicht auf Ein- und Ausgabe von Text beschränkt bleiben. Bots, die mit Spracherkennung arbeiten, gibt es längst, auch lassen sich als Antworten Bilder oder Videos einspielen. Bis aber die Qualität echter menschlicher Gespräche erreicht wird, wird es sicher noch eine Weile dauern.

Bild oben: wutwhan / 123RF

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