Wenn Startups mit potenziellen Investoren ins Gespräch kommen, gilt einer der ersten Fragen garantiert der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Mit anderen Worten: Wachstum wird gefordert, und zwar möglichst schnell. Wie das geht, hat in den letzen 15 Monaten das Berliner FinTech-Startup NUMBER26 besonders gut gezeigt.

Wer in der Startup-Szene nicht so heimisch ist, wird die Begriffe Skalieren und Skalierbarkeit vielleicht mit irgendeiner Messtechnik in Verbindung bringen oder Einstellungen an einem Gerät. Tatsächlich haben die Begriffe ihre Wurzel in dem lateinischen Wort scalae, was soviel wie „Treppe“ heißt. Womit wir schon ziemlich nah am Thema sind, denn eine Treppe kann man auch hinab-, aber eben vor allem hinaufsteigen.

In der Businesswelt geht es vornehmlich um den Aufstieg, genauer gesagt um die Expansionsfähigkeit eines Geschäftsmodells. Das kann auf vielen verschiedenen Ebenen passieren: durch höhere Umsätze und Gewinne, mehr Kunden, erweiterte Zielgruppen, neue Vertriebskanäle, größere Produktvielfalt oder Erschließung neuer, internationaler Märkte. Je mehr dieser Faktoren bei einem Startup zutreffen können, desto größer ist die Skalierbarkeit.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist der Aufwand, der betrieben werden muss, um die Expansion zu erreichen, sei es durch mehr Kapital, Material, Personal oder Marketing. Je besser das Verhältnis von Wachstum zu Aufwand, desto besser auch die Beurteilung der Skalierbarkeit. Und umgekehrt: Wenn ein Startup unverhältnismäßig große Anstrengungen unternehmen muss, um auch nur einen geringen Anstieg wesentlicher Kennziffern zu erreichen, kann von einem skalierbaren Geschäftsmodell nicht die Rede sein.

Maximilian Tayenthal und Valentin Staff, die Gründer von Number26

Maximilian Tayenthal und Valentin Staff, die Gründer von NUMBER26 (Foto © NUMBER26)

Innerhalb von 15 Monaten 160.000 Kunden für ein Produkt zu gewinnen, das eigentlich schon jeder hat – das ist ein schönes Beispiel für erfolgreiches Skalieren. Erst recht, wenn man weiß, das jeder Nutzer dieses Produkt in der Regel nur in einer Ausführung benötigt und es mit einem Vertrauensbonus belegt ist, den man Newcommern in der Branche nicht unbedingt gleich zubilligt. Die Rede ist von NUMBER26 und einem mobilen Girokonto für das Smartphone.

Gegründet 2013 in Berlin von Valentin Staff und Maximilian Tayenthal und gelauncht am 26. Januar 2015, operiert das FinTech-Unternehmen mittlerweile in acht europäischen Ländern und fünf Sprachen und hat 140 Mitarbeiter. Geboten wird den Kunden ein kostenloses Girokonto mit Dispoekredit und einer ebenfalls kostenlosen Kreditkarte. Innnerhalb von acht Minuten sollte das normalerweise eingerichtet sein. 160.000 Kunden (Stand: April 2016) haben da inzwischen zugegriffen, und dabei hat NUMBER26 nicht einmal eine Banklizenz; die besitzt das Partnerunternehmen Wirecard. So schlank und gleichzeit skalierbar aufgestellt, konnte NUMBER26 schon 12,6 Millionen Euro Venture Capital einsammeln.

Wie die Gründer von NUMBER26 Skalierbarkeit in ihrem Unternehmen definieren, haben sie ins exklusiv verraten:

„Egal ob 10 Kunden oder 10 Millionen Kunden bedient werden müssen – für FinTechs wie NUMBER26 macht es im Vergleich zu anderen Unternehmen keinen großen Unterschied. Wir müssen keine Lager für 10.000 Millionen Schuhe bauen, die wir an unsere Kunden verschicken, und keine Fahrer für 10.000 Millionen Pizzen suchen, die unsere Kunden beliefern. Wieviele Kunden unsere Infrastrukturen nutzen, spielt – mit Abstrichen – keine Rolle. Ganz im Gegenteil: je mehr Kunden wir haben, desto weniger fallen die Fixkosten ins Gewicht. Deswegen gelten FinTechs, die im weitesten Sinne hauptsächlich Daten bewegen, als Könige der Skalierbarkeit.

Doch auch NUMBER26 stößt aufgrund des großen Wachstums an die Grenzen der eigenen Skalierbarkeit. 2015 hieß diese Grenze bei uns Warteliste. Am Tag konnten wir nur eine gewisse Menge an Kunden durch die Schleuse der Videoidentifizierung leiten, um den Kundenansturm zu bearbeiten. Das machte uns nicht nur ein geregeltes Wachstum möglich, es machte uns für viele Kunden sogar noch besonders interessant. Und zwei Tage auf der Warteliste sind allemal besser als zu warten, bis eine neue Filiale in der Nähe gebaut wird.“

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