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Wearables sind mit Computertechnologie ausgestattete Dinge, die am Körper getragen werden. Das können beispielsweise Armbänder oder auch Kleidungsstücke sein. Sie sind damit Teil des Internet of Things, in dem alles mit allem vernetzt ist. Eine der Hauptfunktionen ist es, Informationen über ihren Träger und seine Umgebung zu sammeln und bestimmte Tätigkeiten auszuwerten und zu unterstützen. Das Fachgebiet, das sich mit diesem Thema befasst, nennt sich Wearable Computing. Bei den meisten Anwendungen kommen hochentwickelte <a href="http://www why not find out more.founders-owl.de/glossar/sensoren-bedeutung-internet-of-things/“ target=“_blank“>Sensoren zum Einsatz.

Armbänder und Smartwatches

Die am weitesten verbreiteten Wearables sind Fitnessärmbänder. Knapp 40 Millionen von diesen Geräten wurde laut des amerikanischen Marktforschungsinstituts IDC im Jahr 2015 verkauft. Sie sollen ihre Nutzer zu mehr sportlichen Aktivitäten und einem gesünderen Lebensstil animieren. Die Fitnesstracker zählen Schritte und bewältigte Treppenstufen, messen zurückgelegte Entfernungen und die Herzfrequenz. Außerdem wird aus den gesammelten Daten der Kalorienverbrauch abgeleitet. Ob alle so erfassten Daten allerdings immer exakt der Wirklichkeit entsprechen, darf bezweifelt werden, wie zahlreiche Tests ergeben haben. Umstritten ist auch, ob und wie solche Daten von Krankenkassen genutzt werden sollten. Kritiker sehen im gläsernen Patienten eher eine Gefahr als einen Nutzen, den etwa Bonusprogramme für besonders aktive Mitglieder bringen könnten.

Apple Watch

Die Apple Watch gibt es in einer Reihe von Designs (Foto: Apple)

Die Funktionen, die Fitnessarmbänder auszeichnen, besitzen in der Regel auch Smartwatches. Und sie können noch einiges mehr, sind am Handgelenk getragene Minicomputer mit einem Funktionsumfang, der an den eines Smartphones heranreichen kann. 2015 wurden knapp 32 Millionen Smartwatches verkauft, hat IDC ermittelt. Am erfolgreichsten war in diesem Segment die Apple Watch. Neueste Zahlen lassen allerdings einen Hype-Effekt vermuten, der schon wieder verpufft ist. Die weltweiten Verkaufszahlen für das dritte Quartal liegen in 2016 um über 50 % unter denen des Vorjahrs.

Datenbrillen

In der IDC-Statistik muss man diese Geräte geradezu mit der Lupe suchen; nur rund 100.000 Datenbrillen wurden 2015 verkauft. Es lässt sich auch trefflich darüber streiten, ob sie überhaupt in die Kategories Wearables fallen. Eine der inzwischen erhältlichen klobigen VR-Brillen lässt sich schwerlich in den Alltag integrieren wie eine Smartwatch. Zukünftig sind aber Brillen denkbar, die ganz normal getragen werden und zusätzliche smarte Elemente enthalten, etwa für Augmented Reality. Google Glas ging in diese Richtung, konnte sich aber nicht durchsetzen. Der nächste Schritt sind smarte Kontaktlinsen, die beispielsweise den Blutzuckerspiegel von Diabetikern messen können. Das entsprechende Projekt von Google und der Pharmafirma Novartis kommt allerdings nur schleppend voran.

Smarte Kleidung

Nicht wenige Experten sind der Meinung, dass die größten Wachstumschancen im Bereich Wearables bei intelligenter Mode liegen. Deren Einsatzbereich geht weit über das hinaus, was schon seit geraumer Zeit bei avantgardistischen Modenschauen zu sehen ist. Ob Bekleidung mit Leuchtelementen jemals über den Status eines Gimmicks hinauskommt, wird sich zeigen. Startups wie das Berliner Label Electrocouture versuchen zumindest, alltagstaugliche Kleidung zu entwerfen. Dort gibt es unter anderem mit Leuchtfäden durchzogene Schals, Sakkos mit E-Ink-Displays an den Taschen und Jacken mit LED-Verzierungen.

antelope

Fitnessanzüge von Antelope (Foto: Antelope)

Weniger um Schönheit als um Funktionalität geht es bei den Kreationen des Frankfurter Startups Antelope. Hier kommt die Elektromyostimulation (EMS) zum Einsatz. Hinter diesem Wortgetüm verbirgt sich eine in der Physiotherapie eingesetzte Methode, Muskeln nach einer Verletzung gezielt wieder aufzubauen. Zu diesem Zweck wird Strom durch den Körper geleitet, was die Muskelkontraktionen verstärkt. In Fitnessstudios wird diese Technologie bereits genutzt, kann bei unsachgemäßer Anwendung allerdings auch gesundheitliche Schäden hervorrufen.

Antelope hat EMS-Technik nun die Sportbekleidung eingebaut und will damit Trainingsergebnisse optimieren. Das eigentliche Training wird dadurch nicht ersetzt, es nützt also nichts, sich in einem EMS-Anzug vor den Fernseher zu setzen und zu hoffen, sich nebenbei Muskelmasse anzueigenen. Bei der Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ konnte Antelope 2015 nicht überzeugen, dafür aber bei einer Crowdfunding-Kampagne über 1,3 Millionen US-Dollar einsammeln. Bei der Produktion kam es immer wieder zu Verzögerungen; die ersten Exemplare sollen in den letzten Wochen des Jahres 2016 an die Crowd rausgehen.

Smarte Bekleidung steht noch ganz am Anfang seiner Entwicklung, auch bei der Trag- und Waschbarkeit ist noch Verbesserungsbedarf. Es wird aber nicht mehr lange dauern, bis diese Wearables wesentlich genauere und vielfältigere Daten erfassen können, als es heute übliche Fitnesstracker und Smartwatches können. Die Frage bleibt, ob die Menschen das überhaupt wollen.

Bild ganz oben: Kheng Ho Toh / 123RF