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Die Roboter kommen! Nicht nur in der Science Fiction löst diese Ansage gemischte Gefühle aus, denn oft ist nicht ganz klar, ob das eine Drohung oder eine Verheißung sein soll. Dabei sind sie längst in der Realität angekommen und werden in Zukunft noch weit mehr an Bedeutung gewinnen. Wie es zum Siegeszug der Robotik kam, welche Folgen das für uns alle hat und welche Rolle Bielefeld dabei spielt, erfahrt Ihr im folgenden Artikel!

Der Begriff „Roboter“, genauer gesagt, „robot“, taucht erstmals 1920 in einem tschechischen Theaterstück auf und ist dem Wort „robota“ entlehnt, was in etwa „Zwangsarbeit“ bedeutet. Fortan waren Roboter fester Bestandteil von Science Fiction-Filmen und -Büchern, als ein Mischwesen aus Mensch und Maschine. Zum echten Roboter-Experten entwickelte sich der russisch-amerikanische Autor Isaac Asimov, der schon 1942 die drei Gesetze der Robotik formulierte, die in Zeiten von künstlicher Intelligenz aktuell wie nie klingen:

  1. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.
  2. Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.
  3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.

Die ersten Roboter, die in der Realität zum Einsatz kamen, waren allerdings keineswegs intelligent. Vorläufer, zumindest gedankliche, gab es schon in der Antike, zur Blütezeit der Araber und bei Leonardo da Vinci. Die ersten funktionierenden Industrieroboter entstanden in den USA in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Inzwischen wesentlich weiterentwickelt, sind sie aus der modernen Produktion nicht mehr wegzudenken, da sie uns einerseits stumpfsinnige und unzumutbare Arbeit abnehmen und andererseits präziser und unermüdlicher arbeiten können als jeder Mensch.

shakey

Mit den Robotern aus Kino und Literatur haben diese Industriemaschinen allerdings wenig gemeinsam, meist bestehen sie nur aus einer Art Arm, sind nur für eine bestimmte Tätigkeit programmiert und fest an einen Ort gebunden. Von einem anderen Kaliber ist da schon Shakey (Bild links). Zwischen 1966 und 1972 in Stanford entwickelt, war Shakey der erste mobile Roboter, der seine eigenen Aktionen planen konnte, und damit ein Prototyp für das, was die Öffentlichkeit an der Robotik bis heute zugleich fasziniert und erschreckt: Eine Maschine, die ein Eigenleben zu führen scheint und irgendwann sogar den Menschen ganz ersetzen könnte.

Mit einem ähnlichen Horrorszenario haben sich gerade die Vordenker der US-Webseite TechCrunch auseinandergesetzt und die Frage gestellt, ob der Kapitalismus die Revolution der Roboter überleben wird. Die Antwort: eher nicht, wenn tatsächlich in naher Zukunft so ziemlich jeder Job von Robotertechnik besser erledigt werden kann als von einem Menschen. Das würde die Arbeitswelt wie wir sie kennen nicht nur revolutionieren, es würde sie praktisch abschaffen.

Ganz so weit ist es zum Glück noch nicht und wird es vermutlich auch nicht kommen. Schauen wir uns deshalb lieber ein paar Beispiele dafür an, wie die Robotik die Welt auf jeden Fall verändern wird. So sind für die Deutsche Post DHL Group Roboter aus der Welt der Logistik schon bald nicht mehr wegzudenken. In seinem neuen Trend-Report Robotics in Logistics beschreibt das Unternehmen, wie kollaborative Roboter die Lieferketten verändern werden. So könnten Logistikroboter zum Beispiel in Kürze bei der Kommissionierung und Verpackung sowie dem Transport von Waren helfen.

„Roboter werden in vielen Branchen eingesetzt, haben sich aber in der Logistik aufgrund der Komplexität der Prozesse noch nicht richtig durchgesetzt“, sagt Matthias Heutger von DHL. „Die Steuerung unendlich vieler Produkt- und Prozesskombinationen in Zusammenarbeit mit Menschen in geschlossenen Räumen ist für Roboter eine Herausforderung. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Prozesse in 80 % aller Logistikstandorte immer noch manuell ablaufen. Seit kurzem aber zieht die Technologie nach, da flexible, kostengünstige und kollaborative Roboter zunehmend gefragt sind.“

Diese Roboter der nächsten Generation können sehen, sich bewegen, auf ihr Umfeld reagieren und Präzisionsaufgaben übernehmen. Im Idealfall Seite an Seite mit Menschen, doch manche befürchten, auch ohne sie. So oder so, Regierungen, Wagniskapitalgeber und Konzerne investieren massiv in neue Forschungsprojekte. Die EU hat im Rahmen des SPARC-Programms 700 Millionen Euro für die Roboterforschung eingeplant, ein Konsortium von 180 europäischen Unternehmen hat dafür weitere 2,1 Milliarden Euro an Forschungsgeldern bis 2020 zugesagt.

