Vergangene Woche fand in Berlin die NOAH Konferenz statt, auf der sich eine große Zahl erfolgreicher  Digitalunternehmen präsentierte. Fast alle Branchen waren vertreten, natürlich auch das Internet der Dinge. Mit Sigfox und WATTx haben wir uns zwei Vertreter dieser Sparte etwas genauer angeschaut.

Bei der NOAH, die sich rühmte, mehr Einhörner auf der Bühne zu haben, wurde Sigfox als das größte IoT-Startup der Welt angekündigt. Tatsächlich hat das französische Unternehmen laut der amerikanischen Datenbank Crunchbase aktuell eine Bewertung von 637 Millionen US-Dollar, was noch nicht zur Mitgliedschaft im Klub der milliardenschweren Einhörner berechtigt. Mit einem Gesamtinvestment von 310 Millionen ist Sigfox aber auf einem eindrucksvollen Weg.

Ludovic Le Moan, Gründer und CEO von Sigfox, zeigt dem NOAH-Publikum einen Sensor

Und das unter dem Motto „The Power of Low“. Gemeint ist ein geringer Energieaufwand bei niedrigen Kosten, um ein globales Funknetzwerk für das Internet der Dinge zu schaffen. Deshalb wird Sigfox der Telekommunikationsbranche zugeordnet. „Low“ ist ist auch die Bandbreite, in der gesendet wird, bei gleichzeitig relativ hoher Reichweite: je nach Gelände bis zu 50 Kilometer. Daher spricht das Unternehmen von einem „Low Power Wide Area“ Netzwerk. Geschickt werden die Daten an eine Basisstation, die bis zu einer Million Geräte verwalten kann, wobei nur ein Bruchteil der Energie benötigt wird, die bei üblichen Mobilfunknetzen aufgewendet werden muss.

Auch Nashörner gehören zum Internet of Things

All diese Vorteile haben dazu geführt, dass Sigfox sein Netz mittlerweile in 32 Ländern aufgebaut hat. Der Erfolg hat die Gründung einer eigenen Wohltätigkeitsorganisation möglich gemacht, der Sigfox Foundation. So wird die Technologie beispielsweise für die Überwachung von Nahörnern benutzt, um die vom Aussterben bedrohten Tiere besser für Wilderei zu schützen. Da wird das Internet der Dinge zum Internet der Lebewesen.

Bastian Bergmann, CEO von WATTx

Wohltätigkeit hatte der altehrwürdige hessische Heizungsbauer Viessmann weniger im Auge, als er den Company Builder WATTx ins Leben rief. Ziel war vielmehr, dem Unternehmen auf diese Weise digitales Know-how zu verschaffen. Das klappte nur sehr bedingt, doch als Gründungslabor speziell für das Internet der Dinge hat sich WATTx mittlerweile etabliert. Auf der NOAH erklärte CEO Bastian Bergmann, man habe sich 236 Probleme vorgenommen, 24 Lösungen definiert, daraus 11 Prototypen entwickelt und schließlich vier Unternehmen gegründet.

Von 236 Problemen zu 4 Startups

Sie sind also das Ergebnis eines langen Selektionsprozesses. Die vier Startups haben bewusst mit dem Geschäftsbereich von Viessmann kaum Berührungspunkte. Loopstock bietet eine Lösung zur Lagerverwaltung in Krankenhäusern, die auch dafür sorgt, das Material und Medikamente automatisch nachbestellt werden. Ophi ist ein Chatbot, der bei der Organisation des Arbeitsalltags hilft. Snuk ist eine Infrastrukturplattform für smarte Gebäude. Durch bessere Vernetzung der verschiedenen dort verwendeten Systeme lassen sich bis zu 30 % Energie sparen. Und Statice sorgt dafür, dass bei der Datenverarbeitung alles im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung abläuft.

Bei den WATTx-Ausgründungen erhält der in Berlin ansässige Company Builder die eine Hälfte der Anteile, das Gründerteam die andere. Dazu gibt es eine Anschubfinanzierung von 150.000 bis 250.000 Euro. Das Projekt ist vorerst auf drei Jahre angelegt, angestrebt werden bis zu vier Neugründungen pro Jahr. Die sollen irgendwann möglichst gewinnbringend verkauft werden.

X