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Das Internet of Things, das Internet der Dinge, ist eines der ganz großen Themen unserer Zeit; die Vernetzung von allem mit jedem wird ganze Unternehmen, ja komplette Städte erfassen. Eine Nummer kleiner findet das auch in den eigenen vier Wänden statt und nennt sich dann Smart Home. Wir geben einen Überblick über das, was schon geht und was noch kommt.

Man kennt das aus Science Fiction-Filmen: interaktive Monitore überall, selbst unter der Dusche, Lampen und Haushaltsgeräte, die sich per Handbewegung oder Sprachbefehl ein- und ausschalten lassen, Sensoren, die alle Aktivitäten im Haus messen und daraufhin die Heizung regulieren – Moment, ist das noch Kino oder schon die Realität? Beides, denn im Bereich Smart Home ist in den letzten 15 Jahren so viel passiert, dass manche Zukunftsvision aus Hollywood inzwischen alt aussieht.

Zu den deutschen Pionieren auf diesem Gebiet zählt das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (Fraunhofer IMS) in Duisburg. Schon in den 90er Jahren beschäftigte man sich dort mit „integrierten Haussystemen für ressourcenschonendes Wohnen“. Am 3. April 2001 erfolgte dann die Eröffnung der inHaus1-Forschungsanlage für das Geschäftsfeld Wohnen auf einem ca. 1.000 m² großen Gelände in der Nähe des Fraunhofer IMS und der Universität Duisburg-Essen.

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Das inHaus1-Gebäude beheimatet ein Wohnlabor und eine Technikwerkstatt, in denen Wissenschaftler und Hersteller an Systemlösungen beispielsweise zum Thema Energiesparen und selbständiges Wohnen älterer Bürger werkeln. Seit 2008 gibt es auch ein inHaus2, in dem es um größere Nutzungsimmobilien geht, etwa Krankenhäuser und Büros, aber viele dort entwickelte Ideen lassen sich auch auf den Wohnbereich übertragen, etwa ein Türdichtungssystem (Bild oben), das den den CO2-Gehalt der Luft misst. Zuviel CO2 macht müde und unkonzentriert, deshalb sollte allzu „dicke Luft“ vermieden werden.

Das Dilemma: Smart Homes sind auf Energiesparen optimiert und dichten alles ab, die Luftqualität wird dabei aber weniger berücksichtigt. Normale Fensteröffnung wiederum beeinträchtigt die Energieeffizienz. Die Lösung: Eine elektronisch gesteuerte Türdichtung öffnet oder schließt sich je nach der von einem speziellen Sensor gemessenen CO2-Menge im Zimmer. Steigt diese über den Schwellenwert, steuert ein kleiner Motor über eine Feder die Türdichtung am unteren Teil des Türflügels. Die Dichtung zieht sich nach oben, durch den Schlitz kann sich die Raumluft austauschen. Gleichzeitig schaltet das System über die Gebäudeleittechnik die Lüftungsanlage ein, die verbrauchte Luft aus dem Raum befördert.

Eine solche Lösung fällt in den Bereich der Hausautomation, eines der fünf wesentlichen Smart Home-Themenfelder, die ineinandergreifen und sich folgendermaßen zusammenfassen lassen:

Hausautomation
Unter diesem Begriff lässt fast alles subsumieren, was die Automatisierung des Wohnalltags betrifft. Schon kleine Klassiker sind Lampen, die auf Lichteinfall von außen und Bewegungen reagieren, die Heizung, die sich per Smartphone auf dem Heimweg hochfahren lässt oder Jalousien, die bei Sonnenschein heruntergehen. Bei Abwesenheit im Urlaub kann zur Abschreckung von potenziellen Einbrechern so ziemlich alles programmiert und simmuliert werden, was auf Aktivität im Haus hindeutet: an- und ausgehende Lichter, Fernseher, Radios usw. Werden die verschiedenen Funktionen miteinander vernetzt, kommuniziert das Haus quasi mit sich selbst.

Per Tablet lassen sich alle Bereiche des Smart Homes ansteuern (Foto © krischerfotografie / Fraunhofer-inHaus)

Per Tablet lassen sich alle Bereiche des Smart Homes ansteuern (Foto © krischerfotografie / Fraunhofer-inHaus)

Smart Metering
Aus dieser Vernetzung resultiert ein Smart Metering genanntes System, das den Verbrauch von Strom, Wasser und Heizenergie misst, analysiert und gegebenfalls optimiert mit dem Ziel, Kosten und Ressourcen zu sparen.

