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Vom Newsletter für 50 Freunde zum international erfolgreichen Unternehmen mit einer Bewertung von über 60 Millionen Euro – das ist die bemerkenswerte Entwicklung, die My Little Paris gemacht hat. Dabei ist dieser Erfolg nicht einem knallhart durchgezogenem Businessplan zu verdanken; vielmehr kam er mit französischer Leichtigkeit zustande.

„How to be Parisian wherever you are“ ist der Titel eines populären, wenn auch nicht ganz ernst zu nehmenden Buches. Zumindest drückt der Titel eine Sehnsucht aus, die viele teilen: Einmal so chic, mondän und attraktiv sein wie das Idealbild einer Pariserin. Dieser Wunsch ist auch Teil des Erfolgsgeheimnisses von My Little Paris. Ursprünglich nur für ein paar Freunde gedacht, hatte der 2008 erstmals verschickte Newsletter bereits nach sechs Monaten 10.000 Abonnenten. Heute sind es in allen Variationen über zwei Millionen.

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Ins Leben gerufen haben My Little Paris Fany Pechiodat (Bild oben), ihre Schwester Adeline und die aus Japan stammende Illustratorin Kanako Kuno, die mit ihrem Zeichenstil von Beginn an das Image des Startups prägt. Er passt ideal zu den kurz und locker geschriebenen Tipps für Mode und Freizeitgestaltung, die den wesentlichen Inhalt des Newsletters ausmachen. Der Charme von My Little Paris wurde schnell auch für Werbekunden interessant, die sich mit ihrem Auftritt gern an das Design von My Little Paris anpassen – Native Advertising nennt man das. Manche Unternehmen lassen sich gleich eine ganze Webseite im „My Little“-Look gestalten, zum Beispiel Netflix.

Das Startup blieb thematisch nicht lange auf die französische Hauptstadt beschränkt, peu à peu kamen Ausgaben für Lyon und Marseille, für Kinder und Hochzeiten sowie ein Buchklub hinzu, und natürlich auch eine App. Den Schritt aus der rein digitalen in die Welt des Handels machte My Little Paris im Jahr 2011 mit My Little Box. Hier gibt es im Abo ein Überraschungspaket mit Produkten, wie sie auch im Newsletter angepriesen werden. Das kam so gut an, dass My Little Box inzwischen insgesamt über 100.000 Kunden hat, auch in Großbritannien, Japan und seit Anfang 2016 in Deutschland. Fast zwei Drittel des My Little-Umsatzes stammt mittlerweile von den Boxen.

Soviel Erfolg blieb nicht unbemerkt; schon 2013 übernahm das zur Axel Springer AG gehörende Portal aufeminin 60 % an My Little Paris, bis 2018 sollen die restlichen Anteile erworben werden. Fany Péchiodat ist aber immer noch Geschäftsführerin, und noch immer spielen Dinge wie SEO, Keyword-Optimierung und andere angeblich Erfolg versprechende Werkzeuge des Onlinemarketings für sie keine Rolle. Sie verlässt sich weiterhin lieber auf Kreativität, Innovationskraft und den Zauber von Paris.

Fotos © My Little Paris