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– Rezept für einen Coworkingspace –

In einem meiner aktuellen Bühnentexte, erzähle ich vom Leben als Freiberufler. Ein Teil des Textes befasst sich dabei mit dem räumlichen Teil des Arbeitsumfelds und lautet, wie folgt: „Ein Coworking-Space ist die super coole hippe Version von dem, was in meiner Schule der „Gruppenarbeitsraum“ war. Bloß muss ich hier Geld bezahlen um arbeiten zu dürfen. In dem Raum sitzen zwanzig andere Unternehmer um einen viel zu kleinen Tisch und stören sich gegenseitig bei der Arbeit.“ Das ist sehr plakativ und überspitzt, keine Frage, und spiegelt auch nur bedingt meine tatsächliche Meinung wieder (wir erinnern uns an die siebte Klasse: erzählendes Ich   ≠ Autor). Tatsächlich ist mir nach Aufenthalten in diversen Coworkingspaces aber ein gewisses Muster aufgefallen: Falls jemand also gar keine Ahnung hat, was ein Coworkingspace ist, oder wie er (offenbar) zu sein hat, sich in einem angemeldet hat und nicht weiß, was ihn erwartet, oder wer gar selbst plant so ein Gemeinschaftsbüro zu eröffnen, dem soll folgendes Rezept eine zuverlässige Unterstützung sein:

Coworkingspace (für 5 – 50 Personen)

Man nehme…

1)  Einen möglichst großen, leeren Raum. Dieser sollte sich entweder unter dem Dach in einem Altbau, oder in einem gläsernen Bürowürfel befinden. Das Gebäude sollte auf jeden Fall sehr alt, oder sehr neu sein – alles dazwischen ist lahm. Machen Sie sich keine unnötigen Gedanken um infrastrukturelle Vorzüge, wie zum Beispiel Parkplätze. 50 Prozent ihrer Nutzerschaft bestreitet die morgendliche Anreise sowieso auf einem gebrauchten Rennrad oder einem elektrisch motorisierten Cityroller.
2)  Mobiliar. Hier gilt: Das Möbel eignet sich vor allem zum Möbel, weil es sich nicht zum Möbel eignet. In alte Ölfässer hineingeflexte Sessel, Tische auf Wasserrohren oder der Klassiker, die Sitzbank aus Europaletten, sind Ihre besten Freunde. Alles zwischen shabby-chic und industrial-style ist herzlich willkommen. Der Komfort ist hier völlig zweitrangig und für Arthrose ist man nie zu jung.
3)  Ein geräuschintensives Kneipensportgerät. Allseits beliebt: Der Kickertisch. Alternativ verwendet werden können ein Boxsack, eine Airhockeyplatte oder ein Flipper-Automat. Hauptsache, das Ding macht richtig Krawall. Um für eine besonders würzige Arbeitsatmosphäre zu sorgen, platzieren Sie das Gerät in der Mitte des Raumes und stellen Sie ihre Belegschaft zu gleichen Teilen aus Kneipenleistungssportlern und passiv aggressiven Strebern, die bei jedem Mucks etwas wie „Sorry, es gibt Leute, die versuchen hier zu arbeiten!“, sagen, zusammen.
4)  Eine Schiefertafel. Natürlich haben wir seit mindestens einer Dekade das Smart-, oder zumindest Whiteboard. Aber nichts geht über das romantische Quietschen eines frisch ausgepackten Kreidestückes auf fossilem Wandbehang („Sorry, es gibt Leute, die versuchen hier zu arbeiten!“). Außerdem ist eine Schiefertafel der perfekte Ort für die Erzeugnisse der
5)  Polaroidkamera. Hier gibt es nicht viel zu sagen. Jeder, der aus freien Stücken, oder versehen den „Space“ betritt, wird hemmungslos über den Haufen geknipst, um sich beim nächsten Besuch an der Wand hängend wiederzufinden (als Foto natürlich).
6)  Die Kaffeemaschine. Wer Wallfahrtsorte für das non plus ultra hält, hat noch nie ein Gruppe Coworkender in der Frühstückspause zur Kaffeestätte pilgern sehen. Das sich hier befindende Brühgerät sollte etwa die Größe eines Kleintransporters und das Aussehen eines Verbrennungsmotors haben. Außerdem sollte es möglichst so konzipiert sein, dass es ohne mehrjährige Ausbildung zum Barista nicht bedient werden kann, ohne dass Verbrühungen dritten Grades befürchtet werden müssen. In nomine aquae et lactis et fabae sanctae.

Alle Zutaten beisammen?

Jetzt gründlich vermengen und fertig.

Happy Coworking!

Stay witty!

By Kolja Fach

 

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