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Um richtig voranzukommen, skalieren zu können, brauchen Startups Geld. Eine Methode zur Beschaffung, die immer beliebter wird und ein echtes Kind des Internets ist, nennt sich Crowdfunding. Wir erklären, was dahinter steckt, und erzählen die Geschichte von Protonet, echten Meistern des Crowdfundings.

Übersetzt man den englischen Begriff Crowdfunding ins Deutsche, erklärt er sich fast von selbst: „crowd“ ist die Masse, Menge, bezogen auf Menschen, „funding“ bedeutet Finanzierung. Crowdfunding ist also die Finanzierung eines Unternehmens oder Projektes durch viele Personen. Vier Varianten lassen sich unterscheiden:

  • Klassisches Crowdfunding. Die Investoren erhalten ein nichtmonetäres Dankeschön. Je nach Investitionshöhe geht das von der namentlichen Erwähnung in einer „Hall of Fame“ bis zu den ersten Exemplaren der durch das Crowdfunding ermöglichten Produkte – egal, ob CD oder E-Bike.
  • Crowdinvesting. Hier erhalten die Investoren Anteile am Unternehmen beziehungsweise an Gewinnen.
  • Crowdlending. Bei diesem Verfahrung investiert die Crowd nicht, sondern verleiht Geld und bekommt es verzinst wieder zurück.
  • Crowdfunding als Spende. Der einzige Lohn: das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.

Für das auch Schwarmfinanzierung genannte Crowdfunding gibt es eine Reihe von Onlineplattformen, auf denen Einzelpersonen oder Unternehmen sich und ihre Projekte vorstellen können. Dazu gehört jeweils eine exakt definierte Mindestsumme, die zudem innerhalb eines bestimmten Zeitraums erreicht werden muss. Gelingt das nicht, gilt das Vorhaben als gescheitert, und die Projektsteller bekommen keinen Cent. Das kommt leider ziemlich oft vor: Bei Kickstarter, einem internationalen Marktführer für Crowdfunding, liegt die Erfolgsquote bei 36 %, im Bereich „Technologie“ sogar nur bei knapp 20 %. Gut 14 % aller Projekte haben keinen einzigen Unterstützer gefunden.

Ali Jelveh und Christopher Blum, Gründer von Protonet

Ali Jelveh und Christopher Blum, Gründer von Protonet

Wer sich auf das Abenteuer Crowdfunding einlassen will, muss also mit Rückschlägen rechnen und sollte sich entsprechend gut vorbereiten. Alles richtig gemacht hat im Juni 2014 der Hamburger Serverhersteller Protonet. Innerhalb von 90 Minuten konnte das Startup auf Seedmatch 750.000 Euro einsammeln – Weltrekord! Am Ende kamen sogar drei Millionen zusammen, Protonet hatte die Zielsumme mehrfach erhöht. Wir haben bei dem Gründerduo Ali Jelveh und Christopher Blum nachgefragt, wie es zu diesem Sensationserfolg kommen konnte.

Wieso habt Ihr Euch für Crowdfunding entschieden?

Wenn man als Unternehmen die Crowd als Kapitalgeber wählt, muss man keine Anteile abgeben. Die Investoren gaben Protonet mit ihrer Spende ein fest verzinstes Darlehen. Ein Venture Capitalist – wenn man ihn denn hat – arbeitet eher auf den großen Exit hin und will sich ein großes Stück vom Unternehmen abschneiden. Sie möchten dabei meistens eher verdeckt halten, wo sie investieren. Medien aber springen viel eher auf eine öffentliche Kampagne an. Dazu ist die Kommunikation besonders für Gründer günstig: Man erreicht die Crowdfunder vorrangig über Social Media. Ein gutes Lockmittel zur Crowdfunding-Kampagne ist es, dem Investor ab einer bestimmten Summe das Produkt obendrauf zu geben. Protonet hat Kapitalgebern ab einem Investment von 2000 Euro einen Server dazugelegt. So werden die Investoren zusätzlich zu Markenbotschaftern.

Wie habt Ihr die Kampagne vorbereitet?

Wir haben sehr hart gearbeitet und uns konzeptionell darauf vorbereitet, unsere Vision gut rüberzubringen. Die wichtigste Erkenntnis war, dass ein gutes Crowdfunding nicht von allein kommt. Also haben wir alles reingesteckt und verschiedene Punkte aufbereitet, die uns wichtig waren: eine gute lange Planung, der Aufbau eines Spannungbogens, richtiges Timing und Sichtbarkeit im Sinne von Präsenz in der Öffentlichkeit. Für den letzten Punkt war natürlich unsere Geschichte entscheidend. Beim Crowdfunding geht es um Storytelling!

Darum ging es bei der Protonet-Rekordkampagne: der Server Maya

Darum ging es bei der Protonet-Rekordkampagne: der Server Maya

Wie ist die Kampagne dann verlaufen?

Ziemlich gut. Wir haben uns wahnsinnig gefreut, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat. Es war sogar überwältigend, denn wir haben Crowdfunding-Geschichte geschrieben. Wir haben als Startup überzeugt und in insgesamt 5 Tagen, 13 Stunden und 31 Minuten genau 1.826 Investoren gewinnen können, die insgesamt 3 Millionen Euro in Protonet investierten. Nie zuvor finanzierte sich ein Startup in dieser Geschwindigkeit über die Crowd; kein deutsches Startup konnte bisher eine so große Summe mit Hilfe der Crowd einsammeln – wir waren die ersten.

Welche Tipps habt für Startups, die sich ebenfalls an ein Crowdfunding heranwagen wollen?

Das Wichtigste ist, zu erkennen, welche Vision transportiert werden soll, um dann zu entscheiden, wie es am besten umzusetzen ist. Für uns war es damals und ist es heute noch sehr wichtig, unsere Vision rüberzubringen und Emotionen zu wecken. Aus diesem Grund hatten wir uns beim ersten und zweiten und auch jetzt beim dritten Crowdfunding dafür entschieden mit Videos zu arbeiten. Die Videos sind die 99%. Es muss sympathisch sein. Der Businessplan ist dann das Sahnehäubchen.

Ganz aktuell läuft bei Indiegogo übrigens die erste weltweite Kampagne von Protonet für die neue Smart Home-Lösung ZOE. Dieses Mal ohne Rekorde, aber das Funding-Ziel wurde inzwischen zu 300 % erreicht.

Fotos © Protonet, pasiphae/123RF