Die Abkürzung PSD steht für Payment Services Directive und bezeichnet eine EU-Richtlinie zur Regulierung von Zahlungsdiensten und Zahlungsdienstleistern. Ziel der PSD ist, den europaweiten Wettbewerb mit der Teilnahme auch von Nichtbanken am Zahlungsverkehr zu stärken und gleichzeitig den Verbraucherschutz zu verbessern.

Am 13. Januar 2018 tritt mit der PSD2 nun eine überarbeitete Version in Kraft. Viele Bankkunden werden in den letzten Tagen bereits ein Schreiben mit Änderungen der Geschäftsbedingungen erhalten haben. Diese werden durch PSD2 notwendig. Vor allem Fintech-Startups sollen von der neuen Richtlinie profitieren. Sie werden demnächst die Möglichkeit haben, auf Kontendaten zuzugreifen, die bisher ausschließlich den Banken zur Verfügung stehen. Entsprechende Schnittstellen müssen dann eingerichtet werden.

Keine Angst vor Datenklau durch PSD2

Die Bild-Zeitung machte am 3. November daraus folgende Hauptschlagzeile: Warum Ihre Kontodaten in höchster Gefahr sind. Dies suggeriert, dass Internetunternehmen künftig willkürlich und unkontrolliert Daten einsammeln und verwenden können. Das ist allerdings nicht der Fall. Vielmehr müssen Kunden ausdrücklich ihre Zustimmung zu solch einer Nutzung geben, die dann auch nur für den angefragten Zweck gilt.

Profitieren können beispielsweise Personen, die Konten bei mehreren Geldinstituten besitzen. Die lassen sich dank PSD2 und mithilfe eines darauf spezialisierten Dienstes ab 2018 zentral verwalten. Sogar verschärft wurden die Regeln für eine sichere Online-Überweisung. Mindestens zwei der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein: Wissen, Besitz und Inhärenz. Die Persönliche Identifikationsnnummer (PIN) steht beispielsweise für Wissen und die Transaktionsnummer (TAN) für Besitz, wobei schriftliche TAN-Listen in Papierform nicht mehr erlaubt sind. Fingerabdrücke und Gesichtserkennung fallen in die Kategorie Inhärenz.

Inwieweit E-Commerce-Unternehmen und Fintechs von PSD2 profitieren können, lässt sich noch nicht genau absehen. Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt allerdings, dass etablierte Banken im Privatkundengeschäft bis zu 40 Prozent ihres Gewinns einbüßen könnten, wenn sie auf die Veränderungen nicht angemessen reagierten. Das hängt sicherlich auch davon ab, wie das neue Regelwerk ausgelegt und umgesetzt wird. Die Gesetzeslage dazu ist in Teilen noch unklar und muss sich in der Praxis erst bewähren.

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