Szenenwechsel. Um die stetig wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können, muss die Landwirtschaft immer effizienter werden. Agrarroboter und autonome Supertraktoren könnten sie grundlegend verändern. Der Erfinder und Ingenieur David Dorhout aus Des Moines, Iowa, beackert dieses Feld schon seit Jahren. Sein Prospero (Bild oben) ist ein autonomer Mini-Pflanzroboter, der bevorzugt in Schwärmen eingesetzt werden sollte. Prospero erkennt, wo er die Saat am erfolgversprechendsten platzieren kann, und ist in der Lage, seine Schwarmkollegen über diese idealen Orte zu informieren.

„Agrarroboter werden die Landwirtschaft deutlich verändern“, prognostiziert Dorhout. Altbekannte Konzepte wie Reihen und Gassen auf dem Feld könnten hinfällig werden, kein Quadratzentimeter des Ackers würde unbeobachtet bleiben. Und Simon Blackmore, Leiter des National Centre for Precision Farming (NCPF) in Großbritannien, sagt voraus: „In 20 Jahren wird die Robotik die Landwirtschaft revolutioniert haben. Die späteren Robotergenerationen werden auch intelligent genug sein, sich Natur, Wetter und Umwelt anzupassen.“

Robotermodell Atlas (Foto © Boston Dynamics)

Robotermodell Atlas (Foto © Boston Dynamics)

Für manche scheint die Roboterzukunft allerdings auch schon wieder vorbei zu sein. Gerade machte die Meldung die Runde, dass die Google-Holding Alphabet seine erst vor gut zwei Jahren erworbene Roboterschmiede Boston Dynamics wieder loswerden möchte. Der Deal war nie unumstritten, da die Roboter von Boston Dynamics, wie etwa der menschenähnliche Atlas, auch für militärische Zwecke konzipiert sind.

Wahrscheinlich ist der Grund für den geplanten Verkauf aber viel profaner: Alphabet sieht derzeit keine Chance, mit dem Unternehmen Geld zu verdienen. Die Tage von Atlas, dessen beeindruckende Gehversuche bei YouTube schon Millionen fasziniert haben, sind deshalb aber noch nicht gezählt. Als Käufer von Boston Dynamics stehen angeblich schon Amazon und Toyota bereit. Amazon kann Roboter für seine Lagerhallen gut gebrauchen, und Japan ist sowieso eine Hochburg der Robotik; dort dienen die Maschinenwesen schon in der Altenpflege, als Spielkameraden und Lebensgefährten zwischen Mensch und Haustier.

Serviceroboter Tobi (Foto © CITEC/Universität Bielefeld)

Serviceroboter Tobi (Foto © CITEC/Universität Bielefeld)

Aber nicht nur in Japan auch bei CITEC an der Uni Bielefeld passiert so einiges in Sachen Robotik (hier unser Bericht). Das zeigte sich gerade wieder bei den RoboCup European Open in Eindhoven. Im letzten Jahr konnte der Bielefelder Roboter Tobi bereits den dritten Platz bei der RoboCup-Weltmeisterschaft in China abräumen, diesen Erfolg wiederholte er am Wochenende. Dazu musste er insgesamt neun Prüfungen ablegen, in der Disziplin Restaurant beispielsweise die Bestellung eines Gastes aufnehmen und ihm das gewünschte Getränk bringen. Und bei der Aufgabe Navigation muss der Roboter sich in ein Apartment begeben, dort mehrere Stationen aufsuchen, die Wohnung wieder verlassen und dabei eine Reihe von Hindernissen umfahren.

Tobi hat einen fahrbaren Untersatz und einen Greifarm und ist mit Tiefensensoren, Farbkameras und zwei Laserscannern ausgestattet, mit denen er seine Umgebung wahrnimmt. So merkt er sich seinen Arbeitsplatz als virtuelle Landkarte und beherrscht sogar Gesichtserkennung. Tobi basiert auf dem Prototyp Biron (= Bielefeld Robot Companion) und wird von einem Team bestehend aus zwölf Studierenden der Technischen Fakultät und den drei CITEC-Wissenschaftlern PD Dr. Sven Wachsmuth, Sebastian Meyer zu Borgsen und Timo Korthals betreut. Nächste Station ist die vom 30. Juni bis 4. Juli stattfindende RoboCup-WM Leipzig. Wir drücken die Daumen!

Bild ganz oben: Szenenfoto aus dem Hollywoodfilm I,Robot (2004)