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Part 2

Nach dem großen ersten Interviewteil mit Philip Siefer von einhorn über die Startupwelt in Berlin redet der erfolgreiche Gründer in Part 2.0 nun über die schlafende ‚old economy‘, seinen Zoff mit Co-Founder Waldemar, gibt Gründertipps und verrät seine Startup No-Go’s!

Auch bei einhorn läuft es gut und ihr lasst ein Unternehmen ganz nach euren Vorstellungen entstehen. Habt ihr denn im stark „exitorientierten“ Berlin mit eurem Weltverbesserungsanspruch nie ans Aufgeben gedacht?

Philip: „Nein, niemals. Auch wenn es am Anfang unfassbar schwierig gewesen ist. Vieles richtig, richtig scheiße war und offen gesagt auch Waldemar und ich über eine Trennung nachgedacht haben. Wenn auch nur wenige Augenblicke… Denn natürlich gab es heftige Streits und Auseinandersetzungen. Aber an eine Splittung von einhorn ist nicht zu denken. Wenn man extrem hohe Ziele hat gehört Zoff dazu. Am Ende bringt uns das immer weiter – für unsere Vision ‚unfuck economy’ gibt jeder in unserem Team alles, da die Firma jedem gehört und wir alle Mini-Chefs sind.“

Von Mini-Chef zu Big-Boss – welche Tipps würdest du den großen Lenkern der Unternehmen in Deutschland und in Ostwestfalen-Lippe geben?

Philip: „Das ist von Firma zu Firma sehr unterschiedlich. Aber es gibt eine große Überschneidung: Roboter werden viele, eigentlich all unsere Jobs übernehmen. Wir begleiten da nur noch und haben dann ganz andere Jobs. Mein Rat: Beschäftigt euch mit der neuen Welt. Da reicht es nicht zwei, drei Prozent der Ausgaben in dubiose Innovation-Labs zu stecken. Die Welt wird sich in den kommenden 20 Jahren bis zur Unkenntlichkeit verändern. Das ist eine Revolution, die unaufhaltsam ist. Ich würde erstmal ganz viele Anfang 20er einstellen, damit ich überhaupt weiß, wie die sich die Welt vorstellen und in was für einer sie leben möchten.“

Und wer diese Bereitschaft nicht hat?

Philip: „Vollkommen okay, denn es muss ja auch nicht jedes Unternehmen, jedes Geschäft für immer existieren. Wer diese intrinsische Motivation nicht hat, muss ja nicht. Ein Teil wird untergehen – das gehört ebenfalls zur wirtschaftlichen Realität.“

Haben denn Startups im Hinterland eine Chance auf die ganz große Bühne zu kommen?

Philip: „Am Anfang gab es im Silicon Valley doch auch nichts! Das war eine fucking Wüste. Jetzt entsteht etwas in Ostwestfalen-Lippe – warum soll das nicht funktionieren? Aber klar, noch gibt es dort viel „old economy“, dass bedeutet die Bereitschaft zum neu denken ist oft nicht gegeben, weil manche Dinge eben schon immer so waren. Doch für Startups kann das auch Chancen bieten und Kapital gibt es bei euch reichlich. Das könnte spannend für den B2B-Bereich sein.“

Du hast dich aber für Berlin entschieden. Warum?

Philip: „Ich hatte einfach Bock auf die Stadt. Die Lebensqualität und auf ein gutes Leben. Die bestehende Startup-Szene hat für mich keine Rolle gespielt. Heute ist es doch egal, von wo man arbeitet.“

Hättest du dir bei deinen Gründungen eigentlich mehr Hilfe gewünscht?

Philip: „Man darf nicht vergessen: Wenn man Hilfe bekommt ist diese immer eingefärbt. Jeder verfolgt seine Interessen. Ich hätte gerne einen Personal-Coach als unabhängigen Beobachter gehabt. Der immer bedenkt, was ich selbst will und nicht das, was andere denken, was das Richtige ist. Diese Treue zu einem selbst ist enorm wichtig. Vielleicht ist es ein bisschen das, was bei euch die Founders Foundation als unabhängige Instanz leistet. Im Sinne der Gründer helfen, nicht im Sinne anderer. Ein Berater muss unabhängig sein, sonst bringt es nichts.“

Welche 3 persönlichen Tipps kannst du Gründern geben?

Philip: 1.) Gründet Unternehmen mit einem tieferen Sinn! Ihr müsst das „Why“ eure Startups beantworten können. Sonst ist es scheiße!

2.) Es gibt NIE die EINE Chance! Auch wenn ein Deal verlockend aussieht… Entwickelt euren eigenen „Bauchgefühl-Ehrenkodex“ und lehnt bei einem schlechten Gefühl ab. Denn es kommen immer wieder neue Chancen – DIE Chance ist ein Irrglaube!

3.) Wenn es euer Business zulässt: Ich kann Crowdfounding nur empfehlen, bei uns war es klasse!

Und was sind die No-Go’s für Startups?

Philip: „Meine persönliche Erfahrung: Nehmt kein Geld von Freunden oder der Familie. Die Friends & Familiy sollen euch auffangen, falls ihr scheitert. Das fällt denen schwerer, wenn ihr diesen lieben Menschen auch noch Geld schuldet. Und denkt an eine Sache: 80 Prozent aller Gründungen gehen schief. Das muss immer im Bewusstsein drin sein. Ein ‚das wird schon alles’ ist nicht drin.“

Part 1.0 des Interviews nochmal hier.

Photo Credits by: einhorn