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Zwei der berühmtesten und renommiertesten Universitäten der Welt sind untrennbar mit der Geschichte des Silicon Valley verbunden: Stanford und Berkeley. Dabei hatten sie sich in ihrer Herangehensweise an Entrepreneurship zwischenzeitlich in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Was das mit dem Kalten Krieg zu tun hat und wie Lean Startup alles verändert hat, steht in unserer Startup Story.

Während des Kalten Krieges, beginnend in den 1950ern, erforschten sowohl Stanford als auch Berkeley die Entwicklung neuer Waffensysteme. Stanford setzte dabei seine Schwerpunkte auf elektronische Überwachungssysteme, Mikrowellen und andere Komponenten, die auch außerhalb des militärischen Bereichs nützlich sein konnten. Dadurch entwickelte sich eine nach außen gerichtete Kultur der Ausgründungen, die die erste Welle von Silicion Valley-Startups bestärkte.

In Berkeley dagegen wurde hauptsächlich auf dem Feld der Nuklearwaffen geforscht. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse blieben innerhalb der Mauern der Universität und ließen sich kaum auf die Außenwelt übertragen. Dementsprechend führte die Gründerkultur dort lange ein Schattendasein. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Andre Marquis, Executive Director of Berkeley’s Lester Center for Entrepreneurship, hat diese Entwicklung miterlebt und wesentlich zu ihr beigetragen. Die Aussagen in diesem Artikel beruhen hauptsächlich auf seinen Erfahrungen.

Wie Lean Startup den Businessplan überflüssig machte

Als Marquis 2010 nach Berkeley kam, hat sich an der Art Entrepreneurship zu lehren, seit über 30 Jahren kaum etwas geändert. Die wichtigste Aufgabe war die Erstellung eines 30-seitigen Businessplans. Es gab jede Menge Businessplan-Wettbewerbe, und an den meisten anderen Hochschulen sah das genauso aus. Dabei hatte Marquis zu seiner Zeit als Seriengründer schon seit den späten 1990ern festgestellt, dass Investoren keine Businesspläne lasen. Sie fragten vielleicht danach, aber sie lasen sie nicht. Stattdessen ging es ihnen um reales Wachstum und Erfolg beim Kunden.

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Steve Blank (Foto: Wikipedia / © 2012 Eric Millette)

Für diesen neuen Ansatz, der seit ein paar Jahren unter dem Namen Lean Startup immer populärer wurde, gab es noch keinen Lehrplan. Oder doch? Der Erfolgsunternehmer Steve Blank, einer der Vorreiter dieser Methode, hielt in Berkeley einen Kurs ab, der sich Lean LaunchPad nannte. Dort musste jede Woche Studententeams vor der gesamten Klasse ihre Arbeit an ihren Businessmodellen präsentieren. Was sie aus Gesprächen mit Kunden gelernt hatten, was sie an ihrem Produkt geändert hatten, was sie als nächstes vorhatten. Blank und Investoren, die als Zuschauer und Mentoren da waren, löcherten sie mit Fragen und brachten sie dazu, ihre Kuschelecke zu verlassen.

Marquis spürte sofort: Hier wurden Studenten präzise darauf vorbereitet, was es heißt ein Unternehmer zu sein. Dass ebenso richtig sein kann, für seine Ideen zu kämpfen wie sie über den Haufen zu werfen. Wie man seinen Weg durch Chaos und Ungewissheit zu finden. Wie man sich mal von Investoren einmal auseinandernehmen lassen muss und ihnen ein anderes Mal zeigt wo es langgeht. Wer durch diesen Prozess gegangen ist, weiß mehr über sein Unternehmen, als in jeden theoretischen Businessplan stehen kann. Mit dem zusätzlichen Vorteil, dass all dieses Wissen aus der Praxis stammt.

Die Uni als Accelerator

Inzwischen ist der Businessplan in keiner Vorlesung mehr ein Thema, und das gilt nicht nur für Berkeley, denn Blank gab und gibt seine Lean LaunchPad-Kurse auch in Stanford. In Berkeley hat LAUNCH die alten Businessplan-Wettbewerbe angelöst. LAUNCH ist ein in den Studiengang integrierter Accelerator, ein Aufbauprogramm für Startups. Programme dieser Art gibt es dort mehrere, und die sind nicht nur US-Studenten zugänglich. Beispielsweise der Intel Technology To Market Accelerator, der 2015 insgesamt 22 Teams aus 11 Ländern förderte, darunter Russland, China und Saudi-Arabien. Lean LaunchPad funktioniert weltweit, und das ist nur eine von vielen Erkenntnissen aus dieser Methode. Einige weitere wären:

  • Gewinner lassen sich nicht vorhersagen. Es ist unmöglich zu prognostizieren, ob ein Startup erfolgreich sein wird oder nicht. Eine scheinbar gute Idee kann sich als marktuntauglich erweisen, eine vermeintlich schlechte Idee zu einer guten umwandeln. Und dann kann man nie wissen, wie sich ein Team entwickelt.
  • Mehr ist mehr. Ein Accelerator mit fünf Teams ist gut, einer mit zehn oder sogar zwanzig ist besser. Eigentlich kann er gar nicht groß genug sein, und das hat zwei Gründe. Einmal ist da die nicht zu verleugnende Tatsache, das ein Großteil trotz aller Bemühungen leider scheitert. Und außerdem gibt es bei einer großen Teilnehmerzahl viel mehr Möglichkeiten sich auszutauschen und gegenseitig zu helfen.
  • Lean LaunchPad funktioniert branchenübergreifend. Marquis hat häufig die Befürchtung gehört, die Methode eigne sich nur für Software-Startups. Seine Erfahrung mit über 700 Teams aus den unterschiedlichsten Bereichen sagt ihm, dass sie überall funktioniert, ob es sich um die Gesundheitsbranche, Hardware oder Nanotechnologie handelt, spielt keine Rolle.
  • Businesspläne sind tot. Zumindest in Kalifornien. Das sollte einfach nochmal gesagt werden.

Bild ganz oben: University of California – Berkeley (Quelle:colleges.startclass.com)