Freemium ist ein aus zwei Begriffen zusammengesetztes Wort: Erstens „free“, was in diesem Zusammenhang „gratis“ bedeutet, und zweitens „premium“. Das so benannte Geschäftsprinzip besteht aus einen kostenlosen Basismodell, das die Grundbedürfnisse der Kunden befriedigt, und zusätzlichen kostenpflichtigen Bausteinen, die höheren Ansprüchen genügen. Gerade bei Startups ist dieses Verfahren beliebt, da sie hoffen, mit Gratisangeboten zuerst eine hohe Zahl von Nutzern zu generieren und von sich zu überzeugen, um sie dann später zu Zahlungen bewegen zu können.

„Biete Deinen Service gratis an, möglicherweise von Werbung unterstützt oder auch nicht, gewinne viele Kunden sehr effizient durch Mundpropaganda, Empfehlungs- und Suchmaschinenmarketing und so weiter. Dann biete Deiner Kundschaft kostenpflichtige Premiumdienstleistungen oder eine erweiterte Version Deines Angebots.“ So beschrieb 2006 der Risikokapitalgeber Fred Wilson die Idee in einem Blog. Jarid Lukin von der Softwarefirma Alacra und Leser des Beitrags kreierte daraufhin den Begriff Freemium.

Ein Beispiel für ein Unternehmen, das mit einem Freemium-Modell Erfolg hat, ist XING. Insgesamt zählte das Karrierenetzwerk bis zum 1. Quartal 2016 mehr als zehn Millionen Anmeldungen, über 900.000 davon haben sich für die kostenpflichtige Variante entschieden. Weit verbreitet ist das Freemium-Prinzip bei Videospielen für alle gängigen Plattformen und nennt sich dort Free-to-Play. Die Nutzung eines solchen Spiels ist grundsätzlich kostenlos, allerdings müssen Spieler ab einem bestimmten Niveau virtuelle Gegenstände oder Fähigkeiten hinzukaufen, um zum Beispiel das nächste Level schneller oder überhaupt zu erreichen.

Im September 2015 sorgte ein Artikel des US-Blogs toucharcade für Wirbel, in dem ein Insider anonym auspackte und das wahre Ziel einiger Macher von Free-to-Play-Games enthüllte: „Wir wissen, wo Du wohnst, wir kennen die Höhe Deines Einkommens, wir kennen Deine Beziehungen, Deine Lieblingsmannschaften, Deine politischen Überzeugungen. Wir wissen, wann Du zur Arbeit gehst und wo Du arbeitest…Wir besitzen Dich.“

Manche Betreiber von Videospielen sind hinter den Daten ihrer Kunden her wie einst Pacman hinter den gelben Punkten.

Manche Betreiber von Videospielen sind hinter den Daten ihrer Kunden her wie einst Pacman hinter den gelben Punkten.

Der Insider berichtet, wie das große Datensammeln anfangs nur auf das Spielverhalten der Nutzer ausgerichtet war, um die Spiele noch attraktiver zu machen. Nach und nach flossen immer weitere kommerzielle Motive bei der Analyse ein. Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch den Aufstieg von Facebook. „Facebook hat über die Jahre die Art, wie es gemacht wird, geändert. Heutzutage kannst du nicht ganz so viele Informationen ganz so leicht bekommen wie zur Zeit der ersten API, aber du bekommst immer noch eine Menge. Wir sammeln so viele Informationen über einen Spieler wie möglich, und dank Facebook haben wir tonnenweise. Sogar User, die Facebook nicht wirklich nutzen oder es mit falschen Angaben füttern, verraten uns tatsächlich noch viel.“

Haben die Macher dank ihrer Auswertung dann erkannt, dass sie einen dicken Fisch an der Angel haben, gehen sie manchmal sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn Du genug Geld ausgegeben hast, werden wir Dir eine Freundschaftsanfrage stellen. Nicht offiziell, sondern mit einem gefälschten Account. Vielleicht ist da ein heißes Mädchen, das zu viel Ausschnitt zeigt? Das sind wir. Wir haben schon viel über Dich erfahren, bevor wir uns mit Dir angefreundet haben, aber sobald Du uns reinlässt, haben wir die Schlüssel zum Königreich. Wir werden alles benutzen um herauszufinden, wie wir Dir etwas verkaufen können.“

Der Insider erinnert sich an einen Kunden aus Saudi Arabien, der ein großer Fan von American Football war. Extra für ihn wurden Gegenstände in ein ein Spiel eingebaut, die sich auf seine Lieblingsteams bezogen hatten, und er hat sie auch prompt gekauft. Im Extremfall werden also Games so auf jeden einzelnen Spieler zugeschnitten, dass sie den maximalen Umsatz versprechen.

An Ende richtet der Insider einen Appell an alle Gamer: „Immer wenn Du ein Free-to-Play-Game spielst, baust Du diese gigantische Online-Datenbank auf, die weiß, wer Du bist, wer Deine Freunde sind, was Du magst und was Du nicht magst. Die Daten werden verkauft, gekauft und zwischen den großen Unternehmen ausgetauscht, für die ich gearbeitet habe. Du möchtest das beenden? Dann hör auf, Gratisspiele zu spielen. Kauf ein Spiel für 4,99 oder 9,99.“

Selbstverständlich lässt sich diese Kritik nicht auf alle Freemium-Anbieter pauschal übertragen, viele nutzen tatsächlich nur die Gratisversion, um leichter an Kunden heranzukommen, denen Sie dann die Premiumausgabe verkaufen können. Dann kommt es nur darauf an, dass diese Unternehmen tatsächlich die richtigen Argumente für einen solchen Kauf haben. Und das geht nur mit guten Produkten.