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Schnelles Internet für alle – davon können wir selbst in Deutschland momentan nur träumen. Global betrachtet ist das Problem noch viel schwerwiegender, große Teile der Weltbevölkerung sind nach wie vor komplett vom Web abgeschnitten. Das soll sich innerhalb der nächsten zehn Jahre fundamental ändern, verspricht das amerikanische Startup OneWeb – mit Satellitentechnik.

Ein Investment in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar bekommt man als Startup nicht alle Tage – höchstwahrscheinlich sogar nie. Bei OneWeb war es rechtzeitig vor Weihnachten 2016 soweit. Eine Milliarde trug der japanische Technologie- und Medienkonzern Softbank dazu bei, den Rest schon bestehende Investoren, auf die wir später noch genauer eingehen.

Eine Fabrik für die Massenproduktion von Satelliten

Das Geld fließt in eine neue Fabrik in Florida, wodurch bis zu 3.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Dort werden dann Satelliten in einem neuen Rekordtempo gebaut. 15 Stück pro Woche sind das Ziel. Diese Satelliten sollen nicht etwa für präzisere Wettervorhersagen sorgen, sondern für einen lückenlosen Internetzugang, auch in den entlegensten Winkeln der Welt.

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Skizze des Satelliten, den OneWeb bauen will

Möglich machen soll das ein Netz von insgesamt 720 dieser künstlichen Trabanten, die die Erde in einem speziellen, niedrigen Orbit in 1.200 Kilometer Höhe umkreisen werden. Anfang 2018, so der Plan, fliegen für Testzwecke die ersten zehn Satelliten ins All, ein Jahr später startet die kommerzielle Nutzung des extraterrestrischen Internetzugangs. 2022 soll es weltweit keine Schule ohne Internet mehr geben und 2027 endgültig das World Wide Web für alle.

OneWeb: eine Vision und viele Mitstreiter

Gary Wyler, Gründer und Geschäftsführer von OneWeb, fasst seine Vision so zusammen: „Während die großen Städte in den entwickelten Ländern Breitbandzugang haben, verbleiben über 50 % der Welt, einschließlich ländlicher Gebiete in Amerika, Europa und Asien, ohne verlässliche Hochgeschwindigkeitsverbindungen. Die Auswirkungen sind besonders gravierend für Entwicklungsländer, wo viele sogar in Schulen und Behörden ohne Zugang sind. Internetzugang ist wesentlich für digitale Verwaltung, Gesundheit und Bildung. Ein mangelhafter Zugang beeinträchtigt finanzielles Wachstum, wenn Märkte sich nicht entwickeln und keine relevanten Handelsbeziehungen aufbauen können. Dieses Problem betrifft alle, und gemeinsam können wir es lösen.“

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Dean Manson (EchoStar), Stephen Spengler (Intelsat), Richard Branson (Virgin), Sunil Bharti Mittal (Bharti Enterprises), Greg Wyler (OneWeb), Thomas Enders (Airbus) und Paul Jacobs (Qualcomm) gehören zu den Machern des Satellitenprojekts

„Gemeinsam“ ist ein gutes Stichwort, denn OneWeb ist nicht das Projekt eines einsamen Visionärs. Zu den Investoren und Geschäftspartnern gehören so unterschiedliche Unternehmen wie der amerikanische Halbleiterhersteller Qualcomm, der mexikanische Mischkonzern Grupo Salinas und die ebenfalls breit aufgestellten Bharti Enterprises aus Indien. Außerdem unter anderem dabei: Coca Cola, die Satellitenspezialisten EchoStar aus den USA und Intelsat aus Luxemburg sowie Virgin mit der Unternehmerikone Richard Branson.

Auch Deutschland ist in dieser illustren Runde vertreten, und zwar durch den europäischen Luft- und Raumfahrkonzern Airbus. Wie alle anderen mischt der nicht nur aus Idealismus bei dem Mammutprojekt mit. Vielmehr gilt es, den Anschluss auf dem boomenden Weltraummarkt nicht zu verpassen, auch wenn buchstäblich noch nicht ganz klar ist, wohin die Reise geht. „Für uns war das etwas Neues – wir gehen eine Wette ein“, zitiert das Handelsblatt den Airbus-Raumfahrt-Chef Nicolas Chamussy. „Eine reflektierte Wette natürlich, wir investieren in ein Projekt, das wir für die richtige Initiative halten.“

Das Internet aus dem All ist ein heiß umkämpfter Markt

Ein Monopol wird OneWeb allerdings garantiert nicht errichten können. Das Beratungsunternehmen Euroconsult hat ermittelt, dass von 2006 bis 2015 insgesamt 1.480 Satelliten ins All geschossen wurden. In den kommenden zehn Jahren könnten es mehr als 9.000 werden. Dass es da oben voll werden könnte, liegt natürlich auch mal wieder an Elon Musk. Sein Unternehmen SpaceX hat den Antrag gestellt, gleich 4.425 Satelliten in den Orbit zu jagen. Mit dem Ziel, na klar, für flächendeckenden Internetzugang zu sorgen. Einen konkreten Zeitplan dafür gibt es allerdings noch nicht.

Andere große Namen, die in Verbindung mit ähnlichen Projekten fallen, sind Boeing, Google und Facebook. Mal ist da von extrem hoch fliegenden Ballons die Rede, mal von Drohnen, die wochenlang in der Luft bleiben können. Ausgereift ist noch keine der Technologien. Nur eines scheint gewiss: Der Kampf um den besten Internetzugang der Zukunft wird irgendwo da oben geführt werden.

Fotos © 2017 oneweb.world