Superhuman – welch bescheidener Name für einen E-Mail-Client. Das Startup dominiert mit seinem AI Mail-Tool momentan Newsseiten und Feeds – und dabei ist es noch sehr schwer in die Beta reinzukommen.

Der Gründer hat sich zum Ziel gesetzt, E-Mail komplett neu zu denken und mit sinnvollen Features zu ergänzen. Die ersten Tech-Seiten schreiben bereits, Superhuman wäre das, was GMail immer sein wollte.

Wer steckt hinter Superhuman?

Rahul Vohra ist der Founder und hat mit Rapportive bereits eine Menge Erfahrung im E-Mail revolutionieren gesammelt. Das GMail Plugin erweitert die Sidebar im Mail-Service von Google um Informationen über den E-Mail Absender. So bekommt man Social Media Accounts und Job-Titel angezeigt und kann aus der Mail direkt Kontaktanfragen in verschiedenen Netzwerken stellen. Damals schon super praktisch. 2012 hatte LinkedIn Rapportive dann gekauft und so umgebaut, dass nur noch LinkedIn Informationen angezeigt wurden.

Wie macht man E-Mails schneller?

Das ist das Problem, das Superhuman lösen will: E-Mails schneller machen. Und das Ziel, das sich das Startup gesetzt hat lautet: 100ms. 100ms ist die Zeitspanne, die GMail sich vor Jahren zum Ziel setze, weil sie sich für Menschen noch nach sofort und unmittelbar anfühlt. Durch diese konsequente Konzentration auf Speed sollen User, die normalerweise 3 Stunden täglich in ihren E-Mails arbeiten, die gleiche Arbeit in der Hälfte der Zeit schaffen.

Das Tool erkennt E-Mail Prioritäten noch einmal besser als andere Clients und fischt durch übliche Nutzungsmuster und AI wichtige Benachrichtigungen aus dem täglichen Strom wie Termineinladungen oder Google-Doc Benachrichtigungen. Hier kommen ähnliche AI-Algorithmen zum Einsatz, wie bei der Suche nach Spam. Nur eben umgekehrt.

Und was kann Superhuman sonst noch?

Unsere Zeit, die wir mit Mails verbringen müssen, zu verkürzen ist schon ein hehres Ziel, aber Superhuman hat noch ein paar andere Features eingebaut. Die sollen den Dienst so wertvoll machen, dass Business-User bereit sind, für die Nutzung eine monatliche Fee zu zahlen.

Beispielsweise den Read Status Indicator: Diese Funktion zeigt nicht nur an, dass die Mail geöffnet wurde, sondern auch: Von wie vielen unterschiedlichen Personen, wann und auf wie vielen Geräten. Sicher eine nette Funktion, wenn man als Gründer auf die Antwort eines Investors wartet.

Senden widerrufen, Wiedervorlage und E-Mailversand planen sind Features, die man als Nutzer von GMail und Erweiterungen wie Boomerang oder Gmelius mittlerweile zu schätzen gelernt hat. Ich bin gespannt, wie gut die Funktionen im Superhuman Client funktionieren werden. Insbesondere die Erinnerung falls keine Antwort auf die Mail, die ich vor 3 Tagen verschickt habe kommt, ist unheimlich hilfreich, um den Kopf und Kalender für wichtigeres frei zu haben. Der zu einer passenden Uhrzeit geplante Mailversand ist das gleiche – nur umgekehrt. Wenn ich weiß, wann mein Adressat am ehesten Zeit hat, terminiere ich den Versand der Mail auf diesen Zeitpunkt. So erreiche ich eine viel höhere Wahrscheinlichkeit, dass meine Nachricht nicht in hunderten ungelesenen Mails untergeht.

Profilinfos are back! Und wie Rapportive es damals gemacht hat, zeigt Superhuman auch wieder Profilbilder, Kontaktinfos und Social Media Profile des E-Mail-Kontakts an.

Die technische Seite der Lösung klingt verwegen: Der komplette E-Mail Client läuft im Browser. Inklusive Offline-Funktionalität und Gigabytes an Mails. Auf der UX Seite hingegen konzentriert sich das Team auf schönen Minimalismus mit viel Weißraum, der mich an den Look von Feedly erinnert.

2016 hatte das Startup bereits 10 Millionen Dollar in einer A-Seedingrunde eingesammelt und liefert nun ab.

Der Beta-Launch auf Producthunt war einer der erfolgreichsten seit langem und ist ähnlich unterhaltsam wie bei Muzzle. Überhaupt wird Superhuman an allen Ecken und Enden für das coole Onboarding gelobt. Hier könnt ihr euch für die Beta anmelden.

Wenn ihr einen Blick in die SF-Büros von Superhuman werfen wollt, schaut euch das Vlog von John Saddington an, der einen Tag im HQ verbracht und seinen Onboarding-Prozess gefilmt hat: