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Die zweite Startupnight OWL startete mit einer inspirierenden Gründerreise auf die uns Igor Simonow von Urlaubspiraten mitnahm. Eine tolle Jury, 5 pitchende Startups aus Ostwestfalen-Lippe und ein Sieger am Ende des Abends folgten. Das ganze fand im Audimax der FH Bielefeld statt, der chic in Grün und Petrol ausgeleuchtet, vermutlich der sexiest Hörsaal OWLs ist.

Die Gründerreise durch 10 Länder, 6 Offices und 7 Jahre Urlaubspiraten

 
Igor hat an der FH Bielefeld BWL studiert, 2011 seinen Abschluss gemacht und mit dem „Sicherheitsnetz Bachelor“ wie er es nennte erst einmal ein Jahr lang etwas anderes machen wollen. Das war damals: Reisen und ein Blog zu Reiseschnäppchen starten. Der USP bei Urlaubspiraten aus Business-Seite ist: Der Traffic auf die Seite wird zu 93% mit Social Media und organischem Suchmaschinentraffic  erzeugt. Dadurch brauchte das Startup nie externes Geld aufnehmen und war sehr schnell profitabel.
 
Heute hat die Unternehmensgruppe 30 Millionen Visits im Monat, 9,5 Millionen Fans auf Facebook und macht mit 200 Mitarbeitern 362 Millionen Euro Bruttoumsatz.
 
Nach der Anfangsphase in Bielefeld kam Igor schnell mit Fabian von MyDealz in Kontakt und zog dort mit ins Berliner Büro ein. Und das ziemlich wörtlich, denn Urlaubsschnäppchen zu promoten ist zwar ein cooler, aber auch ein Knochenjob: 24/7 müssen die Deals gepostet werden. Ganz besonders am Wochenende, wenn die Leute zu Hause sind und sich Gedanken um den nächsten Urlaub machen.
 
Ein Milestone des Ventures waren die ersten 10.000 Facebook-Fans. Über eine Stunde saß das Team auf dem Balkon und wartete, dass der Counter von 9982 auf 10.000 sprang! Wenig später war dann plötzlich das Fernsehen in dem Büro in der 4-Zimmer Wohnung in Berlin Wedding. Zumindest familiäre war das für Igor der Durchbruch: „Da konnte ich meinen Großeltern endlich erklären: Wir machen was richtiges. Wir sind im Fernsehen!“

Das Geheimrezept von Urlaubspiraten besteht aus den Zutaten:

  • Research in super Deals
  • Social Media zielgerichtet und effektiv einsetzen
  • Interessanten Content posten
  • Nah am User sein
  • Authentische und kumpelhafte Ansprache mit viel Humor („Ihr seid die beste Nicht-Porno-Seite im Internet“)
  • Transparenz: Wenn ein Deal nur deswegen so günstig ist, weil in Kenia grad Regenzeit herrscht, weißt Urlaubspiraten seine Nutzer darauf hin.
Das Team hat sich zu einem großen Teil aus ehemaligen Nutzern rekrutiert: Die erste Praktikantin war Urlaubspiraten-Fan. Die erste Mitarbeiterin aus Italien wollte für ihr Land eine vergleichbare Seite haben und Igor ließ sie Urlaubspiraten in Italien aufbauen. Ebenso in Spanien.
 
Erste Entrepreneur-Luft wollte Igor in seiner Zeit an der FH schnuppern. Damals als studentischer Berater für Existenzgründer. Im Modul 037 wurden damals 8 BWLler mit 8 Existenzgründern zusammen gebracht. Igors Coaches meldete sich auch nach 100 Anrufen nicht. Also zog er selber ins Gründerloft ein und startete durch. Auch wenn einen damals „das Arbeitsamt für bekloppt erklärt hat, wenn man gründen wollte. Die FH Bielefeld hat sich damals schon super um Gründer gekümmert.“
 
Heute: Innovationslabor OWL
Nach Igor hatte auch das Innovationslabor OWL die Möglichkeit eine kurze Intro zu geben. Hammeridee: Die 4 staatlichen Hochschulen in OWL: FH Bielefeld, Uni Bielefeld, Hochschule Ostwestfalen-Lippe und die Uni Paderborn haben ihre Kräfte gebündelt, um Gründungsinteressierte bei ihrer Idee zu unterstützen und helfen 12 Monate lang, die Idee an den Start zu bringen. Steffi und Tim vom Büro an der FH Bielefeld gaben uns kurz einen Einblick in die Leistungen:
  • Gründungsidee entwickeln
  • Business Plan schreiben
  • Seminar und Coaching für die Gründer-Teams
  • Markt-Mentoren helfen bei der Wirtschaftsnahen Entwicklung
Aktuell gibt es seit Februar 23 Teams bestehend aus Designern, BWLlern, Ingenieuren und sogar wissenschaftlichen Mitarbeitern der Hochschulen, die derzeit im Business Coaching stecken.
 

Endlich die Pitches! Third Element Aviation, AMendate, Assembly Solution, CollarCare und Legarius 

 
That’s what Startupnight is all about: Gründer, die ihr Businessmodel vor Publikum und Jury pitchen. Dafür gab es für jedes der 5 Teams 4 Minuten auf den Timer, die nach der letzten Sekunde mit Lightshow und Musik knallhart eingeschritten sind. Ok, sie wären eingeschritten, hätte einer der 5 die Zeit gestretcht.
 
THIRD ELEMENT AVIATION
Marius machte den Anfang. Third Element Aviation baut bereits seit einigen Jahren Drohnen für den Industrie-Einsatz. Beim Pitch ging es ihm aber um etwas sehr, sehr ernstes:
Rettungsdrohnen mit Defibrilator an Bord, die Patienten mit Herzstillstand mindestens 30% schneller mit Wiederbelebungsmaßnahmen versorgen können, als es ein Rettungswagen schafft: 6 Minuten im Schnitt bis zum Einsatz bei der Drohne im Gegensatz zu 9 Minuten beim Rettungswagen. Ein Versuch mit dem Karolinska-Institut in Schweden ergab, dass 75% von Todesfällen mit dem DefiCopter hätten verhindert werden können. Letzten Endes ging es also weniger um ein Geschäftsmodell, als um ein Projekt, dass – einmal duschfinanziert – der gesamten Bevölkerung zu Gute käme: Es bräuchte ca. 500 DefiCopter, um ganz Deutschland abzudecken.
 
AMendate
Thomas zeigte eine beeindruckende Industrie-Lösung für Additive Manufacturing: AMendate entwickelt eine Software, die eine automatisierte Optimierung von Bauteilen ermöglicht, um im 3D Druck-Verfahren mega leicht bauen zu können. Der Entwicklungsvorsprung von AMendate ist dabei SO groß, dass das Produkt in ca. Einem Tag schafft, wofür der Wettbewerb 2 bis 3 Wochen benötigt. DAS nennen wir mal Wettbewerbs-Vorteil! Erste Kunden kommen bereits aus Luftfahrt-, Automobil-Industrie und Anlagenbau. Aktuell arbeitet das 5-köpfige Team noch als Dienstleister. Der Skalierungseffekte setzt ein, wenn das SaaS-Modell fertig gestellt ist.
 
Assembly Solution
Und noch einmal ein Industry 4.0 Startup: Assembly Solution aus Detmold haben eine Assistenz-Lösung für produzierende Betriebe geschaffen, die bei komplexen Prozessen und individuellen Problemen direkt am Produktions-Arbeitsplatz eingesetzt wird. In der höchsten Ausbaustufe der Lösung bekommen Produktionsmitarbeiter Prozess-Schritte, Arbeitsanweisungen und Informationen zum Werkstück direkt auf die Arbeitsfläche projiziert. Das Startup erreicht so mehr Produktivität (bis zu 60%) ohne zusätzlichen Zeitdruck zu schaffen und holt den Mitarbeitern, Fehler zu vermeiden. Die Assistenzsysteme ermöglichen darüber hinaus, tiefer gehende Produktverbessrungen und mehr Qualität im Arbeitsprozess zu entwickeln.
 
CollarCare
Über 8 Millionen Hunde sind in die Arbeitslosigkeit abgerutscht. Mit einem Augenzwinkern startete Lukas von CollarCare in seine 4 Minuten. Das Startup aus Bielefeld entwickelt eine Digitale Identität für Hunde. Genau genommen ein Halsband, das die Apple Watch für den Vierbeiner darstellt. So können Hundehalter die mentale und physische Fitness ihres Familienmitglieds im Auge behalten und gezielt fördern. Neben Gesundheitsmonitoring und GPS-Ortung für den Hund, bringt die kostenlose App zu dem IoT-Produkt das zwischen 69 und 79 Euro kosten wird, auch noch Challenges und Hundetraining-Know-how mit, die das tägliche Gassigehen deutlich spannender gestalten. Ziel: Zum Standard in der Erstausstattung für Welpen zu werden.
 
Legarius
Karsten nahm uns mit in die Welt der Autowerkstätten und Haftpflichtversicherungen. Denn: Bei einem Großteil der 3,6 Millionen Unfälle in Deutschland werden Autowerkstätten um Teile ihres Arbeitslohnes gebracht: Versicherungen der Unfallverursacher kürzen oft unberechtigt die Rechnungen der Werkstätten und für diesen Misstand hat Legarius ein immer stärker automatisiertes Service-Produkt gebaut. Dabei geht es um einen potenziellen Markt von 2 Milliarden Euro. Geschädigte Werkstätten geben in der Web-App die Daten des Falls an und Legarius kümmert sich um die Klärung. Verdient werden dabei 100 Euro pro Fall als Servicegebühr, die für die digitalisierte und automatisierte Fallbearbeitung aufgerufen werden.
Wenn ihr helfen wollt, erst OWL und dann Deutschland wieder etwas gerechter zu machen, gebt die Kontaktadresse an die Werkstatt eures Vertrauens weiter: gerecht@Legarius.de
 
 
AND THE WINNER IS:
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TROMMELWIRBEL
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GOLDENER GLITTER!
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Nach einer aufreibenden Stichwahl und hochkonzentrierter Auszählung der Stimmen hat Legarius den Pott geholt!
 
Herzlichen Glückwunsch an die Sieger und alle teilnehmenden Teams. Ihr ward alle großartig!
 
Vielen Dank an die Jury, die FH Bielefeld, Innovationslabor OWL und natürlich an alle teilnehmenden Startups. Vielleicht sehen wir uns sogar schon dieses Jahr zur Startupnight OWL #3 wieder.