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Oft hört man bei Startups, dass die Gründer zumindest am Anfang eine Vielzahl von Funktionen ausfüllen und so viel wie möglich selber machen. Dem gegenüber steht das Konzept der Komponentengründung. Hier stehen zwei Fragen im Mittelpunkt: Welches sind die Kernkompetenzen, mit denen mein Team und ich sich mit vollem Einsatz einbringen können? Und welche Aufgaben kann ich an Dienstleister außerhalb meines Unternehmens delegieren?

Komponenten sind in diesem Modell also bereits vorhandene externe Angebote, die geschickt kombiniert werden müssen, um den größtmöglichen Erfolg zu gewährleisten. So können auch Gründer, denen persönlich wichtige Kenntnisse fehlen, mit einer grundsätzlich funktionierenden Geschäftsidee in den Markt eintreten, ohne gleich zu Beginn einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil zu haben.

Einige der wichtigsten Kategorien für Komponenten.

Einige der wichtigsten Kategorien für Komponenten.

Als typische Komponenten gelten zum Beispiel die Erstellung eines Onlineshops, die Konzeptionierung einer Marketingkampagne oder die Abwicklung der Buchhaltung. Für solche Bereiche gibt es erfahrene Anbieter, die junge Unternehmen entlasten können und oft auch preisgünstiger sind, als es die Einstellung entsprechender Fachkräfte wäre.

Entwickelt wurde das Modell der Komponentengründung von Professor Günter Faltin in Berlin. Sein Ansatz: Ein durchdachtes Konzept – „Entrepreneurial Design“ – ist wichtiger für die Erfolgsaussichten als ein großes finanzielles Polster. Entsprechend lautet der Titel eines seiner Bücher „Kopf schlägt Kapital“. Bekannt wurde der 71-jährige Faltin aber nicht nur als Hochschullehrer und Autor. Er hat seine Theorien auch in die Praxis umgesetzt und selbst ein Unternehmen gegründet: die Teekampagne.

Komponentengründung als Verwandter von Lean Startup

Lange bevor der Begriff Lean Startup existierte, dachte Faltin darüber nach, wie er ein Geschäftsmodell so simpel und dabei effizient wie möglich gestalten könnte. Während seines Studiums in St. Gallen kaufte er häufig bei Migros ein, dem größten schweizerischen Einzelhandelsunternehmen, das schon früh nach dem Discounter-Prinzip agierte: optimierte Prozesse, schmale Gewinnspannen, hohe Umsätze. Das diente ebenso als Inspiration wie Reisen in Entwicklungsländer, wo die Preise für Agrarprodukte oft nur bei einem Zehntel derer in Europa lagen.

Professor Günter Faltin

Professor Günter Faltin

Ein Produkt, für das sich Faltin besonders interessierte, war Tee. Um aus dessen Verkauf ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell entwickeln zu können, musste er zuerst eine Reihe von Problemen angehen. Eines davon: Wie lange ist Tee haltbar? Zwei bis drei Jahre, versicherten ihm Experten. Demnach könnten sich Teetrinker mit Großpackungen bevorraten, die auch für ein Jahr und länger reichen könnten, ohne das ein Qualitätsverlust zu befürchten sei. Die daraus entstehenden Einsparungen bei den Verpackungskosten ließen sich an die Kunden weitergeben.

Auch wichtig: Wie viele Sorten Tee wünscht der Kunde? In der freien Marktwirtschaft geht man normalerweise davon aus, dass Verbraucher die Auswahl unter möglichst vielen verschiedenen Produkten bevorzugen. Faltin ging den entgegengesetzten Weg und beschloss, sich auf eine einzige Sorte zu konzentrieren. Dadurch konnte er von dieser große Mengen direkt vor Ort einkaufen und den Zwischenhandel ausschalten, was wiederum den Preis reduzierte. Um die Kunden für eine spezielle Sorte zu begeistern, sollte sie schon die beste der Welt sein: Darjeeling.

Wenn nur ein Produkt, dann das beste

Was die Champagne für Schaumwein ist der nordostindische Distrikt Darjeeling für Tee – die allererste Adresse. Also verkaufte die Teekampagne, wie das Unternehmen Faltins genannt wird, seit ihrem Start im Jahr 1985 ausschließlich Tee aus Darjeeling. Und zwar garantiert echten, denn es gibt auch Tees, die zwar diesen Namen tragen, aber ganz woanders angebaut oder zumindest mit anderen Sorten gestreckt wurden.

Das war also das Verkaufsargument der Teekampagne: Wir bieten zwar nur ein Produkt, aber das ist der beste Tee der Welt, und da wir direkt importieren und an der Verpackung sparen, ist er auch noch günstiger als irgendwo sonst. Das hat tatsächlich funktioniert und funktioniert, hauptsächlich über den Onlineshop, bis heute. Nach eigenen Angaben ist die Teekampagne inzwischen weltgrößter Importeur von Darjeeling.

Das erst später entwickelte Modell der Komponentengründung ist schon bei den Ursprüngen der Teekampagne zu erkennen. Das fängt damit an, dass das eigentliche Produkt, der Tee, nicht vom Unternehmen selbst hergestellt, sondern eingekauft wird. Den Transport von Indien nach Deutschland hat Hapag Lloyd organisiert. Und auch das Abpacken des Tees haben schon immer externe Dienstleister erledigt.

Bilder: www.komponentenportal.de