Bist du ein Mensch? 10   +   1   =  

– Wenn dein Chef ein Arsch ist…und du selbstständig bist –

 

„Mein Chef ist so ein cooler Typ. Er hat sich gestern beim Feiern so besoffen, dass er mir heute freigegeben hat.“
„Das ist ja cool. Was arbeitest du denn?“
„Ich bin selbstständig.“

Der Witz ist alt und nicht von mir. Sorry. Aber er ist auch ein perfekter Einstieg ins Thema. Wenn du selbstständig bist, dann hat das nämlich einen ganz eindeutigen Vorteil: Du bist dein eigener Chef, Projektplaner und Kollege. Aber es gibt natürlich auch einige Herausforderungen: Du bist zum Beispiel dein eigener Chef, Projektplaner und Kollege. Daher unser heutiges Thema: Die zwei größten Herausforderungen für Freelancer. 

1. Disziplin

Chefs können nervig sein. Es gibt Aufgaben, die will man nicht machen, sie sind aber nötig. Es gibt Tage, die Überstunden erfordern. Nicht cool, aber notwendig. Wenn man einen Chef hat, dann hat das nicht nur den Vorteil, dass jemand einem die Aufgaben reindrückt, die man gerne aufschieben würde. Man kann auch ganz lässig seinen Frust outsourcen. Tief in seinem Inneren weiß man oft, dass es nötig ist jetzt das zu machen, was man eben machen muss – aber es geht viel leichter wenn man danach in der Kneipe über den arschigen Chef schimpfen kann.
Über wen soll ich mich denn aufregen, wenn ich selbstständig bin? Soll ich ein Bild von mir selbst vor meine Dartscheibe hängen? So macht das nun wirklich keinen Spaß.

Sich selbst zu disziplinieren kann hart sein. Das fängt beim Aufstehen an (Warum sollte ich mir freiwillig den Wecker auf 6h stellen?) und weitet sich auf die Tages-Agenda aus.
In meinen Augen ist der größte Fehler, wenn man zu situativ plant. Wenn ich mir überlege, ob ich jetzt grade meine Steuererklärung machen möchte, ist die Antwort definitiv Nein! Wenn ich mir aber vor einer Woche auf meine To-Do Liste oder in den Timer geschrieben habe, dass heute die Steuern dran sind, damit die Woche funktioniert, wird mein Vergangenheits-Ich quasi zum Chef und die Vernunft obsiegt über situativen Hedonismus. Manchmal…

 2. Abschalten

Meistens die noch größere Herausforderung, als sich überhaupt zum Arbeiten zu bewegen: Feierabend machen. Hier hat der 9 to 5 Job definitiv seine Vorteile. Es gibt Arbeitszeiten, an die man sich hält, Überstunden werden abgerechnet und wenn man frei hat, hat man frei.
Als Selbstständiger ist es deutlich schwieriger Abstand zur Arbeit zu bekommen. Wer von zu Hause arbeitet hat es besonders schwer.
Wo soll ich hin, wenn ich fertig gearbeitet habe? Ein Stück weiter nach links auf der Couch?
Was mache ich, wenn ich genug von der Arbeit habe, ich aber vom Bett aus auf den Schreibtisch mit dem unfertigen Projekt gucken kann?

Was sich erstmal recht unspektakulär anhört, kann unterbewusst für extrem viel Stress sorgen.
Private und dienstliche Nachrichten mischen sich im Handy, abends beim Seriengucken ploppt eine E-Mail vom Kunden ins Bild…
Selbstständig arbeiten heißt selbst arbeiten und vor allem: ständig arbeiten.
Die Kunst ist es, eine maximale Trennschärfe zwischen dem privaten und dem beruflichen Raum zu schaffen. Abends die Dienstnummer stumm schalten, die Mails zum schweigen bringen und, wenn man es schafft, für räumliche Trennung sorgen.

Sei dein Lieblingschef

Die Faustregel ist: Sei der Chef, den du dir wünschst.
Nimm dir kurz die Zeit um zu reflektieren, wie du dir einen idealen Arbeitgeber vorstellst.
Wann muss er streng mit dir sein, wo brauchst du Hilfe, aber auch: Wo liegen deine Stärken, wo soll dir keiner reinquatschen?
Und dann entwickele Mechanismen, Tagesstrukturen und Strategien, wie du, als dein Chef
1) schaffen kannst, was du schaffen musst
und
2) einfach mal die Klappe hältst!

Stay Witty.

 

 

Photo by Laurenz Kleinheider on Unsplash – Symbolbild: ich und mein Chef