Automation von Haushaltsgeräten
Fast schon berüchtigt und geradezu sprichwörtlich auf diesem Gebiet ist der Kühlschrank, der Milch nachbestellt, wenn sie alle ist. Hat sich nicht durchgesetzt und wird sich auch nicht durchsetzen, aber wie wäre es mit einer Kaffeemaschine, die jeden morgen pünktlich von selbst frischen Kaffee aufbrüht, vielleicht gekoppelt an den Wecker, der den passenden Duft verströmt und so das Aufstehen leichter macht. Schlau wäre auch ein Herd, der sich automatisch abstellt, wenn das Essen anbrennt, was Sensoren anhand verstärkter Rauchentwicklung in der Küche festgestellt haben.

Vernetzte Unterhaltungselektronik
Zentral gespeicherte Medien wie Musikdateien, Bilder oder Filme, die sich überall im Haus drahtlos aufrufen und abspielen lassen, sind schon längst keine Zukunftsvision mehr, und mit dem Fernseher, einem Computer und dem Smartphone hat fast jeder mindestens drei Bildschirme vor Augen. Aber da geht noch mehr, und zukunftsorientierte Medienschaffende erkunden gerade, wann sich wo welche Botschaften am besten an das Publikum bringen lassen. Etwa die Werbung der Weight Watchers auf dem Display der Personenwaage oder den Wetterbericht im Spiegel des Kleiderschranks („Gibts heute Sonne oder Regen und was ziehe ich bloß an?“). Sind erst genügend Monitore vorhanden, kann zu jeder Lebenssituation der passende Content eingespielt werden.

Sicherheit
Wie man Einbrecher durch Zeitschalttechnik täuschen kann, haben wir schon erwähnt, aber das Thema Sicherheit ist damit noch längst nicht erschöpft. Mit Kameras und Sensoren lassen sich alle Arten von verdächtigen Abweichungen von der Normalität feststellen, um entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Wenn man so will, sind Rauchmelder und Sprinkleranlagen frühe Smart Home-Komponenten, nur dass heute viel genauer gemessen und überwacht werden kann. Wer bei dem Wort „überwacht“ jetzt innerlich etwas zusammengezuckt ist, steht nicht allein da. Auch beim Thema Smart Home spielen Fragen des Datenschutzes und -missbrauchs eine wichtige Rolle.

Desinteresse_DelNeben der Frage nach dem Umgang mit der enormen Datenmenge, die im Smart Home entsteht, stellen sich dem Verbraucher mindestens zwei weitere: Will ich das alles haben? Und kann ich mir das überhaupt alles leisten, für mein kleines Reihenhaus oder die Etagenwohnung? Das ist zumindest ein Ergebnis einer Befragung aus dem Jahr 2015, welche das Beratungsunternehmen Deloitte und die TU München mit 1.000 Personen zwischen 19 und 75 Jahren durchgeführt haben. 44 % nannten zu hohe Kosten als Grund für ihr Desinteresse an Smart Home, 29 % mangelnden Datenschutz, und 23 % konnten keinen Mehrwert erkennen (Mehrfachnennungen möglich). Als besonders positiv wurden hingegen die Punkte Komfort (47 %) und Sicherheit (43 %) bewertet.

Kaufabsichten_DeloitteNeben vielen anderen Dingen wurden auch die bevorzugen Smart Home-Anwendungen inklusive der Kaufabsicht abgefragt (siehe Grafik). Ganz vorn sind dabei Alarmsysteme, angesichts der in den Medien sehr präsenten Diskussion um steigende Einbruchszahlen bei sinkender Aufklärungsquote keine große Überraschung. Wieviel Potenzial tatsächlich in dem Markt insgesamt steckt, darüber gehen die Schätzungen weit auseinander. Das komplett vernetzte Smart Home wird wohl noch eine Weile ein Luxusprojekt für Nerds bleiben, doch einzelne Elemente haben die Chance, so schnell in unseren Alltag einzuziehen und selbstverständlich zu werden, dass wir sie bald gar nicht mehr als Smart Home-Technologien wahrnehmen.

Auf diesen Trend setzt die die Plattform QIVICON. Dahinter steckt eine Initiative zahlreicher Industrieunternehmen, angeführt von der Deutschen Telekom. Natürlich wird man dort nicht völlig uneigennützig beraten, aber zumindest bekommt man einen ordentlichen Überblick darüber, was zurzeit so angeboten wird, auch wenn beispielsweise LED-Glühbirnen nicht unbedingt der allerneueste Schrei sind. Smart Home ist eben ein dehnbarer Begriff, der immer mehr in den Mainstream eindringt; so gesehen ist inzwischen schon fast jedes Zuhause ein bisschen smart.

Foto ganz oben © QIVICON